Nordenham „Willkommen! Bienvenue! Welcome!“ hieß es in der Stadthalle Friedeburg. Das Ensemble der Landesbühne Nord entführte sein Nordenhamer Publikum rund zweieinhalb Stunden in die Welt des amüsierfreudigen Berlins zum Ende der Goldenen 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Geboten wurde eine einfach tolle, temporeiche und temperamentvolle Aufführung des Musical-Welthits „Cabaret“ aus dem Jahr 1966.

Die Aufführung überzeugte mit vielseitigen Choreographien, einem imposanten Bühnenbild, gesanglichen und tänzerischen Fähigkeiten der Schauspieler, musikalischen Darbietungen des theatereigenen sechsköpfigen Orchesters, immer wieder wechselnden Kostümen sowie interessanten Licht- und Nebeleffekten.

Mal spielte die Handlung in dem Berliner Kit-Kat-Club, einem Treffpunkt exzentrischen Tingel-Tangels mit viel Glitzer, verruchter Erotik und mit weltbekannten Ohrwürmern wie „Money“ und „Life is a Cabaret“. Dann verwandelte sich die Bühne in Windeseile und mit wenigen Handgriffen in eine Pension, in ein Zugabteil oder Obstgeschäft. Dies ermöglichte einen schnellen und schwungvollen Wechsel der einzelnen, zum Teil auch humorvollen Szenen, die die rund 200 Zuschauer in der Friedeburg immer wieder mit viel Applaus und am Schluss mit lang anhaltendem Beifall honorierten.

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Das mehrfach prämierte Musical aus dem Jahr 1966, kommt zum einen unterhaltsam daher, zum anderen regt es zum Nachdenken an. Der junge amerikanische Schriftsteller Clifford Bradshaw verliebt sich in die zunächst sehr erfolgreiche, dann aber arbeitslose Nachtclub-Sängerin Sally Bowles, die bald bei ihm einzieht und von ihm schwanger wird.

Nachdem sich ihre Pensionswirtin in den Zeiten des aufkommenden Nationalsozialismus von ihrem Verlobten, einem Juden, trennt und dieser aus der Pension auszieht, will der Schriftsteller Deutschland verlassen.

Die unpolitische Sally träumt dagegen von ihrem künstlerischen Durchbruch und einer großen Karriere in der Hauptstadt. Als sie dann noch das gemeinsame Kind abtreibt, hält den Amerikaner nichts mehr in dem zukünftigen Nazi-Deutschland. Die Zurückbleibenden sehen indes einer ungewissen Zukunft entgegen.

Das Welthit-Musical „Cabaret“ aus der Feder von Joe Masteroff verdeutlicht die Ambivalenz des ach so Goldenen Zeitalters der 1920er Jahre. Da sind zum einen die durch Ragtime und den frühen Jazz geprägte Musik (die von John Kanders geschrieben wurde, die Liedtexte lieferte Fred Ebb), die revueartige Show, der Glamour und die in Berlin so verbreitete ausschweifende Vergnügungssucht.

Zum anderen werden im Stück die Auswirkungen der damaligen gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse offensichtlich. Die Weimarer Republik war eine Zeit, die unter anderem durch die Weltwirtschaftskrise, Massenarbeitslosigkeit, das Aufkommen des Nationalsozialismus und vor allem durch die Vision einer besseren Zukunft geprägt war. Und es war eine Zeit, in der viele die Nationalsozialisten unterschätzten.

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