Brake Dein Reich komme. Diese Bitte aus dem Vaterunser ist an der Kanzel in der Christuskirche zu lesen. Doch an diesem Abend steht nicht das Reich Gottes im Mittelpunkt. Vielmehr ist die Region Ostfriesland im Fokus. Und es geht mörderisch zu.

Der Krimi-Autor Klaus-Peter Wolf packt am Mittwochabend seinen Arztkoffer aus. Er nimmt ein Stethoskop heraus und ist mit seiner neuen Geschichte „Totenstille im Watt“ um den Serienkiller Dr. Bernhard Sommerfeldt sogleich am Puls der Zeit.

Seit Wochen ein Bestseller

Bestseller: Der am 22. Juni erschienene Roman „Totenstille im Watt“ führt die Spiegel-Bestsellerliste an.

Klaus-Peter Wolf, im Jahr 1954 in Gelsenkirchen geboren, lebt als freier Schriftsteller in der ostfriesischen Stadt Norden.

Gelungener Coup: Die Nordwest-Zeitung wird ab Mitte August den Roman „Ostfriesenkiller“ von Klaus-Peter Wolf als Fortsetzungsroman veröffentlichen.

In der Kirche ist es nicht still. Vielmehr summt und säuselt es wie in einem Bienenstock. Rund 240 Zuhörer haben erwartungsvoll Platz genommen auf den Kirchenbänken und warten gespannt auf die Geschichte. Der Autor Klaus-Peter Wolf, bekleidet mit einem blauen Hemd, roten Hosenträgern, Jeans und Turnschuhen, schreibt derweil an einem kleinen Tisch vor dem Altar eifrig Widmungen und Autogramme.

Mackie Messer

Zunächst ist Bettina Göschl am Zug. Die Ehefrau des Schriftstellers, Kinderbuchautorin und Illustratorin sowie Liedermacherin, stimmt die Gäste musikalisch ein. Das Stück ist passend gewählt: „Denn der Haifisch, der hat Zähne“ aus der Dreigroschenoper von Bertolt Brecht mit der Musik von Kurt Weill wird von ihr angestimmt. Ihre Moritat von „Mackie Messer“ zündet, die Zuhörer sind nun hellwach.

Bettina Göschl steht allein vor ihrem Publikum. „Hier mit ihren Komplizen zu stehen, das hätte fast geklappt“, erzählt Klaus-Peter Wolf. Doch die Musiker hätten keinen Freigang bekommen. Sie würden weiterhin gesiebte Luft schnuppern. Womit er zu seinem Dr. Bernhard Sommerfeldt, einem Arzt in Norddeich, überleitet. „Der neue Roman ist ein Experiment“, merkt er an. In seinen Krimis wechsle er gern die Perspektive, mal sehe der Leser die Welt aus Sicht der Täter, dann aus der des Opfers oder des Ermittlers. Ein ganzes Buch aus der Sicht eines Serienmörders zu schreiben, sei gewagt. „Meine Lektorin war sogleich begeistert. Das ist der ganz große Wurf“, habe sie gesagt, wie die Zuhörer erfahren.

Mörder taucht auf

Und auch, dass es dem Autor gefällt, immer wieder in andere Rollen zu schlüpfen. „Bei einem Spaziergang am Deich war plötzlich Dr. Sommerfeldt da“, erzählt er. „Wenn ich so etwas schreibe, muss ich an die Person heran. Das Reinkommen in die Rolle ist das eine, ich muss aber auch wieder herauskommen“, betont er.

Der Autor hat eine besondere Technik: „Ich schreibe immer alles mit einem Füller in eine Kladde. Irgendwann bin ich so weit, dass ich lese, was der Füller schreibt. Manchmal geht das so, bis die Tinte alle ist.“ Einen mörderischen Druck, immer wieder Bestseller abliefern zu müssen, verspüre er nicht. „Ich erlebe das als großes Glück.“

Langer Nachhall

Gut gestimmt sind die Zuhörer, die etwas aus dem neuen Roman erfahren. Auch die Musik von Bettina Göschl trägt dazu bei, dass die Autorenlesung bei den Teilnehmern lange nachhallen wird.

Die Zuhörer, die auf Einladung der Kulturförderung Brake und der Buchhandlung Gollenstede gekommen sind, erfahren von einem neuen Reich – dem Reich des Dr. Bernhard Sommerfeldt, der künftig in Norddeich sein Unwesen treibt. Diese Vorstellung ist geglückt.


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Ulrich Schlüter Elsfleth / Redaktion Brake
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