Kinners, wie die Zeit vergeht! Schon wieder ein Jahr rum. Was hat es gebracht in und für Butjadingen? Bei einem flüchtigen Blick nicht viel. Kramt man aber ein bisschen im Gedächtnis, dann war es doch einmal mehr ein ereignisreiches Jahr. Tragisches, Kontroverses, Schönes – das Leben in seiner ganzen Bandbreite eben.

Es hagelt Protest

Protestbanner und Transparente sieht man eher selten im Rathaussaal in Burhave. Zuletzt hatte es sie 2018 gegeben, als Butjenter Landwirte gegen einen möglichen Beitritt Butjadingens zum Biosphärenreservat Wattenmeer protestierten. Dieses Thema poppt im Frühjahr 2019 erneut auf, ist aber schnell wieder zu den Akten gelegt. Bis zu neuerlichen Protestschildern im Rathaussaal soll es bis zum 12. Dezember dauern. An dem Tag entscheidet der Gemeinderat über die Fasthochhäuser, die hohen Häuser also, die am Deich von Burhave entstehen sollen.

Die Petition mit 2871 Un-terstützern, die Ulrike Dräger und Dirk Lankenau auf den Weg bringen, die Demo, die Matthias Schulz im Vorfeld der Ratssitzung organisiert, der massive Protest zahlreicher Butjenter – es nützt alles nichts. Der Rat beschließt mit großer Mehrheit, dass die Helma Ferienimmobilien GmbH aus Berlin das Nordseeresort mit den beiden 20 Meter hohen Häusern und einem bis zu 17 Meter hohen hufeisenförmigen Gebäudekomplex bauen darf.

Nächtliche Tragödie

Auch 2019 bleibt Butjadingen nicht von einem tragischen Unglück verschont. In der Nacht zum 2. September sterben zwei Menschen bei einem Brand im Pflegeheim Haus Christa in Stollhamm. Ein Großaufgebot an Einsatzkräften ist vor Ort. Bewohner der Einrichtung werden evakuiert. Wie später die Ermittlungen ergeben, hat ein technischer Defekt das Feuer ausgelöst.

Abschied von Galerie

Für Kulturfreunde ist 2019 ein Jahr des Abschieds. 40 Jahre lang war die Galerie am Wehlhamm in Ruhwarden Butjadingens erste Adresse in Sachen Kunst. Am 30. Juni endet dieses Kapitel. So lange läuft die Ausstellung, mit der sich Silke Trolldenier nach vier Jahrzehnten aus Altersgründen vom Galeristinnen-Dasein verabschiedet. „Ohne Bilder fühle ich mich nackt“, sagt Silke Trolldenier Ende Mai in einem Pressegespräch. Auch wenn die Galerie gut vier Wochen später Geschichte ist – Die Kunst, das steht für die Ruhwarderin fest, wird sie bis ans Ende ihres Lebens begleiten.

Ein saugutes Leben

Die Geschichte ist fast zu schön, um wahr zu sein, doch genau so ist es passiert: Am Nachmittag des 23. Mai, ein Donnerstag, springt auf der A 1 bei Oyten ein Ferkel dem Tod gleich zwei Mal von der Schippe. Das gerade zwei Wochen alte Tier plumpst durch den Lüftungsschlitz eines Viehtransporters, der auf dem Weg zu einem holländischen Schlachthof ist, auf die Autobahn. Es legt mehrere Purzelbäume hin, bleibt benommen auf dem Seitenstreifen liegen, wird gerettet statt überfahren, kommt auf den Hof Butenland in Niens. Und darf dort einfach nur Schwein sein.

Und wenn es nicht gestorben ist . . . Nein, ist es nicht. Nur ganz schön groß ist Frederik, wie das Stunt-Ferkel auf Hof Butenland getauft wird, inzwischen geworden. Und weil alle Frederik lieben, hat das Tier, das ohne eine ganze Armee von Schutzengeln keine drei Wochen alt geworden wäre, nun ein saugutes Leben.

Im Oktober macht der Hof Butenland erneut Schlagzeilen. Der Filmemacher Marc Pierschel hat einen Dokumentarfilm über das Kuhaltersheim und seine Betreiber Karin Mück und Jan Gerdes gedreht. Bei den internationalen Filmtagen im bayerischen Hof hat der Streifen Ende Oktober Premiere und wird als bester Dokumentarfilm des renommierten Festivals ausgezeichnet. Anfang des neuen Jahres kommt „Butenland“ ins Kino. Am 15. Februar ist er in Anwesenheit des Regisseurs und seiner Hauptdarsteller im Cine K in Oldenburg zu sehen (15.30 und 18 Uhr).

baustelle ohne Ende

Der Langwarder Ratsherr Ralf Töllner hatte am Rande einer Ratssitzung schon befürchtet, dass es eine unendliche Geschichte werden würde. Und die wird es auch, fast jedenfalls. Mitte September beginnt der mit einer Vollsperrung verbundene Ausbau der Ortsdurchfahrt Langwarden, am 17. Oktober soll er laut Zeitplan des Landes abgeschlossen sein. Doch daraus wird nichts.

Bis Ende November zieht sich die Vollsperrung hin, dann folgt bis Weihnachten eine halbseitige Sperrung. Seit dem Fest fließt der Verkehr wieder ungehindert. Aber nur vorübergehend. Ab 13. Januar muss die Fahrbahn für die Pflasterung des neuen Gehwegs erneut halbseitig gesperrt werden.

Besonderer Gast

Sein 25-jähriges Bestehen feiert das Nationalparkhaus in Fedderwardersiel am 14. August mit einem ganz besonderen Gast: Altbundespräsident Christian Wulff hisst zusammen mit Hausleiterin Dr. Felicitas Demann im Kutterhafen eine neue Flagge, spricht über den Klimawandel und die Verpflichtung der „Alten“, die junge Generation bei ihren Anstrengungen für den Erhalt der Erde zu unterstützen. Bei einem Rundgang durch die im vergangenen Jahr komplett neu aufgebaute Dauerausstellung streichelt Christian Wulff ganz staatsmännisch einem ausgestopften Seehund über den Kopf. Das, verrät Felicitas Demann, soll Glück bringen.

Detlef Glückselig Butjadingen / Redaktion Nordenham
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