NORDENHAM Politisches Kabarett auf höchstem Niveau gab es am Freitagabend in der Jahnhalle. Die Leipziger Pfeffermühle war abermals zu einem Gastspiel in das Kulturzentrum gekommen. Seit 1954 existiert das Traditionstheater und hat dabei durch seine hohe Popularität auch die lange Zeit unter der SED-Diktatur einigermaßen schadenfrei überstanden. Vor vollen Rängen präsentierten Franziska Schneider, Burkhard Damrau und Pfeffermühlen-Leiter Dieter Richter das aktuelle Bühnenprogramm „30% Rabattzzz“.

Ob Finanzkrise, Überwachungsstaat oder das Desaster der Deutschen Bahn, nach aktuellen Themen mussten die Kabarettisten nicht lange suchen. In der knapp zweistündigen Aufführung gaben Richter & Co. dem anonymen Systemfehler jedoch auch ein menschliches Gesicht: Der klischeehafte Bahnbeamte, der mit einer Hochschwangeren diskutiert, ob ihr ungeborenes Kind schon im Gruppenticket mitreisen darf oder als „embryonales Frachtgut“ deklariert werden müsse, hatte seinen Auftritt, ebenso der Autor von unverständlichem Kleingedruckten. Der gestresste Manager, der den suizidalen Kleinsparer bittet, ob dieser sich nicht vor einen anderen Zug werfen könne, weil er sonst seinen Geschäftsabschluss verpasst, machte schließlich deutlich, dass Opfer- und Täterposition zuweilen in einander übergehen. Eine wirklich abgehängte und frustrierte Figur trat dann jedoch ganz zum Ende auf und sorgte dafür, dass dem einen oder anderen Zuschauer das Lachen im Halse stecken blieb. Die Botschaft der Pfeffermühle

war deutlich: Wo Perspektivlosigkeit und Verbitterung im Alltag Einzug hält, sind auch militante Parolen und Gewalt nicht mehr weit.

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Mit scharfen Pointen legte das Ensemble den Finger in die Wunde einer Gesellschaft, die immer mehr von Zerfall und sozialer Zerklüftung bedroht ist. Zwischendurch gab es jedoch auch weniger starken Stoff zu verdauen. Marcus Ludwig (Piano) und Peter Jakubik (Schlagzeug) sorgten zudem mit musikalischer Untermalung für eine Auflockerung des Programms und erinnerten daran, dass wir ja eigentlich doch ganz zufrieden mit unserem Dasein sind. Zu 30 Prozent!

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