BRAKE Weniger Zuschauer als sonst waren zur Premiere gekommen. Etliche treue Theaterbesucher blieben wegen des Orkans zu Hause.

von Lore Timme-hänsel BRAKE - Die „Swienskomödi“ von August Hinrichs wurde 1930 in Oldenburg uraufgeführt. Lang ist‘s her, aber das Lehrstück über Bauernschläue ist immer noch wegen seiner vielen komischen Momente und Pointen Garant für eine erfolgreiche Inszenierung. Erst Recht, wenn die Rollen so typgerecht besetzt werden, wie es Regisseur Hans-Günther Müller bei der Niederdeutschen Bühne Brake getan hat. So feierte das Ensemble am Donnerstagabend im BBZ eine erfolgreiche Premiere, allerdings nur vor wenigen Zuschauern. Etliche treue Theaterbesucher waren wegen des Orkans zu Hause geblieben.

In der Rolle des Bauern Krischan Lamken brilliert Helmut Stührenberg. Als schlitzohriger Dickkopf ist er in jedem Stück in seinem Element und immer eine sichere Bank. Bauer Lamken weigert sich, Steuern an Vater Staat zu zahlen. Der Staat ist für ihn ein großer Suppentopf, aus dem er sich nur mit dem Teelöffel bedienen darf, während die Beamten zum Esslöffel und die „ganz oben“ zur Suppenkelle greifen. Das ist ein klares Weltbild und ganz nach dem Geschmack des Steuern zahlenden Publikums.

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Der junge Lehrer Walter Meiners versucht Lamken von der Notwendigkeit des Staates zu überzeugen – natürlich vergebens, die Turbulenzen um die gepfändete Sau Jolanthe nehmen ihren vergnüglichen Lauf. In der Rolle des idealistischen, schrullig-verklemmten Pädagogen, der hin und wieder Lyrik absondert und von der Staatsgewalt schließlich als Rädelsführer des bäuerlichen Widerstandes verdächtigt wird, überzeugt Renke Brüning. Er ist in Hochform, egal ob er über Bücher doziert, naserümpfend dem Doppelkorn zuspricht oder unsicher auf Freiersfüßen wandelt.

Als Lamkens Tochter Lisa liefert Frederike Gomilar bei ihrem Debüt im großen Ensemble eine solide Leistung ab. Sie agiert sicher in Gestik und Mimik und ist auch in turbulenten Szenen absolut textsicher.

Ein großes Talent für komische Rollen offenbart Annika Renken. Als dösig-trampelige Magd Sofie spielt sie sich tief in die Herzen der Zuschauer und bekommt immer wieder Szenenapplaus. Mit Rolf Penningroth als Knecht Hinnerk bildet sie ein spielfreudiges Gespann, das sich sicher auf dem schmalen Grat der Komik bewegt und nicht in den Klamauk abstürzt.

Die anderen Akteure stehen aber mit ihren Leistungen keineswegs zurück. Als verliebter Jungbauer Gerd Bunjes weiß sich Peter Berg gut in Szene zu setzen. Das gilt ebenfalls für Andreas Rüssbült, der in der kleinen Rolle des Postboten debütiert. Als übereifriger Polizist, der sich bei seinen Ermittlungen bis auf die Knochen blamiert, überzeugt Holger Wedeken. Als Bauern und Mitglieder der „Schicksalsgemeinschaft der Unschuldslämmer“ setzen Dieter Schröder und Friedrich Naber dem ungetrübten Theatervergnügen die Krone auf.

Theaterabonnenten die wegen des Orkans „Kyrill“ die Premiere verpasst haben, sollten sich die „Swienskomödi“ nicht entgehen lassen und eine der noch zwölf folgenden Aufführungen besuchen, auch wenn sie dann mit einem anderen als ihrem angestammten Platz vorlieb nehmen müssen.

Mehr Infos unter

www.buehne-brake.de

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