Moorsee Manchmal sind es kreative Kleinigkeiten, die ein besonderes Ereignis zusätzlich aufwerten. Dazu passt Jan Christoph Greims Idee, für die neue Sonderausstellung in der Moorseer Mühle spezielle Sitzmöbel zu entwerfen. Es handelt sich dabei um Mehlsäcke, die der Museumsleiter mit Styropor gefüllt hat. Diese übrigens auch sehr bequemen Sitzsäcke sind ein charmantes Detail der Ausstellung „Deine Geschichte – 40 Jahre Museum Moorseer Mühle“. Sie laden dazu ein, sich in Ruhe eine Filmvorführung am Monitor anzusehen, die Begleittexte zu lesen oder den auf Audio-Guides eingespielten Interviews und Anekdoten zuzuhören.

Dias und Folien

Christoph Greim ist es gelungen, zum runden Geburtstag des Mühlenmuseums eine ebenso spannende wie abwechslungsreiche Dokumentation zu erstellen. Durch den Einsatz verschiedener Präsentationsmedien, die in einem historischen Zusammenhang zu bestimmten Exponaten stehen, verdient sich die Ausstellung einen weiteren Extrapunkt. So verwendet Christoph Greim für das Zeigen von Bildern nicht etwa einen heutzutage üblichen Beamer, sondern einen klackernden Diaprojektor und ein Overhead-Gerät, das nur noch ältere Semester aus dem Schulalltag kennen. Die Besucher dürfen diesen Tageslichtprojektor selbst bedienen und die Folien auflegen. Sie zeigen Entwürfe für den Anfang der 1990er-Jahre errichteten Erweiterungsbau.

Moorseer Mühle _ Sonderausstellung _ 40 Jahre Mühlenmuseum BILD: Norbert Hartfil

Bis Ende Oktober

Anfassen erwünscht: Dieses Modell eines Mühlensteinkrans hat Udo Schwarting hergestellt. Die Museumsbesucher dürfen es ausprobieren.

Das Motiv der Moorseer Mühle ziert eine Kachel und eine Medaille, die Georg Basshusen zur Anerkennung seiner Leistungen als Klootschießer erhalten hat.

Die Sonderausstellung „Deine Geschichte – 40 Jahre Museum Moorseer Mühle“ wird am Mittwoch, 25. Juli, um 18 Uhr eröffnet und läuft bis zum 31. Oktober. Öffnungszeiten sind dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr. Finanziell gefördert wird die Ausstellung vom Deutschen Museumsbund, von der Oldenburgischen Landschaft und von der EWE-Stiftung. Die Moorseer Mühle befindet sich an der Butjadinger Straße 132.

Die medialen Darstellungsformen, die inhaltliche Struktur und natürlich die Auswahl der Exponate sorgen dafür, dass die Ausstellung keine staubtrockene Museumsschau ist, sondern Heimatgeschichte zum Erleben und Anfassen bietet.

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Die Besucher lernen bei einem Rundgang eine Menge über die Anfänge und die Entwicklungsstufen der Einrichtung. Ein besonderer Reiz ist dabei, dass hinter vielen Ausstellungsstücken eine persönliche Geschichte von Menschen aus der Region steht. Christoph Greim hatte Bürger aus der nördlichen Wesermarsch dazu aufgerufen, private Leihgaben, die in irgendeiner Verbindung zur Moorseer Mühle stehen, zur Verfügung zu stellen. „Die Resonanz war sehr positiv“, freut sich der Museumsleiter. Rund 60 Mühlenfreunde meldeten sich bei ihm. Es folgten zahlreiche Begegnungen und „höchst interessante Gespräche“, bei denen Christoph Greim so manche Anekdote aus den alten Zeiten erfuhr und diese in die Präsentation einfließen lassen konnte. Das führte dazu, dass die Exponate – und damit die gesamte Ausstellung – eine außergewöhnliche Authentizität ausstrahlen.

Beispielhaft ist ein uriges Negativ-Vergrößerungsgerät für Kleinbildaufnahmen. Willy Repnak, der 1924 geboren wurde und in direkter Nachbarschaft zur Moorseer Mühle aufgewachsen war, hatte den Apparat selbst gebastelt. Das war 1946 kurz nach dem Krieg, als Materialknappheit an allen Ecken und Enden herrschte. Als leidenschaftlicher und findiger Fotograf fertigte Willy Repnak den Leuchtkasten für das Vergrößerungsgerät, das er für seine Dunkelkammer benötigte, aus einer Keksdose an. Die Linsen, Filme und Chemikalien tauschte er gegen selbstgemachte Butter in Nordenham bei einem Fotoladen ein. In der Ausstellung ist nicht nur das Gerät zu sehen, sondern auch eine damit entwickelte Schwarz-Weiß-Aufnahme von der Mühle.

Dachbodenfund

Andere schöne Exponate mit persönlicher Note sind ein auf dem Dachboden gefundener Spielbaukasten des Müllersohns Jan-Gerd Reinken aus dem Jahr 1940 und das Hochzeitskleid der ersten Braut (Xenia Bazant-Schwarzkopf), die sich im Mühlenmuseum hat trauen lassen. Auch eine Flasche Jägermeister und zwei Schnapsgläser sind dabei. Diese Ausstellungsstücke erinnern daran, dass Müllermeister Heinrich Reinken sich gerne von der Museumsmitarbeiterin Traute Luga mit einem Lütten verabschiedete.

Norbert Hartfil Redaktionsleitung Nordenham / Redaktion Nordenham
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