Nordenham Der ein oder andere Besucher in der Aula des Gymnasiums Nordenham konnte sich sicher noch an den schüchtern und bescheiden wirkenden 25-jährigen Konzertpianisten Jure Gorucan aus Slowenien erinnern. 2016 hatte er hier bereits mit seinem kongenialen Partner und Violinvirtuosen Roman Kim ein beeindruckendes und stürmisch gefeiertes Konzert gegeben. Nun war er wieder da, doch dieses Mal als Solointerpret.

Der Kontakt zwischen ihm und Stefan Tönjes von der Goethe-Gesellschaft Nordenham war seitdem nicht abgerissen. Und als es darum ging, Jure Gorucans erste Solo-CD zu finanzieren, gelang es, ihn im Gegenzug für ein Konzert in Nordenham zu buchen. „Eine Win-win-Situation“, wie Stefan Tönjes zur Pause meinte. Extra dafür reiste der Ausnahmepianist aus Slowenien an und bot den zahlreich erschienenen Liebhabern romantischer Klaviermusik einen wunderbaren Hörgenuss.

Hochkonzentriert in schwarzem Hemd und schwarzer Hose betrat er die Bühne, setzte sich an den nach seiner Einschätzung recht guten Flügel des Gymnasiums und begann seinen beeindruckenden musikalischen Vortrag.

Bis zur Pause standen ausschließlich Werke von Frederic Chopin (1810 bis 1849) auf dem Programm. Und ganz im Sinne des Komponisten dominierte dabei das abwechslungsreiche Spiel. In gewaltigen Läufen fegte der Sturm in der Etude op. 25, Nr. 11 (Winterwind) über die gesamte Klaviatur. Dramatische Klänge in der „Revolutionsetude“, op. 10, Nr. 12 – mal verspielt, mal ruhig und getragen, dann rasend und mit schnellen Passagen – in den neun vorgetragenen Stücken war für expressives Klavierspiel alles gegeben, und entsprechend Chopins Vorliebe für schwarze Tasten vieles dabei in eher selteneren Tonarten.

Schon in der ersten Hälfte zeigte sich denn auch beim Publikum großes Staunen über so viel Klavierspielkunst. Nach der Pause – einer kurzen Zeit der Besinnung – stand für Jure Gorucan noch die Klaviersonate Nr. 2, op. 35, ebenfalls von Frederic Chopin, auf dem Programm. Deren dritter Satz, „Trauermarsch“, wird vielen in der Aula aus Filmen oder von Beerdigungen bekannt vorgekommen sein. Auch hier zeigte sich die enorme Ausdrucksfähigkeit des Künstlers, der es versteht, Töne zu hämmern oder hinzuhauchen, je nachdem, wie die emotionale musikalische Botschaft vermittelt werden soll. Franz Liszt (1811 bis 1886) bildete mit seinem Mephisto – Walzer Nr. 1 danach den furiosen und sehr effektvollen Abschluss des Abends, der natürlich nicht ohne Zugaben verging und mit viel Anerkennung und Beifall von Seiten des beeindruckten Publikums belohnt wurde.

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