Nordenham Der Kunstverein Nordenham hat ein großes Problem: Er kann keine Ausstellungen mehr veranstalten. Zumindest bis auf weiteres nicht. Die zwei Expositionen, die noch für dieses Jahr geplant waren, hat der Vorstand ersatzlos gestrichen. Grund ist die eingeschränkte Nutzbarkeit der Ausstellungsräume im Anbau des Alten Rathauses. Weil sie mit den Gegebenheiten dort nicht zufrieden sind, haben die beiden Künstler dem Verein eine Absage erteilt. Jetzt stehen die 1. Vorsitzende Jane Agena und ihr Team vor der bangen Frage, wie es weitergehen soll. Alle sind sich darüber einig, dass der Kunstverein ein neues Domizil benötigt. Aber wo soll das sein?

Im Eigentum der GNSG

„Wenn man Kunst auf sich wirken lassen will, braucht man dafür Platz“, beschreibt Jane Agena den Konflikt. Am jetzigen Standort ist die Fläche, die dem Kunstverein und den Ausstellungsbesuchern zur Verfügung steht, mittlerweile stark zusammengeschrumpft. Das liegt daran, dass die Gemeinnützige Nordenhamer Siedlungsgesellschaft (GNSG) als Hauseigentümerin einen erhöhten Platzbedarf hat. Und der wird nach Angaben des GNSG-Chefs Frank Wahlen im nächsten Jahr noch weiter zunehmen.

Seit 2002 im Alten Rathaus

1972 ist das Gründungsjahr des Kunstvereins Nordenham. Den Anstoß hatten der Amtsrichter Hinrich Bartels und dessen Frau Gisela gegeben, die als Lehrerin und Künstlerin tätig war. Sie verstarb im Mai 2014. Die acht Gründungsmitglieder am 14. September 1972 waren Dietlinde Agena, Christina Auffarth, Hermann Borchers, Kurt Carstens, Klaus Halfar, Horst Rix, Jutta Schwerk und Hinrich Bartels, der in den ersten Jahren den Vorsitz übernahm. Seit Februar 2014 ist Jane Agena die 1. Vorsitzende des etwa 120 Mitglieder zählenden Kunstvereins Nordenham.

Lange Zeit hatte der Kunstverein kein eigenes Domizil. Für Ausstellungen nutzte er in dieser Phase die Räume des Museums Nordenham. 2002 bekam der Kunstverein von der Stadt Nordenham das Erdgeschoss des Alten Rathauses zur Verfügung gestellt. Weil die Gemeinnützige Nordenhamer Siedlungsgesellschaft (GNSG) als Hauseigentümerin die Räumlichkeiten benötigte, wechselte der Kunstverein 2011 in den angrenzenden Glasanbau, der ebenfalls der GNSG gehört. Dieses Forum hat eine Größe von etwa 65 Quadratmetern.

Eine Zusammenführung von Museum und Kunstverein war 2009 im Gespräch. Die Stadt Nordenham hatte in Erwägung gezogen, das Museum um einen Anbau zu erweitern und dort Ausstellungsräume für den Kunstverein zu schaffen. Bei einem von der Stadt ausgeschriebenen Architekturwettbewerb reichten Studenten der Fachhochschule Lübeck 19 Entwürfe ein. Platz eins belegte ein „Kultur-Campus“. Dieses Modell sah einen bewusst schlicht gehaltenen Anbau an der Westseite des Museums vor. Die beiden Gebäude sollten ein gemeinsames Foyer erhalten und mit einem gläsernen Verbindungsgang zusammengeführt werden. Die Umsetzung dieser Idee ist an den Kosten gescheitert.

In dem Flachbau neben dem Alten Rathaus, dem Stammsitz der GNSG, hat die Siedlungsgesellschaft zwei Büroarbeitsplätze eingerichtet. Tisch, Rollcontainer und Stühle lassen sich zwar zur Seite schieben, wenn Ausstellungseröffnungen anstehen. Aber an normalen Tagen ist es so, dass dort Büroarbeit und Kunstappetit aufeinandertreffen. Das geht nicht gut: „Die Ausstellungsbesucher müssen um die Schreibtische herumturnen“, sagt Jane Agena. Das sei auch für die GNSG-Mitarbeiter eine missliche Situation. Hinzu komme der berechtigte Anspruch der Künstler, ihre Arbeiten in einem angemessenen Umfeld präsentieren zu wollen – und nicht in einem Büroraum.

Von der Wohlfühlatmosphäre, die Kunstfreunde bei einem Ausstellungsbesuch erwarten, ist das Ambiente im Alten Rathaus weit entfernt. „Das ist den Besuchern und den Künstlern nicht zuzumuten“, meint Jane Agena.

Aufgrund der beengten Verhältnisse kann der Kunstverein in dem Raum auch keine Ferienpass-Aktionen für Kinder und andere Projekte mehr anbieten. Als nun auch noch die geplatzten Ausstellungen von Petra Bergerhoff und Michael Wolff hinzukamen, war dem Vereinsvorstand klar, dass es an der Zeit ist, einen Schlussstrich unter das Kapitel Altes Rathaus zu ziehen.

Jane Agena macht der GNSG keine Vorwürfe und bedankt sich für die „bisher sehr gute Kooperation“. Dass die Gesellschaft den kostenlos bereit gestellten Raum als Büro benötige, müsse der Verein akzeptieren. Daher bleibe keine andere Wahl, als sich nach anderen Räumlichkeiten umzusehen. Dabei hofft der Vorstand auf eine Unterstützung durch die Stadt Nordenham. Erste Gespräche mit Bürgermeister Carsten Seyfarth hat es in der Angelegenheit bereits gegeben. Laut Jane Agena kommt der Vorstand am 13. August zusammen, um Ideen zu sammeln und Lösungsvorschläge zu erarbeiten. „Noch ist alles offen“, sagt die Vorsitzende.

Viele Projekte in Arbeit

GNSG-Geschäftsführer Frank Wahlen betont, dass sein Unternehmen den 65 Quadratmeter großen Raum schon immer für Konferenzen und Tagungen genutzt habe. Dass nun auch Büroarbeitsplätze dort geschaffen werden mussten, sei nicht zu vermeiden gewesen. „Wir benötigen den Platz“, sagt er. Das hänge damit zusammen, dass die GNSG zurzeit viele Projekte in Arbeit habe und in naher Zukunft noch weitere hinzukämen. Daher sei geplant, in dem Raum noch zwei bis drei weitere Arbeitsplätze unterzubringen.

Norbert Hartfil Redaktionsleitung Nordenham / Redaktion Nordenham
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