Friedrich-August-Hütte Die Nordenhamer Zinkhütte: Das ist der Ort, wo das Feuer niemals ausgeht. So hat es der heute 67 Jahre alte Rafael Lippa, der 50 Jahre hier tätig war, seinen Kindern erklärt, wenn die wissen wollten, wo der Papa arbeitet. Diese Beschreibung trifft noch immer zu: Die Produktionsabteilungen laufen ohne jede Unterbrechung rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr – auch Heiligabend, Silvester und Ostern.

„Wir haben vier Schichten, davon ist eine die Freischicht. Das wird auch vollkontinuierliches Schichtsystem genannt“ erläutert Betriebsratsvorsitzender Klaus Garlichs.

Die Frühschicht läuft jeweils von 5.15 bis 13.15 Uhr, die Spätschicht von 13.15 bis 21.15 Uhr und die Nachtschicht von 21.15 bis 5.15 Uhr.

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Die Einteilung der Schichten läuft vorwärts-rotierend. Das bedeutet zum Beispiel: Wer jetzt zwei oder drei Tage Frühschicht hat, muss dann zwei oder drei Tage in die Spätschicht oder zwei oder drei Tage in die Nachtschicht – an Wochenenden stets für jeweils drei Tage. Nur ein Wochenende pro Monat ist frei.

Lediglich ein kleiner Teil der Belegschaft hat jedes Wochenende frei und arbeitet nur in Frühschichten: Mitarbeiter in den Instandhaltungsbereichen und in der Verwaltung. Die reguläre Arbeitszeit der Betriebsleiter ist montags bis freitags von 8 bis 17 Uhr. Sie müssen aber auf Abruf rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Ihre Stellvertreter sind die Hauptabteilungsmeister. Sie arbeiten stets in der Frühschicht.

Für alle übrigen rund 300 der insgesamt 375 Mitarbeiter der Nordenhamer Zinkhütte gilt: Sie sind in drei Schichten und einer Freischicht nach einem über Jahre laufenden Plan tätig. „Da kommt niemand raus, auch nicht Heiligabend oder Silvester oder Ostern – und daran gewöhnt man sich nie“, sagt Betriebsratsvorsitzender Klaus Garlichs – „es gibt nur die Möglichkeit, Urlaub zu nehmen oder frei zu machen, aber das können von rund 70 Mitarbeitern einer Schichteinteilung nur etwa 10.“

Für die Hüttenarbeiter und ihre Familien sei das natürlich Heiligabend und während der Weihnachtstage nicht so schön, so der Betriebsratsvorsitzende. Er fügt hinzu: „Noch schlimmer ist das aber an Silvester und Neujahr, weil dann alle feiern wollen.“

Doch für die Nordenhamer Zinkhütte gibt es keine Alternative zum vollkontinuierlichen Schichtsystem. „Dem Unternehmen würde riesiger Schaden zugefügt, wenn der Hüttenbetrieb auch nur für zwei oder drei Tage unterbrochen würde. Die Anlagen sind so ausgelegt, dass sie immer laufen. Stehen sie einmal still, lassen sie sich nur schwer wieder in die Gänge bringen“, weiß Klaus Garlichs.

Seit März ist der 40 Jahre alte Vater zweier Kinder Betriebsratschef und daher von seiner Arbeit als Anlagenfahrer freigestellt. Zuvor hat er mehr als 17 Jahre auf Schicht gearbeitet. Mit weiteren Betriebsratsmitgliedern verteilt er in der Spätschicht Heiligabend Weihnachtsstollen, Schokolade und Kaffee.

Thomas Boyksen aus Kleinensiel ist im dritten Jahr seiner Ausbildung zum Chemikanten – und in die Frühschicht Heiligabend eingeteilt. „Das ist nicht so schlimm, zumal ich die beiden Weihnachtstage frei und dann Urlaub habe“, sagt der 21-Jährige. Anlagenfahrer Ertas Saygin (46) aus Atens arbeit seit 1990 auf der Hütte. Für ihn ist die Nachtschicht Heiligabend Routine. Sehr bitter dagegen: Er hat Silvester Spätschicht und Neujahr Nachtschicht.

Chemikant Sascha Ahlers (21) aus Schwei freut sich, Heiligabend frei bekommen zu haben, zumal er im Vorjahr Heiligabend Spätschicht hatte. Anlagenfahrer Julio Cèsar Frias Bonilla (26) stammt aus der Dominikanischen Repu-blik und freut sich, Heiligabend und am 1. Weihnachtstag frei zu haben. Für ihn geht es mit der Frühschicht am 2. Weihnachtstag weiter.

Seit 110 Jahren produziert die Zinkhütte im Stadtteil Friedrich-August-Hütte Zink und Zinklegierungen. In den vergangenen zwei Jahren ist die Jahresproduktion der einzigen Zinkhütte in Deutschland von 145 000 auf 160 000 Tonnen gestiegen.

Horst Lohe Nordenham / Redaktion Nordenham
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