Nordenham Viele kennen ihn aus dem Fernsehen: Arnulf Rating, der schon seit langem zu den bekanntesten Politkabarettisten Deutschlands gehört. Jetzt präsentierte der mehrfach ausgezeichnete Künstler aus Berlin in der Jahnhalle sein aktuelles Programm „Rating akut“.

Das Publikum bekam Kabarett vom Feinsten geboten. Schonungslos rechnet Arnulf Rating mit der aktuellen Politik, den Medien und großen Teilen der Gesellschaft ab. Ausgestattet mit jeder Menge Tages- und Wochenzeitungen aus den vergangenen Wochen und Monaten konfrontiert er sein Publikum mit Themen wie Flüchtlingspolitik, Präsidentschaftswahlen in Frankreich, Atomkonflikt mit Nordkorea oder dem türkischen Todesstrafen-Referendum. „In der Welt ist die Hölle los. Eigentlich bräuchte man nach jeder Tageschau im Fernsehen einen Brennpunkt“, meint der Kabarettist, dessen Markenzeihen die roten Lackschuhe und der silberne Aluminiumkoffer mit den Zeitungsstapeln sind.

Gearbeitet wird trotzdem

Da werden jede Menge Schlagzeilen zitiert. „Jeder dritte Berliner ist psychisch krank. Viele arbeiten trotzdem“, liest Arnulf Rating den 80 Besuchern der Jahnhalle vor und ergänzt dann, dass er noch auf keine bessere Beschreibung der Bundesregierung gestoßen sei. Der Journalismus hat sich nach Ansicht des Kabarettisten zur reinsten „Anzeigenumfeldgestaltung“ oder „Rudelpresse“ entwickelt, in der nur noch die „Leitmedien“, die man eigentlich mit „d“ schreiben müsse, das Sagen haben. Das alles geht auf der Bühne in einem solch rasanten Tempo und mit viel Humor und Scharfzüngigkeit vor sich, dass man zeitweise mit den Lachen gar nicht mehr mitkommt.

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Vielfältig sind aber nicht nur die aktuellen Themenstellungen, die Arnulf Rating in seinem neuen Programm kritisch durchleuchtet, sondern ebenso die unterschiedlichen Rollen, in denen der in Mülheim geborene Kabarettist auf der Bühne erscheint. Am Anfang spielt er die Krankenschwester Hedwig mit den blonden langen Zöpfen, die das Publikum sofort wissen lässt, dass die Jahnhalle kurzerhand zur Flüchtlingsunterkunft mit 200 Feldbetten umfunktioniert werden soll, weil das Kriegsgebiet Sachsen ja nun wirklich keine Option für Kriegsflüchtlinge sei.

Dann wieder ist er der gescheiterte Enthüllungsjournalist Karl-Heinz mit langen Haaren und blaugeringelter Pudelmütze, der als zeitkritischer Geist vom Chefredakteur kalt geschasst wird und nur noch Texte für den Gartenteil der Wochenendausgabe schreiben darf.

Als Rentner Kalkowski, der auf einen 450 Euro-Job angewiesen ist, baut er die Feldbetten für die Til-Schweiger-Stiftung in der Jahnhalle auf und kritisiert währenddessen die Finanzpolitik der Bundesregierung. Brillant auch der Auftritt in der Rolle des windigen und profitorientierten Finanzmaklers Guido Greuel, der die Kultureinrichtung in Nordenham natürlich für überflüssig hält und es gar nicht abwarten kann, Kapital aus der Flüchtlingsunterkunft zu schlagen.

Aktuell und pointiert

Arnulf Ratings neuestes Programm „Rating akut“ überzeugt eben nicht nur durch seine brandaktuellen und pointierten Inhalte, viel Wortwitz und Wahrheit, sondern auch durch das schauspielerische Können und die gekonnte Körpersprache des 65-Jährigen, der in der Vergangenheit unter anderem den Deutschen Kleinkunstpreis und den Deutschen Kabarettpreis erhalten hat. Auch das Nordenhamer Publikum zeigte sich beeindruckt.

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