Gerold Jürgens ist ein gebürtiger Nordenhamer. Nach der Schulzeit in FAH ließ er sich bei Opel Meyer zum Autoschlosser ausbilden. 1966 wechselte er zum Flugzeugwerk VFW.

In die Dienste der Stadt Nordenham trat Gerold Jürgens 1974 ein. Als Schirrmeister übernahm er die Wartung der Feuerwehrfahrzeuge und -geräte in der Wache an der Jahnstraße. 1987 wurde er Betriebsleiter in der Stadthalle Friedeburg. 18 Jahre lang übte Gerold Jürgens das Amt des 2. Vorsitzenden im Personalrat der Stadt Nordenham aus. Er war 42 Jahre in der Freiwilligen Feuerwehr Nordenham tätig und hatte von 1991 bis 1997 den Posten des Ortsbrandmeisters inne. Seit März 2009 ist er Ortsvorsitzender der Verkehrswacht.

Gerold Jürgens tritt den Ruhestand an. In den 22 Jahren als Friedeburg-Chef hat er eine Menge erlebt.

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Von Norbert Hartfil

Nordenham Der Gruselrocker Alice Cooper ist dabei. Auch Chaka Khan, Manfred Mann und Eric Burdon gehören dazu. Dazwischen stehen Klaus Lage, Hape Kerkeling, Wolfgang Petry und Jeanette Biedermann auf der langen Liste der Berühmtheiten. Gerold Jürgens kennt sie alle. Und nicht nur das, er duzt sich sogar mit ihnen. In die aufregende Welt der Musiker und Schauspieler ist der Nordenhamer durch seinen Beruf geraten. Als Saalmeister der Stadthalle Friedeburg hat Gerold Jürgens etliche Stars der Showbranche kennen gelernt „Die Künstler waren alle top“, sagt er, „es hat immer großen Spaß gemacht, mit ihnen zusammenzuarbeiten.“ Nicht ohne Grund spricht der 64-Jährige in der Vergangenheitsform: Gerold Jürgens verabschiedet sich von der Friedeburg, die in all den Jahren zu seinem zweiten Zuhause geworden ist, und geht in den Ruhestand.

Wenn am nächsten Montag die Landesbühne Nord mit dem „Besuch der alten Dame“ in der Stadthalle auftritt, ist Gerold Jürgens zum letzten Mal als Saalmeister im Einsatz. Er macht kein Geheimnis daraus, dass ihm der Abschied nicht leicht fällt. „Der Beruf bietet viel Abwechslung“, sagt er, „jeden Tag hat man etwas anderes zu tun und lernt man neue Leute kennen.“ Darauf zu verzichten, ist für Gerold Jürgens nicht einfach. Andererseits kann er den Stress, der mit jeder Aufführung verbunden ist, gut entbehren.

Es darf nichts schief gehen

„Da darf nichts schief gehen, wenn der Saal voller Leute ist“, weiß er. Entsprechend groß ist die Adrenalin-Ausschüttung auch bei ihm, sobald die Bühnenshow beginnt. Der Saal-Chef ist für die Scheinwerfersteuerung, die Bedienung der Vorhänge und die komplette Bühnentechnik verantwortlich Während seiner 22 Jahre in der Friedeburg sind ihm größere Pannen „zum Glück erspart geblieben“. Er kann sich allerdings noch bestens daran erinnern, wie ihn das gesamte Glenn Miller Orchester bei einem Konzert lächelnd-erwartungsvoll anstarrte und er auf seinem Platz am Inspizientenpult zunächst überhaupt nicht wusste, was die Musiker von ihm wollten. Bis ihm im wahrsten Sinne des Wortes ein Licht aufging und er bemerkte, dass sich die Bühnenscheinwerfer nach und nach abmeldeten, weil eine Sicherung rausgeflogen war.

In Gerold Jürgens Anfangsjahren war die Friedeburg noch mit „Asbach-Uralt-Technik“ ausgestattet. Er begleitete 1991 die Generalüberholung des Veranstaltungstempels, der damals aufgrund der lilafarbigen Fensterrahmen den Beinamen „Milka-Palast“verpasst bekam. „Ich habe die Farbe aber nicht ausgesucht“, stellt er klar.

Mit der Modernisierung der Friedeburg ist auch die technische Herausforderung gestiegen. Doch das bereitete Gerold Jürgens keine Probleme. „Technik war schon immer mein Ding“, sagt er. Mit seinem Team, zu dem seine Frau Edith und sein designierter Nachfolger Helmut Dietrich gehören, ist Gerold Jürgens für die Rundum-Begleitung aller Saalveranstaltungen zuständig. Dazu gehört der Aufbau der 407 Theatersitzplätze auf einer neun Tonnen schweren Stellage ebenso wie das Austauschen einer Glühbirne beim Abi-Ball. Der Saalmeister ist der Mann für alle Fälle und nebenbei ein ruhender Pol für lampenfiebrige Bühnenakteure.

Im schnelllebigen Showgeschäft sind die meisten Bekanntschaften nur von kurzer Dauer. Doch besonders ins Herz geschlossen hat Gerold Jürgens die Ohnsorg-Schauspielerin Heidi Kabel. Sie bestand immer darauf, dass ausschließlich Gerold Jürgens sie aus dem benachbarten Hotel zum Saal begleitete. „Junge, hol’ mich ab“, hieß es, wenn Heidi Kabel am Telefon war.

Großspurige Manager

Höchst unangenehme Eindrücke haben bei ihm allerdings die meisten Manager hinterlassen. Weil die „so großspurig“ aufgetreten sind.

Als bleibende Erinnerung an seinen spannenden Job nimmt Gerold Jürgens ein dickes Gästebuch mit. Darin haben sich unzählige Prominente mit Fotos und Widmungen verewigt. „Alles Gute für die lieben Menschen in der Friedeburg“, schrieb Gerhard Schröder 1993. Und Eric Burdon hinterließ 2002 die Worte „Danke für alles“. Diesen Dank darf Gerold Jürgens getrost auf sich beziehen.

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