Seefeld Ihre Liebe gilt dem literarischen Vortrag, ihr Lohn ist der zehnstufige Applaus. Die sechs Poetry-Slammer, die beim ersten Event dieser Art im Seefelder Kulturzentrum unter freiem Himmel ihre selbstverfassten Texte zum Thema Frauenbilder zu Gehör bringen wollten, durften dies vor einem sehr interessierten Publikum tun. Vom Anfänger bis zum Vollprofi trauten sich fünf Frauen und ein Mann ans Mikrofon und präsentierten kurze Gedichte, gesellschaftskritische Betrachtungen oder märchenhafte Kurzromane

Die Teilnehmer durften nicht länger als fünf Minuten vortragen und keine Hilfsmittel benutzen. Nur Gestik und Mimik waren erlaubt. Moderiert wurde der Abend von den beiden Brakern Mirko Gilster, selbst Slammer, und Slammaster Alex Bruns.

Organisiert hatte den Poetry-Slam Leonie Lagemann, die damit das Abschlussprojekt ihres Freien Sozialen Jahr (FSJ) im Seefelder Kulturzentrum vorstellte. Die Zuschauer hatten die nicht ganz leichte Aufgabe, das Gehörte zu bewerten und in der Vorrunde in ein 10-Punkte-System einzuordnen. Im Finale erfolgte das Ranking dann nur noch per Intensität des Applauses.

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Die Siegerin Marie-Teres Schwinn reiste eigens aus Berlin an, um beim Seefelder Poetry-Slam teilnehmen zu können. Ihre Vorträge waren emotional, lebendig, einfühlsam, politisch und ausgereift. Die Texte der 28-Jährigen, die bereits viel Erfahrung hat, bewegten die Zuhörer. Mal beschrieb sie ihr Gefühl bei dem Gedanken an ihre Oma so authentisch und nachvollziehbar, dass viele im Publikum ihr kopfnickend zustimmten und ein Wiedererkennungseffekt in Bezug auf die eigene Oma unvermeidbar war.

In der Finalrunde präsentierte sie einen politischen Monolog von Gudrun Ensslin vor dem jüngsten Gericht, die sich für ihre Taten rechtfertigt und sie ihrem Gott zu erklären versucht. Gerade dieser Text zeugte von einer politisch interessierten jungen Frau, die keineswegs blauäugig und angepasst in der heutigen Spaßgesellschaft unterwegs ist. Dafür erhielt sie den stärksten Applaus, trotz der Brisanz des Themas und seiner unangenehmen Ernsthaftigkeit, die so gar nicht in diesen doch eher lustigen Abend passen wollte. Ihre Zugabe nach der Siegerehrung war eine Spitze auf die jungen Frauen ihrer Generation, deren Verständnis von der Welt sich überwiegend um sich selbst dreht.

Auf den 2. Platz kam mit Marlene Stamerjohanns aus Wilhelmshaven die wohl älteste Slammerin Deutschlands. Auch sie präsentierte kritische Texte zu ihrer 90-jährigen Freundin Anni, die in die „Altengitterschweinewelt“ (Seniorenheim) kommt. Der zweite Text befasste sich mit der weltweit praktizierten Kinderarbeit zum Wohle des Profites. Auf den 3. Platz kam Irene Ullrich-Leimbach aus Abbehausen, die ihr Leben als chronisch unterschätzte Teilzeittusse in allen Bereichen beschrieb und von scheiternden Frauen in Champagnerlaune parlierte. Die weiteren Teilnehmer waren Rita Gollnow aus Diekmannshausen, Gerd Luers aus Nordenham und Gesche Gloystein aus Oldenburg, die als Einzige einen plattdeutschen Text vorlas.

Poetry-Slam vom Profi gab es in der Pause, als Andy Strauß aus Münster ein Gleichstellunsgmärchen oder ein Date-Erlebnis mit unerwartetem Ende erzählte und dies gekonnt mit seiner Stimme, einem guten Timing und viel Gestik untermalte.

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