Rodenkirchen In Stadland gibt es eine weitere Spielstätte für plattdeutsches Theater: die St.-Matthäus-Kirche in Rodenkirchen. Etabliert wird sie am Freitag, 15. Februar, mit einer Aufführung des Theatervereins Spiel-Art, der anspruchsvolles niederdeutsches Schauspiel zeigt – zum Auftakt ein Zwei-Personen-Stück: „Nacht, Mudder“.

„Wir tun ähnliches“, sagt Pastorin Birgit Faß über die Theatermacher. „Wir bewegen Menschen durch das Wort.“ Zudem biete sich der Kirchenraum für ein Kammerspiel geradezu an, ergänzt der Regisseur Thomas G. Willberger, den viele noch mit seiner Inszenierung „Dude und Gerolt“ verbinden, das der Verein Freilicht-Spektakel Stadland unter dem Vorsitz von Ummo Wedelich präsentiert hatte.

Pulitzer-Preis für Stück

Die Aufführung beginnt um 19 Uhr und dauert eine gute Stunde. Zu sehen ist die Wiederaufnahme einer Erstaufführung in niederdeutscher Sprache. Das Stück heißt im Original „Night, Mother“ und stammt aus der Feder von Marsha Norman, einer der wichtigsten amerikanischen Dramatikerinnen der Gegenwart. Das Stück, das sich offen mit dem Thema Suizid beschäftigt, erhielt 1983 den Pulitzer-Preis in der Kategorie Drama; es wurde mit zahlreichen weiteren renommierten Preisen ausgezeichnet, als Film produziert und in mehr als 20 Sprachen übersetzt.

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Eintrittskarten gibt es schon jetzt

Das Stück „Nacht, Mudder“ wird am Freitag, 15. Februar, ab 19 Uhr in der St.-Matthäus-Kirche aufgeführt. Der Eintritt für das plattdeutsche Kammerspiel kostet 10 Euro. Schüler und Studenten zahlen 8 Euro.

Der Vorverkauf hat begonnen. Eintrittskarten gibt es im Bücher- und Schreibwaren-Eck Manzke in Rodenkirchen, in der Buchhandlung Gollenstede im Famila-Center Brake und bei Nordenham Marketing & Touristik (NMT).

Die plattdeutsche Übertragung stammt von Inske Albers-Willberger, der Frau des Regisseurs. Sie spielt auch eine der beiden Rollen – die der dominanten Mutter Selma Carstens. Nachdem der Mann gestorben und der Sohn ausgezogen ist, lebt sie allein, bis die Tochter Jule (Kerstin Umierski) nach einer gescheiterten Beziehung zurückkehrt. Fortan bestreiten die beiden Frauen einen sich in Oberflächlichkeiten und Banalitäten erschöpfenden Alltag.

In ihrer Selbstbezogenheit, ihrem Egoismus und ihrer Unfähigkeit, Jule ein eigenes selbstbestimmtes Leben zuzugestehen, schafft Selma Abhängigkeiten für sich selbst und ihre seit Kindheitstagen an epileptischen Anfällen leidende Tochter. Zehn Jahre geht das so, bis die kontaktarme Jule sich für den ultimativen Ausweg entscheidet.

Für die Aufführung reichen 25 Quadratmeter Spielfläche vor dem Chorraum, sagt Thomas G. Willberger. Wie zur Zeit Shakespeares ist die Bühne nach drei Seiten offen, einen Vorhang gibt es nicht. Die Zuschauer sitzen mitten im Geschehen. Die beiden Darstellerinnen sprechen Oldenburger und Ammerländer Plattdeutsch.

Thomas G. Willberger ist kein Plattschnacker von Geburt. Er stammt aus Alken an der Mosel, wo er als Sohn eines Winzers katholisch erzogen wurde. Schon als Jugendlicher spielte er in der dortigen Kirche ein Stück: „Der eingebildete Kranke“ von Moliére.

Am Oldenburgischen Staatstheater baute er bis 2011 die neue Plattdeutsch-Sparte auf, die in ihrer ersten Spielzeit die erfolgreichste Sparte der Bühne war, wie Willberger sagt.

Danach wechselte er zum Theater auf dem Flett, einer Einrichtung des Landschaftsverbands Stade, bei der Theater-Profis vom Schauspieler über den Maskenbildner bis zur Regisseurin Laien weiterbildeten. Bis zu 60 der insgesamt 200 niederdeutschen Bühnen im ehemaligen Regierungsbezirk Stade schickten Aktive zu dieser Fortbildungseinrichtung.

Reines Tourneetheater

Nachdem die Förderung ausgelaufen war, gründeten die Theaterleute im März 2017 den eingetragenen Verein Spiel-Art, in dem professionelle und semiprofessionelle Theaterfachleute und an innovativer Theaterarbeit interessierte Amateure zusammenarbeiten. Spiel-Art ist nicht nur das einzige Ausbildungstheater dieser Art in Niedersachsen, sondern auch das einzige überregional auftretende niederdeutsche Tourneetheater. „Wir wollen qualitativ hochwertige niederdeutsche Produktionen gerade im ländlichen Raum etablieren“, sagt Thomas G. Willberger.

Spiel-Art ist anerkannter Bildungspartner der Ländlichen Erwachsenenbildung (LEB) und arbeitet ausnahmslos ehrenamtlich. Haupteinsatzgebiet ist das Elbe-Weser-Dreieck. Die rund 20 Mitglieder kommen überwiegend aus dem gesamten ehemaligen Bezirk Stade; sie proben im Heimathaus Wachholz bei Bad Bederkesa und im Gemeindesaal Hamah bei Stade.

  Wie Pastorin Birgit Faß und die Kirchenratsvorsitzende Jutta Barghop sagen, orientiert sich die Kulturarbeit der Kirchengemeinde neu. Die Kunstausstellungen sind ausgelaufen, stattdessen wird mehr Musik und Theater „zu Besuch bei Münstermann“ sein. So sind in diesem Jahr mehrere Orgelkonzerte geplant. Dazu kommen ein weiteres Gastspiel des Musikfests Bremen am Dienstag, 1. September, und die Uraufführung des modernen Oratoriums „Die Schöpfung“ von Alfons Faß am Sonntag, 8. November.

Und auch für den der Theaterverein Spiel-Art wird dies nicht die letzte Vorstellung in St. Matthäus gewesen sein.

Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
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