Moorriem Als „Plattdütsch School“ hat sich die Grundschule Moorriem schon seit Jahren einen guten Namen gemacht. Aber was die 76 Moorriemer Deerns und Jungs jetzt auf die Bühne des Eckflether Kroogs brachten, sprengte alle Dimensionen. Die Kinder hatten gemeinsam mit ihren Lehrkräften und einem großen Helferteam zum „Plattdütsch Namiddag“ eingeladen. Eine zweite Aufführung fand Tags darauf statt.

„Dat weer een heel gode Saak,“ waren sich nach über einer Stunde die Besucher, die im „Kroog“ Schulter an Schulter saßen, einig. Den einzigen hochdeutschen Part hatte Schulleiterin Katrin Paul mit ihrer Begrüßungsansprache übernommen. Ihr Dank galt unter anderem dem Förderverein der Grundschule, den Eltern, der Firma Thormählen, der Familie Bentzen für die Technik, den Kollegen und Kolleginnen und ganz besonders Lehrerin Ines Hühnlein, die als gebürtige Thüringerin mit ihrer Liebe zum Plattdeutschen den „Plattdütsch-Motor“ der Grundschule hochmotiviert auf Hochtouren bringt.

„Nu geiht dat los und wi wullt jii wiesen, wie good wi Kinners plattdütsch snacken könnt“, eröffneten die beiden Conférenciers Hannah Thormählen und Ids Verhoef das kunterbunte Programm und zum Start gehörte natürlich die Schulkinderhymne, die alle Gäste mitsingen durften: „Ik bün een Dörpkind und darauf bün ik stolz“. Noch ein plattdütsch Leed für alle zum Mitsingen: Wie „Herrn Pastor sien Kauh“ nach ihrem Ableben ein ganzes Dorf mit ihren noch bestens verwendbaren Accessoires beglückt, ist bekannt. Die Strophe über Dimensionen des neuen „Tehngebiss“ (Zähne) für die „englisch Miss“, Lehrerin Maria Walter, wurde von donnerndem Applaus und Lachsalven begleitet.

Auch die schuleigene Karotte „Wuddeldick“ durfte ihr Bilderbuch verlassen und endlich einmal auf die Bühne gehen. Für „Wuddeldick“ beginnt der Tag früh. He treckt sick de grööne Büx an, treckt se bit na´n Mors, sagt der Oma „Tschüss“, um nach den Hühnern und Kühen zu sehen. Als er seine grüne Büx mit Schietkram beschmutzt, sucht „Wuddeldick“ Hilfe beim Hahn, aber der hat damit zu tun, seine Mädels in Schach zu halten, auch zwei nette Schweinchen, die Kühe, die Katze und die Pferde sind als Fleckentferner nicht geeignet. Aber Oma verzeiht ihrem „Wuddeldick“ auch den größten Schietkram.

Das Publikum hat sich kaum die Lachtränen abgewischt, da war es Zeit für eine Unterbrechung. Die Reporter des „Moorriem TV“ brachten die aktuellsten Nachrichten aus dem Dorf, berichteten über ausgebüxte Kühe, Überschwemmung in der Schule und abgeladene Gülle auf dem Sportplatz, dann zum Schluss der Wetterbericht: „Kreiht de Hahn up´n Mist, ännert sick dat Weer oder blifft as dat is!“

Nach Tänzen und Sketchen beanspruchte plötzlich ein Filmteam die Bühne für sich, der „Kroog“ wurde zum Drehort des Heimatstreifens: „Winterlicher Liebeszauber auf dem Weihnachtsmarkt“. Der Regisseur wartete geduldig auf den eitlen Superstar Alfonso samt Entourage und Groupies, der Kameramann fiel wegen Durchfall aus und es musste Ersatz her, Filmsternchen Schantall rückte ihren Schaumgummibusen zurecht und ließ sich schminken. Und wie das so ist am Set, immer noch einmal musste die gleiche Szene „Heiratsantrag“ mit den beiden „bannig Verleeften“ Alfonso und Schantall, den Weihnachtsengeln samt Weihnachtsmann und Weihnachtsmarktbesuchern wiederholt werden: mal fröhlich, mal traurig, mal leidenschaftlich, aber immer up Platt. Als endlich die Szene im Kasten war, bemerkte der trottelige Ersatzkameramann, dass er vergaß, das Gerät einzuschalten.

Noch ein kleines Lied am Ende des „Plattdütsch Namiddag“: „Snack mal platt“ stieß bei den Besuchern auf helle Begeisterung und der Applaus nach dieser tollen Premiere wollte kein Ende nehmen: „Jungs und Deerns, dat hebbt ji fein makt!“


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