Moorsee Der Zinnteller gehört zu den Prunkstücken. Museumsleiter Nils Meyer zieht sich weiße Stoffhandschuhe über, bevor er das gute Stück aus der Vitrine nimmt. In das silbergraue Material ist fein-säuberlich ein Stammbaum der Familie Reinken graviert. Er zeigt allerdings nur in Auszügen die verwandtschaftlichen Verbindungen des Müllermeisters Heinrich Reinken und seiner Frau Anneliese, die mit ihrem Geburtsnamen Franksen hieß. An einer Wand am anderen Ende der Kellerstube gibt es die komplette Variante zu bestaunen. Dort hängt eine 2 mal 1,30 Meter große Tafel, auf der die beeindruckenden Stammbäume der Reinkens und Franksens von 1400 bis in die Gegenwart dargestellt sind. Um deren Familiengeschichte geht es in einer neuen Dauerausstellung des Mühlenmuseums in Moorsee.

Betrieb bis 1977

Bevor der Landkreis Wesermarsch 1977 den Galerieholländer anmietete, um dort ein Museum einzurichten, hatten Heinrich und Anneliese Reinken die Mühle bewirtschaftet. Sie waren die letzten Betreiber der Moorseer Mühle, deren Historie aber noch viel länger mit dem Namen Reinken verbunden ist.

In der Ausstellung ist auf fünf bebilderten Tafeln nachzulesen, wie die Müllerfamilie Reinken in Moorsee sesshaft wurde und welche Höhen und Tiefen das Unternehmen durchlief. Hinzu kommen diverse Dokumente und Originalschriftstücke – zum Beispiel Rechnungsbücher, Arbeitszeugnisse und Meisterbriefe.

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Die Ausstellung hat Nils Meyer gemeinsam mit Caroline Meyer entworfen. Die Germanistin – mit der Nils Meyer übrigens nicht verwandt ist – war als Musealogin im Nordenham-Museum tätig und hat inzwischen in Wolfsburg eine Stelle im Schuldienst angetreten.

Die Anfänge der Reinken-Ära in Moorsee reichen bis zum 1. Mai 1899 zurück, als der Müller Anton Reinken und sein Sohn Gerhard dort das Familienunternehmen gründen. Der Mühlenbetrieb erlebt schon vier Jahre später den ersten Tiefschlag: Im September 1903 brennt die Mühle ab, weil bei einem Sturm die Flügel außer Kontrolle geraten und die Bremse heiß läuft. Vater und Sohn kaufen die Ruine und lassen die Mühle wieder aufbauen. Nach dem Tod von Anton Reinken übernimmt sein 30-jähriger Sohn die Leitung des Betriebs. Der Sackstempel trägt nun den Schriftzug „Gerh. Reinken“.

Das Ehepaar Gerhard und Meta Reinken bekommt am 10. März 1910 seinen dritten Sohn: Heinrich. Schon als Kind muss er im Betrieb mitarbeiten und wird an seine spätere Aufgabe herangeführt. Im Mai 1937 heiratet er Anneliese Franksen. Ihre Kinder Jan-Gerd und Thalke werden 1938 und 1945 geboren. Als Seniorchef Gerhard Reinken im Dezember 1944 stirbt, tritt Heinrich Reinken seine Nachfolge als Betriebsinhaber an. Nach dem Tod der Mutter ein halbes Jahr später übernimmt er die Mühle und zahlt die Geschwister aus.

Geldscheine vergraben

Während des 2. Weltkriegs sind zwei Zwangsarbeiterinnen aus Russland und der Ukraine im Haushalt der Müllerfamilie beschäftigt. Von Januar bis Mai 1945 unterhält das Rote Kreuz ein Hilfslazarett auf dem Mühlengelände. An den letzten Kriegstagen verstecken Anneliese Reinken und ihre Schwägerin eine Menge Bargeld in Milchgefäßen, die sie unweit des Sieltiefs vergraben. Als die Frauen die Behälter im Juli wieder ausbuddeln, sind sie mit Wasser vollgelaufen. Es dauert mehrere Tage, bis die Geldscheine getrocknet sind und sie nach und nach bei einer Bank eingezahlt werden können.

Heinrich Reinken kehrt nach kurzer britischer Gefangenschaft im Juni 1945 nach Moorsee zurück. Er hat während eines Fronturlaubs 10 Tonnen Getreide eingemauert und auf diese Weise vor den Alliierten versteckt. Durch den Verkauf des Getreides und mehrerer Schweine sowie dank der vergrabenen Geldscheine sind genug Finanzmittel vorhanden, um den Mühlenbetrieb wieder aufzunehmen.

Norbert Hartfil Redaktionsleitung Nordenham / Redaktion Nordenham
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