ELLWüRDEN „Das ist eine ganz tolle Frau“, schwärmt Film-Student Mathieu Miville. Der 28-Jährige, der in dieser Woche mit seinem Team den Kurzfilm „Ein guter Fang“ in Fedderwardersiel dreht (die NWZ berichtete), zeigt sich voll des Lobes über Hannelore Ebeling. Denn im Ellwürder Hof, der Gaststätte der 81-Jährigen, nahmen die Studenten ebenfalls eine Szene auf. Wie schon für das „Dorffest“ in der vergangenen Montagnacht, wurden auch diesmal Komparsen aus der Umgebung gesucht.

Theke und Tische beklebt

Als das Filmteam sie fragte, ob ihre Gaststätte als Filmkulisse herhalten könne, hat sie zunächst geantwortet: „Nee, mach’ ich nicht“, erzählt die gebürtige Einswarderin, „aber die haben so nett gefragt, dass ich dann doch zugestimmt habe.“ Und schon ging’s los: Das junge Team stattete den ganzen Raum mit Scheinwerfern aus, nahm sämtliche Dekoration – nicht gerade wenig im Ellwürder Hof – von den Wänden, verklebte die helle Theke und die Tische dunkel. „Sieht gut aus, lass das doch so“, rieten ihr einige Kunden, erzählt Hannelore Ebeling. Aber das stand für sie nicht zur Debatte, außerdem wäre das aus Feuerschutz-Gründen ohnehin nicht gegangen. „Faszinierend, wie aufgeschlossen sie unseren Ideen gegenüber war“, sagt Mathieu Miville.

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Am Film nicht interessiert

„Sie haben hinterher alles so hingestellt, wie es ungefähr war. Die haben wirklich sauber gearbeitet“, berichtet die 81-Jährige, die selbst nicht in dem Film zu sehen sein wollte, über das Team. Von der Küche aus hat sie das Treiben nur akustisch verfolgt. Zur Vorab-Premiere Ende Januar in Hamburg ist sie zwar eingeladen worden – „aber ich habe da gar keine Zeit und Lust zu“, sagt sie, „so sehr interessiert mich das nicht.“ Ob der Name ihrer Gaststätte genannt wird, weiß sie gar nicht.

Am 1. August 1954 fing Hannelore Ebeling an, im Ellwürder Hof zu arbeiten. Ihre Erinnerungen daran sind nicht unbedingt glücklich: „Mein Mann kam eines Tages an und sagte ,Ich habe eine Gaststätte gepachtet‘“, erzählt sie, „ich wollte eigentlich gar nicht, weil meine Eltern eine Gaststätte hatten und ich wusste, dass man dann keinen Feierabend mehr hat. Ein Privatleben kommt mit einer Gaststätte gar nicht infrage.“ Aber damals – die Gastwirtin war 24 Jahre alt – hätte die Frau eben noch gemacht, was der Mann sagt. „Mit 50 Mark in der Tasche haben wir hier angefangen.“ Nach wenigen Jahren kauften sie und ihr Mann den Ellwürder Hof. „Mein Mann war aber nur selten da, ich musste die Gaststätte alleine führen“, erzählt die Ellwürderin. Damals halfen ihre Eltern noch aus, so dass sich Hannelore Ebeling selbst mal ein paar Tage Urlaub gönnen konnte. Doch die Zeiten sind längst vorbei: „Seit bestimmt 20, 25 Jahren habe ich keinen Urlaub mehr gemacht.“ Das Haus verlässt sie eigentlich nur selten, zum Beispiel, wenn sie zur Bank oder zum Bäcker geht.

„Damals lief der Laden noch“, erinnert sich Hannelore Ebeling, „anfangs hatten wir vier Hotelzimmer. Außerdem wohnten hier auch noch Flüchtlinge. Die Leute waren damals ganz anders, es machte ihnen nichts aus, zu dritt oder viert im Zimmer zu wohnen.“ Eine Wasserpumpe gab es nur in der Küche; im Winter heizte die Gastwirtin täglich die Öfen an.

Heute hat der Ellwürder Hof elf Hotelzimmer. Hannelore Ebelings Mann verstarb kurze Zeit nach der Scheidung 1971. Ihre Tochter wohnt in Wilhelmshaven, ihr Sohn auf Langeoog. „Beide sind schon in Rente“, erzählt die Großmutter dreier Enkelkinder, „die werden auch immer älter, das kann ich mir gar nicht vorstellen.“

Drang nach Bewegung

Für Hobbys hat sie „gar keine Zeit“. Schließlich kümmert sie sich um alles selber. Früher hat sie auch jeden Tag für die Hotelgäste gekocht. Aber „die Zeiten haben sich tüchtig geändert.“ Heute fragt die Wirtin die Hotelgäste morgens, ob sie abends warm essen wollen. Frühstück gibt es, je nach Wunsch, ab 6 Uhr.

Als ihre Kinder ihr vor zehn Jahren vorschlugen, den Ellwürder Hof zu verkaufen, lehnte sie ab. „Ich muss ständig in Bewegung sein“, sagt Hannelore Ebeling.

Jantje Ziegeler Redakteurin / Online-Redaktion
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