Nordenham Es tut sich etwas im Frauenort Emy Rogge. Die Stadt Nordenham hatte bei ihrer Auszeichnung zum Frauenort die Schweewarder Künstlerin in den Fokus gerückt. Im vergangenen Sommer war der Titel offiziell vergeben worden. Nun soll Emy Rogge auch im Stadtbild präsenter werden, sagt die Geschäftsführerin von Nordenham Marketing und Touristik (NMT), Ilona Tetzlaff.

Gedenkweg

Noch in diesem Monat soll ein Gedenkweg durch Nordenham entstehen, berichtet Ilona Tetzlaff. Auf diesem Weg werden Gedenktafeln verschiedene Stationen aus Emy Rogges Leben markieren:  Auf dem Hof Picksburg in Schweewarden wurde Anna Emilie Clara Rogge alias Emy Rogge am 4. Juli 1866 geboren.  In der Blexer St.-Hippolyt-Kirche wurde Emy Rogge nur wenig später, am 19. August 1866, getauft.  1869 zog die Familie in ein Anwesen an der früheren Atenser Chaussee, die heutige Bahnhofstraße 123.  In der Kirche zu Atens feierte Emy Rogge am 10. April 1881 ihre Konfirmation.  Im Nordenhamer Rathaus ist seit Ende November als Dauerleihgabe das von Emy Rogge kopierte Gemälde „Kaufmann Gisze“ ausgestellt, das auf Anfrage auch besichtigt werden kann.  Am Museum Nordenham hängt bereits die Hinweistafel auf den Frauenort, mit der natürlich ebenfalls auf Emy Rogge verwiesen wird. Für den Gedenkweg gab es schon vorab großes Lob vom Landesfrauenrat Niedersachsen, freut sich Ilona Tetzlaff.

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Lernkoffer

Schulen soll bald ein Lernkoffer mit Materialien rund um die Künstlerin Emy Rogge zur Verfügung stehen. Der Koffer soll im Museum Nordenham verortet werden. Gemeinsam mit Oberschullehrerin Stefanie Herter ist bereits ein grobes Konzept erarbeitet worden, erzählt Ilona Tetzlaff.

Mit den Materialien sollen den Schülern unter anderem die unterschiedlichen Mal- und Zeichentechniken, die Emy Rogge beherrschte, näher gebracht werden. In der Kratztechnik, einer Vervielfältigungstechnik, in der mit einer Nadel eine Vorlage in einen Untergrund gekratzt wird, können sich die Schüler selbst ausprobieren.

Ein Besuch im Museum vertieft das Wissen über die Zeit, in der Emy Rogge lebte die damalige gesellschaftliche Stellung von Mädchen.

Geburtstagsfeier

Zum Geburtstag der Künstlerin am 4. Juli ist eine Matinee im Museum Nordenham geplant. Neben einer Bildbesprechung schenken die Damen des Lions Clubs Emy Rogge den Emy-Rogge-Prosecco aus. Für Musik sorgt ein Bläseroktett, das ausschließlich Werke von weiblichen Komponisten spielen wird.

„Es ist inzwischen ein Netzwerk entstanden“, freut sich Ilona Tetzlaff. Ein großer Wunsch der Citymanagerin wäre, eine Ausstellung mit rund 50 bis 70 Werken der Künstlerin zu präsentieren, die die große Bandbreite des Werkes Emy Rogges zeige. Die Künstlerin beherrschte verschiede Techniken, von der Ölmalerei bis zur Radierung.

Gleichstellungsbeauftragte Karin Windheim-Czichon BILD: Merle Ullrich

Zum Frauentag im Frauenort

Mit den Frauenorten soll das Wirken und Leben von Frauen, die auf politischem, kulturellem, sozialem, wirtschaftlichem oder wissenschaftlichem Gebiet gewirkt haben, in den Mittelpunkt gerückt werden. Der Frauenort Emy Rogge ist in Kooperation mit Nordenham Marketing & Touristik, dem Museum Nordenham, dem Rüstringer Heimatbund, den Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Nordenham und des Landkreises Wesermarsch, dem Kunstverein Nordenham sowie dem Lions Club „Emy Rogge“ entstanden.

Für Nordenham als Frauenort Emy Rogge wünscht sich die Nordenhamer Gleichstellungsbeauftragte Karin Windheim-Czichon auch eine Emy-Rogge-Straße. „Es liegt mir sehr am Herzen, dass eine Straße nach ihr benannt wird. Aber wir haben ja noch einige neue Baugebiete“, sagt sie zuversichtlich. Als einen Schritt in die richtige Richtung sieht sie zum Beispiel die Neubausiedlung im Wohnpark Tongern, deren Straßen nach berühmten Frauen benannt sind.

Die Durchsetzung der Gleichstellung ist ein langsamer gesellschaftlicher Prozess. Gerade in der Politik können Frauen ihre Vorstellungen nicht einbringen, wenn zu wenig Frauen aktiv sind, meint die Gleichstellungsbeauftragte. Im Nordenhamer Stadtrat sind nur 8 der 37 Ratsmitglieder weiblich. „Wenigstens ist die Zahl hier nicht zurück gegangen“, sagt Karin Windheim-Czichon. Denn insgesamt sei die Zahl von Frauen in der Politik rückläufig, weiß sie. Dabei gibt es bereits seit vielen Jahren Mentoring-Programme, um die Aktivität von Frauen in der Politik zu fördern. Karin Winheim-Czichon sieht dabei auch die Parteien in der Pflicht, Frauen anzusprechen und aufzubauen.

Ein Grund könnte die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die Doppel- oder gar Dreifachbelastung sein, der Frauen oft standhalten müssen. Frauen mit kleinen Kindern müssen immer früher wieder arbeiten und immer mehr Stunden leisten, weiß die Gleichstellungsbeauftragte. Die Pflege von Angehörigen ist häufig noch immer Frauensache. Mit dem Angebot der Kinderbetreuungseinrichtungen, deren guten Öffnungszeiten und Angeboten wie der Ferienbetreuung im Mehrgenerationenhaus sei Nordenham schon gut aufgestellt, sagt Karin Windheim-Czichon. Dennoch sei die Erwerbstätigkeit von Frauen in Nordenham immer noch vergleichsweise gering. In der Industriestadt Nordenham seien viele Arbeitsplätze auf Männer ausgerichtet, sagt Karin Windheim-Czichon.

Zum Weltfrauentag am Sonntag, 8. März, hat die Gleichstellungsbeauftragte mit dem Arbeitskreis Weltfrauentag einen Frühschoppen in der Jahnhalle organisiert. Beginn ist um 11 Uhr. Thema ist die Entgeltgleichheit. Denn hier gebe es immer noch gravierende Unterschiede, sagt Karin Windheim-Czichon. Viele Frauen stecken in Teilzeit- oder Minijobs fest und bauen keine oder kaum Rentenansprüche auf. Gast wird die SPD-Bundestagsabgeordnete Susanne Mittag sein. Für Musik sorgt die Gruppe Jasch.

Merle Ullrich Brake / Redaktion Brake
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