NORDENHAM NORDENHAM/ULS - Es dreht sich alles um die erste Liebe, den erste Kuss, das erste Mal. Da bleibt für die Schule wenig Raum, zumal der Geschichtslehrer Spindler, gespielt von Insa Bergmann, selbst mit allerlei Problemen zu kämpfen hat und den Unterricht nicht eben zur Freude der Mädchen und Jungen gestaltet. Seine Schüler nehmen ihn nicht ernst, den Frust spült er mit einer Flasche Wodka herunter. Kein Wunder also, dass er sich vorkommt wie ein „Narr an einem mittelalterlichen Schloss“. Und die Schüler? Sie sind auf der Suche nach ihrer Identität, nach einem märchenhaften Erlebnis.

Als der rote Vorhang in der Aula des Gymnasiums beiseite fährt und sich der Blick der rund 80 Zuschauer auf die Bühne öffnet, schaut das Publikum in einen Klassenraum. Vier Mädchen und vier Jungen lümmeln sich auf den harten Stühlen, allen voran Tom-Tom (Eugen Martin), der Boss der Klasse. Er ist der typische Aufschneider, ein Wichtigtuer, ein Macho in Westentaschenformat. Mit seinen coolen Sprüchen nervt er nicht nur die Mitschüler, er sorgt zu Beginn für Heiterkeit und eine unverkrampfte Atmosphäre beim meist jugendlichen Publikum. Die übrigen neun Mitglieder der Theater-AG spornt das sichtlich an – von Lampenfieber keine Spur.

Es ist bemerkenswert, wie die Akteure in ihre unterschiedlichen Rollen schlüpfen und sich witzige, freche Dialoge mit nachdenklichen Selbstgesprächen abwechseln. Insgesamt 24 Szenen hat der Lehrer und Regisseur Hartmut Neumann mit den Schülern seit einigen Monaten einstudiert, und die Abfolge passt. Emotionen und Konflikte, die wohl jeder erlebt hat, treiben die Spieler immer weiter voran.

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„Das erste Mal“ von Jürgen Baumgarten ist ein intensives und anspruchsvolles Stück. Dem Autor gelingt es, die Sorgen und Hoffnungen der Jugendlichen in treffende Dialoge und eine strukturierte Handlung zu weben. Die Sexualität ist der rote Faden, den die Akteure fast zwei Stunden lang nicht aus den Augen verlieren. Sie bringen das Thema in ihrer Sprache auf den Punkt, ohne unter die Gürtellinie zu gehen.

In der ersten Szene bittet die Sozialkundelehrerin Kramm (Wiebke Bogusch) die Schüler, offen über das erste Mal zu reden. Sie hat Texte mitgebracht, die die Schüler vorlesen sollen. Schon bald zeigt sich, dass vor allem die Jungen nicht so abgebrüht sind, wie sie den Klassenkameradinnen vorschwindeln. Jeden Menschen plagen andere Sorgen, Nöte und Ängste. Einige der Schüler leiden an Minderwertigkeitsgefühl, weil sie noch keinen Freund abbekommen haben. Und doch verfolgen sie, jeder auf seine Weise, ein Ziel: Sie träumen von einem ersten sexuellen Erlebnis. Dass man sein Glück nicht erzwingen kann, es sich von selbst ergibt, ist eine Botschaft des Stückes. Dass ein ins Kriminelle ausufernde Verlangen, das in Gewalt ausartet, nicht zum Ziel führen kann, ist eine andere. „Wer liebt, will anderen nicht weh tun“, heißt es an einer Stelle. Die Akteure der Theater-AG vermitteln das glaubhaft.

• Es wirken mit: Insa Bergmann, Ragna Bergmann, Sarah Bockmeyer, Wiebke Bogusch, Lilia Hermann, Daisy Hullmeine, Eugen Martin, Catrin Riegel, Sina Schierloh und Kathrin Seggermann. Das Stück wird heute noch einmal ab 20 Uhr in der Aula des Gymnasiums aufgeführt. Einlass ist ab 19.30 Uhr.

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