FEDDERWARDERSIEL FEDDERWARDERSIEL/AV - Sültenbeen – auf der Speisekarte im Fedderwardersieler „Nordseeblick“ wäre dieses traditionelle Butjenter Gericht bestimmt nicht unter den Favoriten. Schon gar nicht, wenn man die Zutatenliste kennt: Zwei, drei Kilo Schweinefleisch aus dem Vorderschinken, das zwei Stunden lang gekocht und dann zwei Wochen lang in einen Essigsud gelegt wird, bevor es mit Senf und Schwarzbrot serviert wird.

Aber einmal im Jahr, beim traditionellen Butjenter Eeten, haben die Gäste keine Wahl, und das ist auch gut so: Auf diese Weise lernten die gut 60 neugierigen Esser jetzt diese köstliche kalte Bratenspeise kennen, die bei einem kalten Buffet problemlos gegen Vitello tonnato und Carpaccio bestehen würde.

„Die Aufgabe der Gästeführer ist ja schließlich, das Verborgene und Versteckte in der Wesermarsch zugänglich zu machen – und dazu gehört nicht zuletzt die gute Küche“, betonte die Arbeitskreis-Vorsitzende Renate Knauel in ihrer Begrüßungsrede.

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Anders als in der Vergangenheit blieben bei dieser 19. Auflage des Butjenter Eeten einige Plätze leer. Dafür war aber der neue Geschäftsführer der Butjadingen Kur und Touristik GmbH, Johannes Cassens, gekommen und ließ sich gern von den kulinarischen Spezialitäten seines neuen Wohnorts überraschen. „Wenn das so weitergeht, dann muss ich ja Sorgen um meine Linie haben“, lobte er im Anschluss die Arbeit von Küchenchef Uwe Kähler und seinem Team.

Zwischen Krabbensuppe, Sültenbeen, frisch gebratener Seezunge und Schoko-Birnen-Torte mit Schlagsahne spielten die „Ruhwarder Saitenhiebe“ in der Besetzung Jantje Kessens (Geige und Gesang), Uwe Kessens (verschiedene Saiteninstrumente und Gesang) und Bernd Bultmann (Gitarre und Witze zwischendurch) Shanties, Handwerks- und Seemannslieder.

Etwas weniger unterhaltsam geriet der Festvortrag von Gerd Steinwascher, Leiter des Oldenburgischen Staatsarchivs: Er hielt sich stark an die Daten und Fakten und an sein Manuskript, als er die eigentlich so spannenden Geschichte des Elsflether Weserzolls nacherzählte.

„Oldenburg und Bremen waren seit dem Mittelalter Konkurrenten, und Zankapfel war stets die Unterweser“, beschrieb er die Bedeutung des Weserzolls für die Geschichte des Nordwestens. Die Hansestadt Bremen wollte vor allem mit Umschlag und Handel von Waren Geld verdienen und war dafür auf die Weser als wichtigste Verkehrsader angewiesen. Die Vorposten, die sie in Blexen und in Atens errichteten, reichten aber für die Herrschaft über die Wasserstraße nicht aus: Im 16. Jahrhundert eroberten die Oldenburger das Land links und rechts der Unterweser und versuchten als erstes, einen Zoll zu etablieren. Schließlich sei er ja auch für den Deichbau und den Schutz der Schiffe vor Strandung auf den Sandbänken verantwortlich, argumentierte Anton Günther im Jahr 1612 – aber natürlich wollte er auch vom lukrativen Handel der Bremer profitieren.

Bis der Weserzoll endlich durchgesetzt war, brauchte es viel diplomatisches Geschick und die Friedensverhandlungen im Dreißigjährigen Krieg. Aber am Ende bekam Graf Anton Günther, was er wollte, und ab 1653 machten die Zolleinnahmen ein Fünftel des Oldenburgischen Haushalts aus.

Die Bremer nutzten schließlich eine weitere politische Entwicklung mit europäischer Dimension aus, um den ungeliebten Zoll loszuwerden: Als Napoleon zu Beginn des 19. Jahrhunderts halb Deutschland besetzt hielt, setzten sie im Reichsdeputationshauptschluss die Abschaffung durch. Als Entschädigung erhielt Oldenburg die Ämter Cloppenburg, Vechta und Wildeshausen und damit seine eigentliche Gestalt.

Das Verborgene

soll zugänglich

gemacht werden

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