Es gibt viele gute Nachrichten und eine schlechte. Ich fange mal mit der schlechten an, dann haben wir’s hinter uns. Dass am Mittwochabend gerade einmal 150 Besucher zum Konzert einer Band in die Stadthalle kommen, die einmal einen Welthit hatte, ist schon ziemlich dürftig. Vor allem, wenn man bedenkt, wie intensiv Friedeburg-Chef Helmut Dietrich den Auftritt von Iron Butterfly beworben hatte.

Und nun die guten Nachrichten: Zum Glück stören sich die Musiker aus dem sonnigen Kalifornien nicht an der überschaubaren Kulisse. Und das Publikum, das es sich auf Stühlen gemütlich machen darf, stört sich nicht daran, dass von der einstigen Besetzung, die 1968 mit „In A Gadda Da Vida“ einen Meilenstein der Rockgeschichte setzte, niemand mehr dabei ist. Die Besucher, überwiegend der Generation 60plus angehörend, genießen den Ausflug in die Musikgeschichte. Ihren Kulthit spielt die Band ganz zum Schluss. Da reißt es die Zuhörer von den Sitzen. Stehende Ovationen für die Musiker. Auch ich bin beeindruckt. Eric Barnett (Gitarre und Gesang), Ray Weston (Schlagzeug), Dave Meros (Bass), Mike Green (Percussion und Gesang) und Martin Gerschwitz (Keyboards und Gesang) legen einen brillanten Auftritt hin.

Ich gebe zu, dass mir der Zugang zur Musik von Iron Butterfly nicht leicht fällt. Ich bin Jahrgang 1963. Als „In A Gadda Da Vida“ erschien, war ich fünf Jahre alt. In meiner musikalischen Sozialisation spielten Bands wie The Sweet und Slade eine Rolle. Die Songs hatten klare Strukturen, einen nachvollziehbaren Wechsel aus Strophe und Refrain. Die Glamrocker waren eine Art Gegenbewegung zu den psychedelisch-verschwurbelten Soundexperimenten in den 70er-Jahren. Iron Butterfly verkörpert im Prinzip genau die Musik, die ich lange Zeit nicht mochte.

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Zum Glück kann ich inzwischen auch Gitarrensoli etwas abgewinnen, wenn sie nicht allzu ausufernd daher kommen. Und ich mag Musik, die sich nicht anbiedert, die nicht um jeden Preis gefallen, sondern entdeckt werden will. Die Songs von Iron Butterfly erfüllen genau diese Kriterien.

Die nächste gute Nachricht: Es gibt eine neue Band in Nordenham. Sie heißt Primal Rock und legt als Vorgruppe zu Iron Butterfly eine beachtliche Premiere hin. Helmut Dietrich (Bass und Gesang), Andreas Plump (Gitarre), Stefan Scatulla (Gitarre) und Jannis Otto (Schlagzeug) spielen Blues-Rock-Nummern unter anderem von ZZ Top und Cream. Und das kommt bei den Besuchern prima an.

Die letzte gute Nachricht des Abends: Es ist tatsächlich möglich, ein Konzert in der Friedeburg so abzumischen, dass einem nicht die Ohren wehtun. Die Stadthalle stand zuletzt oft in der Kritik wegen ihrer miserablen Akustik. Das ist diesmal anders. Der Sound ist nicht in allen Bereichen des Saals und nicht durchgehend perfekt, aber er ist sehr ordentlich: druckvoll und differenziert wie schon lange nicht mehr. Sven Lüdke an den Reglern macht einen hervorragenden Job.

Jens Milde Nordenham / Redaktion Nordenham
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