Nordenham Einen kleinen bunten Leuchtturm aus Holz hat Oberkirchenrat Thomas Adomeit aus Oldenburg am Freitag als Zeichen des Dankes für seinen Besuch bei der Bürgerstiftung Nordenham vom Stiftungsvorsitzenden Fred Memenga bekommen. Dabei spielte Fred Memenga darauf an, dass Thomas Adomeit einer der beiden Kandidaten für die am 22. September stattfindende Wahl des neuen Bischofs der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg ist – wie die Landeskirche am Tag zuvor bekannt gegeben hatte. Fred Memenga lächelnd: „Vielleicht werden Sie der große Leuchtturm von Oldenburg.“ Thomas Adomeit verwies daraufhin sofort auf das soziale Engagement der Stiftung und ihrer Förderer: „Sie sind die Leuchttürme.“

Zuvor hatte der seit Februar als Vertreter im Bischofsamt tätige Thomas Adomeit im Bürgerhaus vor Vorstandsmitgliedern der Stiftung und Förderern ausdrücklich darauf hingewiesen, dass er nicht zu einer „Wahlkampfveranstaltung“ nach Nordenham gefahren sei. Mitbewerber Propst Dr. Johann Schneider aus Halle (Saale) und er wollen, so Thomas Adomeit, das Gleiche: das Evangelium verkünden, also Gottes Wort in die Welt bringen.

Jesus handelte radikal

Thomas Adomeit machte deutlich, wie nach seiner Auffassung die Kirche konkret Gottes Wort in die Welt bringen sollte. Jesus Christus habe relativ radikal gehandelt und die Menschen zu mutigem Handeln aufgefordert mit den Worten „Ihr seid das Salz der Erde, das Licht der Welt“ sowie „Gehet hin in alle Welt“. Somit dürfe Kirche nicht nur für sich da sein, sondern müsse auch für andere eintreten. Für Thomas Adomeit gilt daher: „Religion ist keine Privatsache, sondern auch immer öffentlich.“ Und: „Kirche darf, soll, will und muss sich als gesellschaftlicher Akteur einmischen.“

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den Corona-Update-Newsletter erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

Vor Gott seien alle Menschen gleich und gleich wertvoll, erläuterte der Oberkirchenrat. Daher müsse ein Christ zum Beispiel ganz konkret sagen: „Der Arbeitsplatz in Nordenham ist genauso wichtig, wie der in Togo.“ Thomas Adomeit weiter: „Deshalb mischen wir uns als Kirche auch in die Flüchtlingspolitik ein.“ Er nannte ein weiteres Beispiel: „Atomkraft ist kein Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung.“

Weil die Kirche kleiner geworden und heute nicht mehr Volkskirche ist, muss sie sich laut Thomas Adomeit heute „auch schärfer äußern“, um Gehör zu finden.

Auf Nachfrage aus dem Zuhörerkreis stimmte der Oberkirchenrat zu: „Ja, wir müssen klarer Kante zeigen, denn wir sind noch ein bisschen ein konservativer Verein.“

Nordenhams Bürgermeister Carsten Seyfarth (SPD) sagte dazu: „Mich treibt diese Frage um: Wie schaffen wir es, Menschen dazu zu bewegen, dass sie sich langfristig engagieren – auch in der Kommunalpolitik, in sozialen Organisationen und in der Kirche? Das ist eine zentrale Herausforderung.“

Orientierung geben – diese von Thomas Adomeit ebenfalls beschriebene Aufgabe der Kirche sei nötig, so der Bürgermeister, damit Menschen, die Orientierung suchen, „nicht Rattenfängern auf den Leim gehen, die nur einfache Antworten liefern.“

Gegenstimmen

Zum Plädoyer von Thomas Adomeit für stärkeres politischen Einmischen der Kirche meint Carsten Seyfarth: „Auch die Kirche ist aufgefordert, ihre Stimme zu erheben, sie muss sich aber auch Gegenstimmen gefallen lassen.“

Michael Scherf, ein Förderer der Bürgerstiftung, wandte ein: „Politische Thesen von der Kanzel spalten die Menschen.“ Darauf entgegnete Pastorin Christiane Wittrock: „Das ist bei uns in Nordenham nicht Praxis. Die Predigten sind nicht unpolitisch, weil auch das Leben politisch ist, aber sie beziehen sich auf die Bibel.“

Horst Lohe Nordenham / Redaktion Nordenham
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.