Nordenham Auf keinen Fall wollten sie altbacken sein. Lieber ein bisschen chaotisch und spontan. Anders eben. Und das drückt sich auch im Namen aus: Theater Fatale – so heißt die etwas andere Bühne, die vor ziemlich genau 20 Jahren aus der Taufe gehoben wurde. Am 5. Juni 2000 gründeten 37 Theaterfreunde den Verein. Heute sind es rund 150, von denen 40 aktiv sind – vor und hinter den Kulissen.

Die Vorgeschichte

Wer weiß, ob es ohne den Nordenhamer Stadtgründer Wilhelm Müller das Theater Fatale gäbe. Anlässlich seines 100. Todestages wurde im Sommer 1999 am Weserstrand das Freilichtschauspiel „Der Friesenhäuptling“ aufgeführt – und zwar auf Hochdeutsch. Auch Reinhard Koopmann und Axel de Grave waren als Darsteller dabei. Sie hatten schon lange die Idee, neben den bestehenden plattdeutschen Bühnen ein Theater zu gründen, das hochdeutsche Stücke inszeniert und auch mit den Inhalten andere Wege beschreitet. „Der Friesenhäuptling“ war eine Art Initialzündung. Viele Gründungsmitglieder hatten bei diesem Freilicht-Theater am Strand mitgewirkt – vor und hinter den Kulissen.

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den täglichen NWZonline-Newsletter erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

Fatales Wintervergnügen

Seinen runden Geburtstag will der Verein Theater Fatale feiern und lädt für Samstag, 11. Januar, 15.30 Uhr, zum „Fatalen Wintervergnügen“ in den Güterschuppen an der Müllerstraße 1 ein. Geboten werden ein szenischer Rückblick auf die 20-jährige Geschichte und das Stück „Hamlet – all inclusive“. Das Publikum kann sich außerdem auf jede Menge Musik freuen. Zu hören sind der Shantychor Nordenham sowie die Gruppen Seniors Wailing (Bluesrock) und The Nordic C (Rock, keltische Klängen, Shantys und Folk). Auf der überdachten Terrasse gibt es Glühwein. Außerdem sollen Feuerschalen und ausgediente Weihnachtsbäume für eine gemütliche Atmosphäre sorgen. Der Eintritt ist frei.

Die Anfänge

Ihren Anspruch, etwas anders als die anderen zu sein, stellten die Fatalen schon mit ihrer ersten Aufführung unter Beweis. Im Saal des Abbehauser Dorfkrugs feierten sie am 29. Juni 2000 eine gelungene Feuertaufe mit der schrillen Science-Fiction-Komödie „Meuterei auf RS Eumel“. Das Stück hatte Inge Debelts geschrieben, die auch die Regie übernahm.

Die technische Umsetzung war nicht ganz einfach. Schließlich spielte die Geschichte in einem Raumschiff. Und wenn sich hier die Türen öffnen oder schließen, dann geht das natürlich nicht ohne ein Zischgeräusch. Die Fatalen sprachen den Technikfreak Rolf Wilkens an. Und der hatte die Lösung: Er baute Tasten an die Türen und koppelte sie mit CD-Playern, die auf Knopfdruck das Geräusch abspielten. Rolf Wilkens blieb anschließend dem Theater Fatale treu – als Techniker und als Schauspieler. Heute ist er außerdem Vorsitzender des Theatervereins.

„Hexenschuss“ hieß das zweite Stück der Fatalen im Jahr 2001. Mit einer Zeitungsannonce hatten die Fatalen nach Schauspielern gesucht. Die Resonanz war so groß, dass sie am Ende viel mehr Darsteller hatten, als sie brauchten. Die Lösung des Problems: Es wurden gespielte Werbespots eingestreut. Auf diese Weise kamen zusätzliche Einnahmen in die Vereinskasse. Und alle Schauspieler kamen zu ihren Einsätzen.

Tops und Flops

Das erfolgreichste Stück in der 20-jährigen Geschichte des Theaters Fatale war „Der nackte Wahnsinn“. Das Stück von Michael Frayne gilt als die Königin unter den Boulevard-Komödien. Nicht nur, weil sie den Schauspielern alles abverlangt, sondern auch den Kulissenbauern. Schließlich lässt sich das Stück nur mit einer Drehbühne realisieren. Und so legten sich die Handwerker im Fatale-Team 2011 mächtig ins Zeug. „Der nackte Wahnsinn“ wurde insgesamt 27 Mal aufgeführt. Nur „Ganze Kerle“ der jüngste Streich der Fatalen, war einmal mehr im Güterschuppen zu sehen. Die Produktion eines Stücks kostet die Fatalen zwischen 20 000 uns 25 000 Euro.

Wie viele Besucher in all den Jahren die Aufführungen der Fatalen gesehen haben, kann der Vorsitzende Rolf Wilkens nur schätzen. Aber es dürften zwischen 40 000 und 50 000 sein.

Einen richtigen Flop hat es in all den Jahren nicht gegeben. Nur einmal ernteten die Fatalen Missmut beim Publikum, erinnert sich Rolf Wilkens. Heiligabend 2005 führten sie „Pinguine können Käsekuchen backen“ in der Jahnhalle auf. Die Kindervorführung kam beim jungen Publikum gut an. Aber bei den Erwachsenen fiel das Stück durch. „Einige Zuschauer waren richtig sauer. Und das kurz vor Weihnachten.“

Die Spielstätte

In den ersten Jahren nutzten die Fatalen den Abbehauser Dorfkrug, die Friedeburg und die Jahnhalle als Spielstätte. Am 14. September 2007 hatte das Wanderzirkus-Dasein ein Ende, als der Güterschuppen an der Müllerstraße eröffnet wurde. Bevor es so weit war, mussten die Fatalen den ehemaligen Güterschuppen, den sie von der Stadt mieten, in Eigenarbeit herrichten. Viele Monate haben sie geschuftet, um diesen Traum wahr werden zu lassen.

Birgit Glückselig, ebenfalls ein Gründungsmitglied, hatte unter anderem die Aufgabe, den aus Ytong-Steinen gebauten Tresen zu gestalten. Mehrere Frauen haben Fliesen kaputtgehämmert, jede einzelne der rund 11 000 Scherben mit Schmirgelpapier bearbeitet und auf den Tresen geklebt. Birgit Glückselig schüttelt noch heute mit dem Kopf. Immerhin wurde die Fertigstellung „groß“ gefeiert: mit Erdbeersekt und kalten Bockwürstchen.

20 Jahre Theater Fatale

2000: Gründung des Vereins Theater Fatale; „Meuterei auf RS Eumel“ im Dorfkrug Abbehausen

2001: „Hexenschuss“ im Dorfkrug Abbehausen

2002: „Und ewig rauschen die Gelder“ im Dorfkrug Abbehausen

2003: „Zum Henker mit den Henks“ im Dorfkrug Abbehausen; „Urlaubsbekanntschaften“ in der Jahnhalle, „Frank & Stein“ in der Jahnhalle

2004: „Wie wär’s denn, Mrs. Markham“ in der Friedeburg; „Christmas Crime“ in der Jahnhalle

2005: „Die Hölle wartet nicht“ in der Friedeburg; „Pinguine können keinen Käsekuchen backen“ in der Jahnhalle

2006: Fatale mietet den Güterschuppen an der Müllerstraße und baut ihn zur neuen Spielstätte um; „Es war die Lerche“ in der Friedeburg

2007: „Von Mail zu Mail“ in der Jahnhalle;Eröffnung des Güterschuppens an der Müllerstraße 1. Dort führt Fatale fortan alle Stücke auf; „Außer Kontrolle“

2008: „Fachwechsel“; „Vier linke Hände“, „Allein in der Sauna“

2009: „Pension Schöller“; „Zwei wie Bonnie und Clyde“

2010: „Ein Schlüssel für Zwei“; Erste Aufführung der Jugendgruppe: „Das Kartenhaus“, „Hamlet for you“

2011: Fatale-Jugend: „Die Welle“; „Der nackte Wahnsinn“

2012: Verlängerung „Der nackte Wahnsinn“

2013: Wiederaufnahme „Hexenschuss“

2014: „Und dann gab’s keines mehr“, Programm „Fatalissimo 1“

2015: „Fatalissimo 2“, 1. Kindertheatertage; „Mein Freund Harvey“

2016: Verlängerung „Mein Freund Harvey“; „Fatalissimo 3 (Jugendtheater), 2. Kindertheatertage; „Höchststrafe Kurschatten“; „Und alles auf Krankenschein“

2017: Verlängerung „Und alles auf Krankenschein“

2018: Wiederaufnahme „Und ewig rauschen die Gelder“

2019: „Ganze Kerle“

Jens Milde Nordenham / Redaktion Nordenham
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.