Nordenham „Mutige, eindeutige Worte“ bescheinigte der Vizepräsident des Niedersächsischen Heimatbundes, Professor Dr. Uwe Meiners, der Schriftstellerin Alma Rogge (1894-1969). Die aus Brunswarden bei Rodenkirchen stammende Autorin hatte 1949 in der Zeitschrift „Niedersachsen“ gemahnt, dass „nach einer Zeit der Aufhebung jeglichen Rechts, nach der Missachtung menschlicher Würde und Freiheit und dem Überstehen mörderischer Kriege nicht einfach zur Tagesordnung übergegangen werden kann“.

Alma Rogge zitiert

Aus Verlogenheit müsse wieder Ehrlichkeit werden, postulierte Alma Rogge. Die kritische Selbstreflexion eigenen Tun und Handelns habe jedoch noch nicht zur Infragestellung des in den 1920er-Jahren und 1930er-Jahren verwendeten Heimat- und Volkstumsbegriffs gereicht, sagte Uwe Meiners bei der wissenschaftlichen Tagung zum Thema „Heimatvereine im Nationalsozialismus – Probleme und Wege der Aufarbeitung“. Im Nationalsozialismus habe bei den Real-Faschisten die Auseinandersetzung mit Heimatgeschichte eine untergeordnete Rolle gespielt. Sie sei nur dann interessant geworden, wenn sich mit ihr, wie mit der der Aufführung von „Stedingsehre“ auf der Freilichtbühne bei Bookholzberg, Massen begeistern und bewegen ließen. Ansonsten seien den Nationalsozialisten die Heimatmuseen „ziemlich egal“ gewesen.

Nach dem Ende des Krieges und der Befreiung von der nationalsozialistischen Diktatur sei zunächst wenig Raum für Kultur-, Heimat- und Denkmalpflege geblieben, weiß Uwe Meiners. Dann sei es zunächst in allen Häusern um Bestandsschutz und Sicherung der verbliebenen Sammlungen gegangen, aber nicht zu einem echten Neuanfang gekommen. Den datiert Uwe Meiners in der Gegenwart.

„Rumpelkammer, Musentempel, Lernort, Kommunikationszentrum“: Die despektierlichen bis anerkennenden Bezeichnungen für das historisch orientierte Regionalmuseum hätten gewechselt und die damit einhergehende Bewertung ebenfalls. Angesichts des beschleunigten kulturellen Wandels werde das Regionalmuseum seine Daseinsberechtigung behalten, wenn Qualitätsmaßstäbe gesetzt würden. Als ein positives Beispiel für die Vermarktungsnotwendigkeit nannte Uwe Meiners die Wesermarsch-Initiative, die die Museen im Landkreis vernetzt.

„Teuflisch gut“

Die Rolle des Historienspektakels „Stedingsehre“ auf der Freilichtbühne in Bookholzberg spielte auch in der Betrachtung der NS-Zeit durch Dr. Michael Brandt eine Rolle. Der Geschäftsführer der Oldenburgischen Landschaft räumte ein, dass die Nationalsozialisten das historische Ereignis des Freiheitskampfes der Stedinger Bauern gegen den Erzbischof von Bremen „teuflisch gut“ für ihre Zwecke vereinnahmt hätten. Es sei einzig und allein darum gegangen, Menschen in den nationalsozialistischen Bann zu ziehen. Um dieses „Beispiel für Geschichtsverfälschung“ plakativ zu machen, sei in Bookholzberg an der brachliegenden Freilichtbühne die Einrichtung eines Informations- und Dokumentationszentrums geplant.

Professor Dr. Dietmar von Reeken von der Universität Oldenburg beklagte, dass sich die Heimatbewegung wie viele andere gesellschaftliche Kräfte nicht mit ihrer Rolle in der NS-Zeit auseinandergesetzt hätten, „was für eine Organisation, die sich die Pflege der lokalen Geschichte auf ihre Fahnen geschrieben hat, schon problematisch ist“. Bis in die 1980er-Jahre habe „diese Zeit des Beschweigens vor Ort (und je kleiner die Orte sind, umso länger)“ gedauert.

„Trotz verstärkter Forschungsanstrengungen“, über die in der Tagung auch Professorin Dr. Antje Sander, Direktorin des Schlossmuseums Jever, Professor Dr. Bernhard Parisius, ehemaliger Leiter des Niedersächsischen Staatsarchivs in Aurich, und Dr. Joachim Tautz, der Autor des Buches „Rüstringer Heimat und Nationalsozialismus“ berichteten, gibt es nach Dietmar von Reekens Einschätzung „noch riesige Lücken“ in der Aufarbeitung der Rolle der Heimatvereine im Nationalsozialismus.

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