Nordenham „Großartig“, sagt Claus Wettermann. „Ganz hervorragend“, lobt Felix Grossmann. Und „wunderschön“ findet Dr. Timothy Saunders die Fotos von Fritz Frerichs (1921-1990), die derzeit im Museum Nordenham gezeigt werden. Zu der Eröffnung der Ausstellung, die den Titel „Fritz Frerichs – Humanistische Fotografie“ trägt, begrüßte Museumsleiter Dr. Timothy Saunders rund 60 Gäste. Unter ihnen waren etliche, die den im Alter von 69 Jahren verstorbenen Lokaljournalisten noch gekannt haben.


 Bis zum 3. November
ist die Sonderausstellung „Fritz Frerichs – Humanistische Fotografie“ im Museum Nordenham an der Hansingstraße 19 zu sehen.


 Öffnungszeiten
in der Sommersaison, die noch bis zum 14. September läuft, sind dienstags, mittwochs, donnerstags und freitags von 10.30 bis 17 Uhr, sonnabends von 14 bis 17 Uhr und sonntags von 10.30 bis 17 Uhr.


 Der Eintritt
kostet 3 Euro für Erwachsene sowie 1,50 Euro für Kinder und Jugendliche von 6 bis 16 Jahren.

Der 77-jährige Claus Wettermann (zuletzt Chefredakteur des Delmenhorster Kreisblatts) aus Augustgroden hatte Fritz Frerichs während des Volontariats 1961/62 in Nordenham kennengelernt. Der sei nicht nur ein hervorragender Fotograf, sondern auch ein sehr guter Schreiber und Kollege gewesen, bei dem er auch noch während seiner Zeit als Bonner Korrespondent der Deutschen Presse-Agentur (dpa) fachlichen Rat eingeholt habe, erzählte Claus Wettermann.

Felix Grossmann (81) aus Nordenham, der gelegentlich noch für die NWZ fotografiert, fühlt sich Fritz Frerichs „fotografisch verbunden“. Er habe den „Blick für den richtigen Augenblick“ gehabt. Felix Grossmann erinnert sich daran, dass Fritz Frerichs seine Bilder gelegentlich gelobt habe. Das Ausstellungsposter zeigt ein von Felix Grossmann aufgenommenes Foto von Fritz Frerichs im verschneiten Nordenham.

Voigtländer Prominent

Der 95-jährige Textilkaufmann Willy Repnak aus Burhave, in Butjadingen bekannt als „Willy Karton“, kannte Fritz Frerichs schon in jungen Jahren. Willy Repnak teilte mit ihm die Leidenschaft für Fotografie und Bildbearbeitung. 1946 hatte sich Willy Repnak unter Verwendung einer Keksdose ein „Negativvergrößerungsgerät für Kleinbild“ gebastelt, was von Fritz Frerichs bewundert wurde. Gern, so berichtete der Burhaver, hätte er nach Fritz Frerichs’ Tod dessen Fotoausrüstung gehabt, „aber ich kam zu spät“. Fritz Frerichs fotografierte mit einer Voigtländer Prominent, die im Museum zu sehen ist.

Die Ausstellung mit 62 Bildern hat Teja Sauer konzipiert, der anlässlich des Weiterbildungsprojektes Musealog acht Monate im Nordenhamer Museum hospitiert hat. Timothy Saunders hatte den Kulturwissenschaftler und Fotografen damit betraut, die dem Rüstringer Heimatbund aus dem Frerichs-Nachlass überlassenen 30 000 Negative und 15 000 Positive zu sichten. „Dabei stieß ich auf Bilder zeitloser Qualität, die schwer in Worte zu fassen ist“, sagte Teja Sauer in seinem Vortrag bei der Eröffnung. So sei die Idee zu einer Sonderausstellung mit ausgewählten Arbeiten entstanden.

„Diese besonderen Bilder Fritz Frerichs‘ sind ohne Frage einzigartig – sein Zugang zur Fotografie allerdings nicht“, erläuterte der Kurator, dass sein Schaffen dem Genre der Humanistischen Fotografie zuzuordnen sei. Nach dem Schrecken des Zweiten Weltkriegs hätten Fotoreporter in Europa und den USA nach versöhnlichen Bildern alltäglicher, menschlicher und zwischenmenschlicher Situationen gesucht.

Bei der Dokumentation des gesellschaftlichen Lebens in Nordenham und Umgebung in Wort und Bild entstanden neben den für die Lokalberichterstattung unabdingbaren Standardaufnahmen von Siegerehrungen, Vereinsvorständen und Scheckübergaben Fotos, die die abgebildeten Personen scheinbar unbeirrt an ihrem Leben teilhaben lassen.

Erinnerungen

Großformatige Bilder spielender Kinder, durch Schnee und Regen hastender Fußgänger und Radfahrer, hart arbeitender Männer und in Würde alt gewordener Menschen „können uns aber nicht nur Geschichte, sondern auch Geschichten erzählen“, sagte Teja Sauer. Fritz Frerichs habe es geschafft, eine Vielzahl von Stimmungen zu beschwören. Manchmal wirkten seine Bilder geheimnisvoll, gelegentlich verstörend, oft zeugten sie von einem ausgesprochenen Sinn für Humor. „Und immer wieder erinnern sie uns an unsere eigene Kindheit.“

Viele Besucher blieben lange, doch niemand vermochte zu sagen, was es mit der Dohle auf sich hat, die häufig auf Fritz Frerichs‘ Bildern zu sehen ist. Ein Schnappschuss zeigt sie auf der Schulter eines Jungen, dem sie ins Ohr zwickt. Fritz Frerichs hatte eben den Blick für den Augenblick.

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