Nordenham Es gibt rund 60 Ortsvereinigungen der Goethe-Gesellschaft in ganz Deutschland. Die meisten von ihnen haben ihren Sitz in großen Städten – in Berlin zum Beispiel, in München Hamburg und Hannover. Dass die größte Ortsvereinigung mit rund 330 Mitgliedern ihren Sitz ausgerechnet in Nordenham hat, zeigt, dass sie ziemlich gut aufgestellt ist und eine ganze Menge zu bieten hat. Für den unlängst abgelösten Vorsitzenden und inzwischen zum Ehrenvorsitzenden gekürten Dr. Burkhard Leimbach ist das breitgefächerte Programm das Erfolgsrezept der Nordenhamer Goethe-Freunde, die mehr sein wollen als ein Club vergreister Germanisten. Sie sind viel mehr. Burkhard Leimbach sagt: „Wir fragen uns, wofür sich Goethe heute interessieren würde.“ Die Antwort auf diese Frage spiegelt sich in der Vielfalt wider, die das Programm seit vielen Jahren auszeichnet.

Letztmals hat Burkhard Leimbach das Vortragsprogramm auf die Beine gestellt. Er habe sich noch mehr als sonst um Themen mit aktuellen Bezügen bemüht, sagt der Ehrenvorsitzende. Was die Nordenhamer Goethe-Gesellschaft von anderen Ortsvereinigungen unterscheidet, ist das Musikprogramm. Für diesen Part ist der stellvertretende Vorsitzende Stefan Tönjes zuständig. Sein Anspruch ist eine große stilistische Vielfalt. Und die ist ihm einmal mehr gelungen.

Musikprogramm

Donnerstag, 30. Januar: „Il Transilvano – Kunstmusik und Tanzmusik aus Ungarn und Italien“ heißt das Programm, das die Gruppe Prisma präsentiert. Zu der Formation gehören Alon Sariel ((Mandoline, Laute), Elisabeth Champollion (Blockflöte), David Budai (Viola da Gamba) und Franciska Haidu (Violine).  Die vier jungen Musiker haben sich gemeinsam auf die Suche begeben nach besonders ausdrucksstarker, bizarrer und farbenfroher Musik des 16. und 17. Jahrhunderts.

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Donnerstag, 27. Februar: Stücke von Johann Sebastian Bach, Georg Philipp Telemann, Antonio Vivaldi und Domenico Scarlatti hat das Duo Schepansky-Kaulartz im Programm. Die Kombination der Instrumente hört man nicht alle Tage. Julius Schepansky spielt Akkordeon, Michael Kaularz ist für das Spiel auf dem Fagott zuständig.

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Donnerstag, 26. März: „An die unsterbliche Geliebte“ heißt das Programm mit Musik von Ludwig van Beethoven, das Florian Heinisch spielt. 1990 in Bachs Geburtsstadt Eisenach zur Welt gekommen, begann im er Alter von fünf Jahren mit dem Klavierunterricht. Florian Heinisch gilt inzwischen als einer der vielversprechendsten jungen Pianisten Deutschlands.

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Sonntag, 25. Oktober: „Von Bach bis Blue­grass“ reicht das Repertoire, das Caterina Lichtenberg und Mike Marshall zu bieten haben. Die beiden Musiker spielen seit 2007 zusammen und gehören zu den weltbesten Instrumentalisten auf der Mandoline. In ihren Konzerten entführen sie ihre Zuhörer auf eine Reise durch die Geschichte der Mandoline.

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Donnerstag, 26. November: Lieder und Duette von Mozart, Schumann, Strauß und weiteren Komponisten präsentieren die ehemalige Nordenhamerin Verena Tönjes (Mezzosopran) und Michael Daub (Bariton). Begleitet werden die beiden von der Pianistin Daria Tudor.

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Montag, 28. Dezember: Beim „Konzert zwischen den Jahren“ darf es traditionell etwas bunter und verrückter zugehen. Dafür steht die Gruppe Wildes Holz, die in Nordenham ihr Programm „Höhen und Tiefen“ vorstellt. Es reicht von der klassischen Hochkultur bis zu den Niederungen der Popmusik. Tobias Reisige (Blockflöten), Markus Conrads (Kontrabass, Mandoline) und Djamel Laroussi (Gitarre) bieten einen mitreißenden Mix aus neuen Songs und holztypischem Sound. Außerdem gibt es maßgeschreinerte Blockflöten-Versionen bekannter Pop- und Rockhits zu hören.

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Vortragsprogramm

Donnerstag, 13. Februar:„Im Schatten Goethes, August von Kotzebue“ ist der Titel des Vortrags, de Dr. Berthold Heizmann aus Essen hält. August von Kotzebues umfangreiches Werk ist heute weitgehend in Vergessenheit geraten. Dabei war er einer der fruchtbarsten und berühmtesten Schriftsteller zur Zeit von Goethe. Es gibt keinen Dramatiker, dessen Werke unter der Intendanz Goethes am Weimarer Theater öfter aufgeführt wurden als die von August von Kotzebue.

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Donnerstag, 12. März: Ist ein soziales Leben ohne Facebook, Whatsapp, Instagram und Co. in Zukunft noch möglich? Mit dieser Frage beschäftigt sich Angelia Ardelt in ihrem Vortrag mit dem Titel „Ein Abgesang auf eine haptische Kommunikationswelt“. Die Referentin beleuchtet die unterschiedlichen Kommunikationsformen und -erfahrungen der verschiedenen Generationen vom klassischen Brief bis zu Youtube, Snapchat und Spotify. Sie fragt, ob Jüngere im Wust ungefilterter Informationen Wichtiges von Unwichtigem noch unterscheiden können und wie die generationsübergreifende Kommunikation gelingen kann.

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Donnerstag, 10. September: „Wir sind alle Migranten“ heißt der Vortrag von Prof. Dr. Johannes Krause vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena, das zuletzt für sensationelle Erkenntnisse gesorgt hatte: Sei es die Aufschlüsselung des Genoms von Jahrtausende alten Höhlenknochen im Harz, die eine Besiedlungskontinuität bis heute belegt, sei es die Rückführung unserer Gene auf Zuwanderung von Halbnomaden aus der kaspischen Steppe, von Bauern aus Anatolien und Syrien, von Jägern und Sammlern aus Afrika und vom Neandertaler. Die Abteilung Archäogenetik nutzt aktuelle Entwicklungen im biomolekularen Bereich, um ein völlig neues Spektrum an Informationen zu erschließen. Auf der Basis von winzigen Proben ist es nun möglich, detaillierte Informationen über genetische Beziehungen, geografische Ursprünge von historischen und prähistorischen Menschengruppen zu gewinnen. Ein Schwerpunkt ist die Rekonstruktion der europäischen Populationsstruktur zu verschiedenen Zeitpunkten.

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Donnerstag, 15. Oktober: „Die Vereinnahmung Goethes durch den Nationalsozialismus“ ist das Thema von Dr. Markus Wallenborn aus Worms. „Nenne mir, Deutscher, das deutsche Buch schlechthin, es ist der Faust. Nenne mir den deutschen Dichter, es ist Goethe.“ In diesen Worten des Reichsjugendführers der NSDAP, Baldur von Schirach, aus dem Jahre 1937 spiegelt sich der Anspruch wider, den Klassiker Goethe der nationalsozialistischen „Kultur- und Erbepflege“ dienstbar zu machen. Der krampfhafte Versuch, einen völkischen Goethe zu installieren, stieß jedoch auf Schwierigkeiten.

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Donnerstag, 12. November: „Alter Wein in neuen Schläuchen – Antisemitismus in neuen Medien“ – mit diesem Thema beschäftigt sich Dr. Michael Blume aus Stuttgart. Früher waren es Rede und Schrift, später Buchdruck, Radio und Film, mit denen antisemitische Verschwörungstheorien verbreitet wurden. Nach Meinung des Referenten haben sie durch das Internet und besonders durch soziale Medien eine neue Qualität bekommen. Der Antisemitismus richte sich dabei nicht mehr allein gegen Juden, sondern greife die gesamte demokratische Gesellschaft und ihre Vertreter an. Deshalb bedarf es einer gesamtgesellschaftlichen Anstrengung, Verschwörungsmythen zu identifizieren und zu entlarven.

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Jens Milde Nordenham / Redaktion Nordenham
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