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Neue Bundesregierung
Karl Lauterbach soll Gesundheitsminister werden - Verteidigung geht an Lambrecht

Elsfleth Es ist der 24. Dezember 1959. MS „Bernd Leonhardt“ hat vor wenigen Stunden, inmitten anderer Schiffe, die auf Abfertigung warten, auf der Reede von La Gueira in Venezuela geankert.

Heiß brennt die Sonne

Heiß brennt die Sonne vom Himmel. In den Kabinen und im Poopdeck sind locker 35 Grad und mehr. Alle Bullaugen sind geöffnet, um vielleicht doch eine kleine Brise einzufangen, denn Klimaanlagen gibt es noch nicht.

Aber es weihnachtet sehr. Bootsmann Albert, Zimmermann Peter und Kabelgatsmatrose Lothar sind mit dem Auftakeln des etwas kränklich wirkenden Weihnachtsbaumes beschäftigt, der in Rotterdam an Bord kam und die Seereise, eingenäht in Sackleinwand, mit seinem „Kollegen“ für die Offiziere auf der Saling im Vormast verbracht hatte. Dort, in luftiger Höhe, 20 Meter über Deck, so hoffte die Schiffsführung, würden sich die Bäume wohl fühlen und nicht alle Nadeln verlieren. Und damit die Hoffnung täglich neuen Auftrieb bekommt, ist es meine Aufgabe, dreimal täglich mit einer Pütz Frischwasser aufzuentern und die Bäume zu befeuchten.

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Wo keine Nadeln mehr sind hilft kunstvoll angebrachtes Tauwerk über die Blöße hinweg. Drei kleine rote Kerzen und viel Lametta – und ein Baum ist eine wahre Pracht.

Zur abendlichen Weihnachtsfeier hat der Kapitän seine gesamte Mannschaft für 19 Uhr in die Offiziersmesse eingeladen. Angezogen mit frisch gewaschener Amihose und Amihemd, die Bezeichnung Jeans ist noch nicht üblich, versammelt sich die Achtergang für das große Ereignis.

34 Pappteller

Die gebräuchlichen, mit grünen Tannenzweigen bedruckten 34 Pappteller warteten, voll beladen mit Nüssen, getrockneten Feigen und Datteln, einer Tafel Schokolade, einer Schachtel Zigaretten, einem kleinen Fläschchen Rum und einer Papiertüte unbekannten Inhaltes von der deutschen Seemannsmission.

„Ja, dann nehmen Sie mal alle bitte Platz“, brüllt der Kapitän in die Menge. Der Funker verliest nun die Grußbotschaften der Reederei und der deutschen Regierung. Dann verteilt er noch private Weihnachtstelegramme an die Besatzung, während das Weihnachtsessen aufgetischt wird: Salzkartoffeln, Rotkohl und für jeden eine halbe Ente.

Der erste Steward klingelt mit seiner Salonglocke, es wird still und feierlich, der Kapitän erhebt sich, blickt väterlich fürsorgend in die Runde, räuspert sich etwas verlegen und setzt zu seiner Pflichtweihnachtsansprache an.

„Liebe Seeleute“, neues Räuspern. „Warum feiern wir eigentlich Weihnachten auf See? Ich will es euch verraten. Weil wir selbst dran schuld sind – und nun guten Appetit.“

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