Nordenham Gut 30 Musikfreunde, darunter mit Helmut Dietrich ein langjähriger persönlicher Freund des Künstlers, fanden sich trotz der Abbehauser Maibaumfeierlichkeiten am Sonnabend in der Jahnhalle ein, um den Vortrag des Pianisten, Keyboarders und Sängers Martin Gerschwitz zu genießen. Und sie wurden nicht enttäuscht. Der Musiker bot seinem Publikum Klasse und Vielfalt.

Mit drei Instrumentalstücken stellte er seine „Band” – oder besser – seinen künstlerischen Arbeitsplatz vor. Zwei Keyboards, dazu einen Drum-Computer und diverse Effekt- und Klangregulierungsgeräte umrahmten seinen Stuhl. Ein Mikrofon ließ für später auch noch Gesang erwarten.

Der gebürtige Deutsche, der schon lange in Kalifornien lebt und mit diversen englischsprachigen Bands und Projekten in aller Welt musiziert, mischte bei „Waiting“ Klavier- und Synthesizerklänge mit kräftigen Rhythmen zu einem wuchtigen, elegischen Klanggebilde.

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Viel Applaus

Sein zweiter Titel entstand als musikalische Variation eines Video-Soundtracks, den er für US-amerikanische Zahnärzte zur Beruhigung ängstlicher Patienten komponiert hatte. Er trägt den beziehungsreichen Titel „Root Canal“ (Wurzelkanal) und weckte bei den Zuhörern nicht nur angenehme Gefühle, auch wenn die musikalische Leistung mit viel Applaus belohnt wurde.

Nach diesen eher nach Pop- und Rockmusik klingenden Stücken folgte – locker, eigenständig auf dem E-Piano interpretiert – Beethovens „Für Elise“. Derart auf Flexibilität getrimmt, war das Publikum bereit für den ersten konventionellen Titel aus Gerschwitz’ eigener Sammlung – mit Gesang. „Nobody Knows Me Better Than I Do” fasst seine durch die eigene Mutter inspirierte Philosophie zusammen.

Es folgte der erste Beatles-Hit des Abends, „Norwegian Wood“, opulent arrangiert und fantasievoll gedehnt. „Memories of Moscow“ erinnerte an eine Episode in Moskau. Dort war Gerschwitz als Ensemble-Mitglied von Eric Burdon And The New Animals in der Hotelbar gelandet und hörte aus einer dunklen Ecke zwei Balaleika-Spieler die Saiten ihrer Instrumente zupfen. Die Stimmung der Stadt und die Stimmen der Instrumente, fanden sich in dem Instrumentalstück wieder.

„Dancing Flakes” war inspiriert durch den Anblick von Schneeflocken, die über einem bayerischen See tanzten, als der verfrorene Musiker auf Konzerttour einen plötzlichen Wintereinbruch erlebte. Philosophisch ging’s zu bei „Sometimes Isn’t Always“, klassisch bei Gerschwitz’ toller, dynamischer Version der „Rhapsody in Blue” seines Namensverwandten George Gershwin. Hier zog der ursprüngliche Konzertpianist alle Register seines Könnens.

Flamenco-Medley

Als Rache an E-Gitarristen, die durch Nutzung von Effektgeräten und Synthesizer-Technik zeitweise Keyboarder fast arbeitslos machten, klimperte er anschließend ein umfangreiches Flamenco-Medley, das Elemente des „Concerto D’Arranjuez” und von „La Cucaraca” mit Stierkampfklängen verschmolz – im Gitarrensound.

Nach einer kleinen Pause setzte Gerschwitz sein Konzert fort. In Leipzig, so erzählte er, habe er unlängst einen neuen Kosenamen erhalten. Er sei „Leipziger Allerlei“. Geht man davon aus, dass es sich dabei um leckeres gemischtes Gemüse handelt, dass es also geschätzt wird, ist die Bezeichnung für Martin Gerschwitz’ musikalisches Konzept durchaus zutreffend.

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