Moorsee Ist der Roman „Die Spur im Hafen“ von Georg von der Vring ein echter Krimi? „Nicht wirklich, aber nahe dran“, sagte Dr. Gernot Schenker, als er am Sonntag im Namen des Vereins Literaturplus Wesermarsch die Gäste zu einer Lesung in der Moorseer Mühle begrüßte. Das Werk sei zudem „spannend, sehr historisch geprägt und im ständigen Disput mit den gesellschaftlichen Problemen jener Zeit“, betonte das Ehrenmitglied des Kulturvereins. Auszüge aus dem Buch trug die Oldenburger Schauspielerin und Regisseurin Stephanie Trapp vor.

Geburtsort Brake

Die Lesung, die anlässlich des 50. Todestages des aus Brake stammenden Autoren Georg von der Vring stattfand, war die erste von sechs Veranstaltungen des rührigen Kulturvereins in diesem Jahr. Als nächstes steht am 30. Mai in der Stadtbücherei Michael Kumpfmüllers „Literarischer Landgang“ über seine Eindrücke bei einer Reise durch das Oldenburger Land auf dem Terminplan. Im Juni folgt eine „Kinderlesung“, bei der Isabel Abedi ein Buch ihrer erfolgreichen „Lola“-Reihe vorstellt.

„Nein, doch ein Krimi“, widersprach Stephanie Trapp dem Ehrenmitglied des Literaturplus-Vereins. Die Oldenburgerin ist bekennender Krimi-Fan. Im Müllerhaus hörten ihr die Besucher gespannt zu, als sie aus dem 1936 erschienen Buch las. Im Mittelpunkt des Romans steht ein junger Assessor, der nach dem mysteriösen Tod seines Onkels in Werderfleth den Spuren des Mörders folgt.

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Der Roman sei aber nicht nur ein Krimi, ergänzte Stephanie Trapp, sondern auch eine schöne Liebesgeschichte. Zudem hob sie den Bezug zur Wesermarsch hervor. Der 1898 in Brake geborene Georg von der Vring nimmt sich hierin einer Erzählung seiner Großmutter an.

In Elsfleth hatte sich 1825 ein Doppelmord ereignet. Bei der Ausbaggerung des Hafens waren zwei menschliche Skelette gefunden worden. Es hieß, es sei ein Kaufmannsehepaar aus Lübeck gewesen. Trotz des realen Hintergrundes, so Stephanie Trapp, entspringe „Die Spur im Hafen“ aber völlig der Fantasie, denn der Vorfall sei damals nie aufgeklärt worden.

In das Werk des heute fast vergessenen Autors, Lyrikers und Malers gab zu Beginn der Lesung der Vorsitzende der Georg-von-der-Vring-Stiftung, Henner Funk, in einer kurzen Lebensskizze einen Einblick. Schon als 14-Jähriger hatte Georg von der Vring sein eher ärmliches Zuhause in Brake verlassen und besuchte das Lehrerseminar in Oldenburg. Laute Henner Funk kehrte der Schriftsteller zwar nur besuchsweise zurück, doch als Dichter habe er Brake nie wirklich verlassen.

1912 ging Georg von der Vring an die Kunstschule nach Berlin. 1913 veröffentlichte er seinen ersten Gedichtband. Von 1919 bis 1928 arbeitete er als Zeichenlehrer in Jever und lebte anschließend als freier Schriftsteller und Maler zunächst im Tessin, dann in Wien, Stuttgart und zuletzt in München.

In seinem Antikriegsroman „Soldat Suhren“ (1927) führte er mit aller Drastik die Sinnlosigkeit des Krieges vor Augen. Über Nacht wurde er damit berühmt. Auch sein späterer Roman „Spur im Hafen“ (1936) erreichte eine hohe Erstauflage und wurde mehrfach neu aufgelegt.

Viele Auszeichnungen

Georg von der Vring war Mitglied des bundesdeutschen PEN-Zentrums und erhielt viele Auszeichnungen. 1960 wurde er zum ersten und bislang einzigen Ehrenbürger der Stadt Brake ernannt.

Am 1. März 1968 wählte er in der Isar den Freitod. Zu diesem Zeitpunkt war Georg von der Vring als Dichter aus Buchläden und Schulbüchern allerdings praktisch schon verschwunden.

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