NORDENHAM Die Diva lässt auf sich warten. Wie jeden Morgen kommt sie zu spät zur Probe. Und das fuchst Sarah Schulz ganz gewaltig. An der renommierten und exzentrischen Schauspielerin Eva Winterstein lässt das Nachwuchstalent kein gutes Haar. Und als die Göttliche schließlich erscheint, fliegen zwischen den beiden Frauen die Fetzen.

Es ist wieder einmal Premierenabend im Güterschuppen des Theaters Fatale. Und das Ensemble hat die Messlatte beim neuen Stück „Fach-Wechsel“ von Frank Pinkus recht hoch gelegt. Denn neben den komödiantischen Szenen, in denen die vier Akteure brillieren und den guten Ruf des Theaters hinsichtlich dieses Genres bestärken, bietet Fatale diesmal auch viele nachdenkliche Passagen.

Die Akteure sind gereift. Sie zeigen Klasse auch in den leisen, kleinen Momenten, die das Publikum aufmerksam registriert. Claudia Bartels, sie spielt Eva Winterstein, Fee Anthea Ricker als Sarah Schulz und Jürgen Reiners, der den Regisseur Carsten Berthold verkörpert, sowie Rolf Wilkens als Hardy Weber zeigen ein famoses Spiel, das die rund 100 Zuschauer zum Schuss nicht mehr auf den Sitzen hält. Das ist großes Theater.

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Die gelungene Kulisse ist die Bühne für eine Inszenierung, in der eine hysterische Diva, ein Nachwuchs-Star, ein verklemmter Synchronsprecher für japanische Filme und ein überforderter Regisseur aufeinander treffen. „Fach-Wechsel“ erzählt die Geschichte von Carsten Berthold, der ein neues Stück auf die Beine stellen will. Anfangs ist er noch motiviert, doch mit zunehmender Spielzeit nehmen ihm die drei Akteure das Heft aus der Hand. Eva Winterstein lässt sich von niemandem etwas sagen. Erst recht nicht von Sarah Schulz, die ihre Sporen in einer Daily Soap verdiente. Zwei Welten prallen dabei vehement aufeinander: Theater gegen Film, Alt gegen Jung. Dieses Spannungsverhältnis beherrscht die meisten Szenen und lässt die Figuren auch Schwächen und Selbstzweifel offenbaren.

Wenn beispielsweise Carsten Berthold (Jürgen Reiners) dem unsicheren Synchronsprecher Hardy Weber (Rolf Wilkens) behutsam erklärt, dass er die Folie sei, auf der die beiden Frauen ihre Sehnsüchte projizierten, und dieser fragt, wie man denn so als blasse Folie spreche, werden Oberflächlichkeit und Selbstzweifel ersichtlich. Stark ist auch Fee Anthea Ricker als Sarah Schulz, deren Stimme sich in einer Szene überschlägt und sie sich derart in Rage spielt, dass es ihrer Gesichtsfarbe anzusehen ist. Die Schülerin verkörpert das belebende, quirrlige Element neben den drei an sich zweifelnden Figuren, die sich nach Halt und Orientierung sehnen.

Wie Rolf Wilkens zum wiederholten Mal kaum ein Fettnäpfchen auslässt und sogar in Unterhose über die Bühne stelzt, ist spitze. Und wie Claudia Bartels ins italienische Zetern verfällt, reizt die Lachmuskel. Als Jürgen Reiners den Stab über seine Zunft bricht, die mitnichten Gossenstücke adaptiert, ist es im Güterschuppen mucksmäuschenstill. Dass die Souffleusen hin und wieder hilfreich einsprechen müssen, fällt dabei kaum auf. Handelt es sich doch um einen gelungenen „Fach-Wechsel“.

noch neun termine

Unter der Regie von Björn Kruse spielen in dem Stück „Fach-Wechsel“ Claudia Bartels, Fee Anthea Ricker, Jürgen Reiners und Rolf Wilkens. Die Regieassistenz liegt bei Marlis Heeren. Requisite und Inspizienz: Renate Repert, Marlies Strauch, Birgit Glückselig, Inge Hoppe, Christine Pape und Monika Taszus; Kostüme: Rita Lüddecke; Frisuren: Vera Heinrich; Maske: Dorothee Klemd und Laura Winter; Technik: Detlef Glückselig und René Maréchal; Souffleusen: Sabine Müller und Uschi Wilkens; Bühnenbau: Jörg Elzener, Axel de Grave, Olaf de Grave, Susanne Kok, Reiner Kok, Frank Repert und Martina Seggermann.

Weitere Aufführungen finden statt am Donnerstag, Freitag und Sonnabend, 8. bis 10. Mai, Donnerstag, Freitag und Sonnabend, 15. bis 17. Mai, sowie Donnerstag, Freitag und Sonnabend, 22. bis 24. Mai. Beginn ist jeweils um 20 Uhr, Einlass ab 19 Uhr. Karten gibt es bei Nordenham Marketing & Touristik ( 93640) am Marktplatz.

Ulrich Schlüter Elsfleth / Redaktion Brake
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