Nordenham Eigentlich ist Whisky ein altmodisches Produkt. Schließlich benötigt er das, was heutzutage nur noch wenige zu haben glauben. Er braucht Zeit – viel Zeit. „Und er schmeckt am besten, wenn ihn Fachleute ganz bedächtig und in Handarbeit herstellen.“ Der Nordenhamer weiß, wovon er spricht. Er hat schon viele Whisky-Destillen besucht. Und nicht nur das. Er hat mitgeholfen, hat Gerste geschaufelt, hat Bücher gelesen, Arbeiter, Geschäftsführer und Händler mit Fragen gelöchert.

Tastings und Seminare

Der 49-Jährige, der von den meisten nur Mo genannt wird, freut sich, dass der Whisky nicht aus der Zeit gefallen ist. Er boomt. Immer mehr Menschen schätzen das Geschmackserlebnis. Aber vielleicht schätzen sie das flüssige Gold auch als wohltuendes Symbol der Entschleunigung in einer schnelllebigen Zeit. Wie auch immer: Oliver Morawietz teilt gerne seine Leidenschaft für den schottischen Single Malt, der ihn am meisten begeistert. Er veranstaltet Tastings, gibt Seminare, hält Vorträge, und einmal im Jahr lädt er gemeinsam mit seinem Freund Georg Vorwerk zum Whisky-Festival in den Nordenhamer Güterschuppen ein. An diesem Samstag findet dort die siebte Auflage statt. Und einmal mehr ist dieses Stelldichein der Whisky-Freunde ausverkauft.

Auchentoshan Heartwood, Dalwhinnie, Clynelish, Benromach, Laphroaig – der Laie denkt bei solchen Zungenbrechern an keltische Gottheiten; Whisky-Kenner schnalzen mit der Zunge. Bei Oliver Morawietz füllen die schottischen Schätze ein ganzes Regal. Und mittendrin steht Mo’s Finest Drop: eine Einzelabfüllung – 16 Jahre alt, von den Orkney-Inseln. Seine Leidenschaft für den Single Malt hat Mo inzwischen zu einem Nebengewerbe gemacht, das in erster Linie von der Mundpropaganda lebt. Um die 300 verschiedene Whiskys hat der Nordenhamer bei sich zu Hause stehen. Und natürlich genehmigt er sich gelegentlich auch mal einen guten Tropfen. Aber nicht häufiger als ein- bis zweimal in der Woche und nie mehr als zwei Zentiliter.

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Der 49-Jährige weiß natürlich, wie man einen Whisky genießt. „Am besten nimmt man ein tulpenförmiges Glas und schwenkt es noch einmal kurz in der Hand“, sagt Mo. Wichtig sei, dass die ganze Zunge bedeckt wird, damit die verschiedenen Geschmacksnerven zum Einsatz kommen. Ein Eiswürfel im Whisky ist für Oliver Morawietz ein absolutes No-Go. Für das perfekte Whisky-Erlebnis läuft bei Mo Brit-Pop aus den 90er-Jahren vom Plattenspieler, zum Beispiel von The Wedding Present und The Smiths.

Die musikalischen Vorlieben des 49-Jährigen haben mit einem ausgeprägten Faible für britische Lebensart zu tun. Die entstand bei einem Schüleraustausch in der 11. Klasse. „Da hat mich vor allem die Pubkultur begeistert.“ Oliver Morawietz erinnert sich noch, wie er Mitte der 90er-Jahre zum ersten Mal einen schottischen Single Malt probierte. „Das war für mich ein unglaubliches Geschmackserlebnis und eine Art Initialzündung.“ Fortan besuchte Mo viele Brennereien in Schottland. Und natürlich war der Nordenhamer auch im „Whisky-Paradies“. Das ist für ihn die Insel Islay an der schottischen Westküste.

Ein echtes Highlight

In der Brennerei Kilchoman hat Mo ein einwöchiges Praktikum absolviert und ganz viel gelernt. „110 000 Liter Whisky werden dort im Jahr produziert, was vergleichsweise wenig ist.“ Dafür ist das Ergebnis für Oliver Morawietz ein echtes Highlight. Handarbeit eben, langsam und mit Bedacht hergestellt. Ein Anachronismus in Flaschen – altmodisch aber köstlich. Zumindest für Fortgeschrittene. Mo weiß, dass das rauchig-kräftige Aroma des Single Malts, der auf Islay hergestellt wird, den meisten Einsteigern nicht zusagt. Deshalb empfiehlt er Whisky-Anfängern eher die fruchtig-leichten Whiskys aus anderen Regionen Schottlands.

Jens Milde Nordenham / Redaktion Nordenham
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