Nordenham Samstagabend, kurz nach 20 Uhr. Ein 87-jähriger Mann betritt leicht vorgebeugt die Bühne in der Stadthalle Friedeburg. Sein Markenzeichen – die Posaune – trägt er bei sich. Zum ersten Mal ist der weltbekannte Chris Barber bei einem Konzert in Nordenham zu erleben. Schon nach wenigen Augenblicken fragt das Publikum sich, wer die größere Strahlkraft hat: der Bandleader oder sein Instrument?

Begrüßung auf Deutsch

Der Preisträger der German Jazz Trophy 2014 begrüßt seine rund 250 Zuhörer im Saal auf Deutsch mit einem unüberhörbaren britischen Akzent und der ihm eigenen Nuschelei. „Unser erstes Spiel in Deutschland war 1956. Waren Sie dabei?“, fragt Chris Barber das Publikum mit jenem Humor, der so typisch für die Briten ist. Unterdessen füllt sich die Bühne langsam mit zehn weiteren Musikern. Sie gehören alle der Big Chris Barber Band an. Die Blechblasinstrumente glänzen im Scheinwerferlicht und bilden einen glitzernden Kontrast zu den schwarzen Anzügen des Old-Time-Jazz-Ensembles. Und dann legen die Musiker los.

18 Stücke stehen an diesem Abend auf dem Programm. Bereits das erste, „Bourbon Street Parade“ aus dem Jahr 1955, erfasst jeden einzelnen im Auditorium. Beinahe alle Musiker haben ihre Solopassage, die sie in Perfektion vortragen. Dafür gibt es umgehend lauten Beifall.

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Chris Barbers Musik vermittelt die Südstaatenatmosphäre der 20er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Er persönlich steht dabei für traditionellen Jazz und Swing aus New Orleans, denn der Altmeister hält diese Musik für zeitlos. Und er irrt nicht. Chris Barber und seine klassischen Jazz- und Bluestitel sind nach wie vor Kult. Schon seit 1954 ist dieser Vollblutmusiker an der Posaune, am Kontrabass oder als Sänger mit seinen Bands unterwegs und füllt Konzertsäle auf der ganzen Welt: Dixieland, Rhythm & Blues, Rock’n Roll und Modern Jazz in perfekten Arrangements.

100 Konzerte im Jahr

„Wir geben etwa 100 Konzerte im Jahr“, verrät der begnadete Klarinettist und Saxophonist der Band, Bert Brandsma aus den Niederlanden, in der Pause. Zur Aufführung kommen stets schwerpunktmäßig Kompositionen von Duke Ellington, Miles Davies und anderen Größen der Jazzgeschichte.

Und auch in der Friedeburg ist es wieder zu spüren: Chris Barber sucht sich stets Musiker mit außergewöhnlichen Fähigkeiten, die auch während der einzelnen Stücke bei Bedarf in Windeseile und mühelos auf ein anderes Instrument wechseln oder die eigene Trompete oder Posaune stopfen, ohne dass die Perfektion darunter leidet. Sie mischen geschickt alte und neue Titel, kombinieren sie mit neuem Temperament, dem Charme der klassischen Jazz- und Bluestitel und einem verblüffenden Improvisationsvermögen. Ihre Freude an der Musik ist ansteckend, dem Sog kann sich keiner entziehen.

Spätestens bei bekannten Stücken wie „When The Saints Go Marching In“ oder „Wild Cat Blues“ swingt die Friedeburg mit. Das sind Hymnen dieses Musikgenres, getoppt lediglich noch durch das legendäre „Ice Cream“, das zum krönenden Abschluss eines grandiosen Konzertabends ertönt.

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