Nordenham Im September vor einem Jahr verübten islamfeindliche Hetzer einen Farbanschlag auf die Selyime-Moschee. In diesem Sommer besprühten Rassisten die Flutmauer am Weserstrand großflächig mit braunen Parolen. Und jetzt wagen sich auch noch Judenfeinde aus der Deckung: Das Beschmieren mehrerer Stolpersteine, die in der Nordenhamer Innenstadt an das Schicksal jüdischer Mitbürger in der Nazi-Zeit erinnern, ist eine neue Eskalationsstufe der rechten Gewalt in Nordenham. Die Tat, die mit Blick auf möglichst hohe Aufmerksamkeitswerte unmittelbar vor dem Gedenktag zur Pogromnacht verübt wurde, hat großes Entsetzen in der Unterweserstadt ausgelöst. Bürgermeister Carsten Seyfarth spricht von einem „unerträglichen“ Vorfall und ruft alle Nordenhamer dazu auf, mutig zu sein und nicht wegzuschauen. Diesen Appell haben die evangelisch-lutherische und die katholische Kirchengemeinde umgehend aufgegriffen: Sie veranstalten am Donnerstag, 14. November, eine ökumenische Mahnwache gegen Antisemitismus.

Beginn um 18 Uhr

Die Aktion beginnt um 18 Uhr in der Innenstadt auf dem Marktplatz. Die Kirchengemeinden wollen damit allen Nordenhamern die Möglichkeit bieten, sich mit den Juden von damals und heute solidarisch zu zeigen.

Lesen Sie auch:
Grenzen aufzeigen

Die evangelische Pfarrerin Heike Boelmann-Derra und der katholische Priester Karl Jasbinschek haben nach den Schändungen der Gedenksteine spontan beschlossen, mit der Ausrichtung einer Mahnwache ein Zeichen der Solidarität zu setzen. Die Farbschmierereien auf den Namensplaketten, die zusätzlich mit anti-israelischen Aufklebern versehen wurden, haben nach den Worten der beiden Geistlichen für „Bestürzung und Betroffenheit unter den Christen in Nordenham“ gesorgt. Die Tat sei „aufs Schärfste zu verurteilen“.

Stille und Kerzenlicht

Heike Boelmann-Derra und Karl Jasbinschek hoffen, dass ihr Aufruf viele Menschen erreicht. Bei der Veranstaltung am Donnerstag soll mit Stille, Kerzenlicht und Gebeten der Pogromopfer gedacht und allen jüdischen Mitbürgern signalisiert werden, dass die Nordenhamer an ihrer Seite stehen.  Um die Gedenksteinschänder ermitteln zu können, hofft die Polizei auf Zeugenhinweise. Die Taten haben sich in der Nacht zu Sonnabend an drei der insgesamt sieben Stolperstein-Standorte Nordenham ereignet. Die Bronzeplaketten waren mit schwarzer und roter Farbe unkenntlich gemacht worden. Hinzu kam Aufkleber mit Parolen, die gegen den Staat Israel gerichtet sind. Die Täter müssen sich wegen Volksverhetzung und Sachbeschädigung verantworten. Bei der Polizei ist das Fachkommissariat für Staatsschutz mit dem Fall betraut. Hinweise nimmt die Nordenhamer Polizei unter Telefon   04731/99810 entgegen.

Umfrage
Machen Sie mit beim großen Wesermarsch-Check. Was gefällt Ihnen besonders in Ihrer Gemeinde und wo sehen Sie noch Verbesserungspotential?

Norbert Hartfil Redaktionsleitung Nordenham / Redaktion Nordenham
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.