Esenshamm Manchmal erweist es sich als vorteilhaft, wenn man einen Plan B hat. So auch am vergangenen Sonnabend, als in Esenshamm ein historischer Rundgang stattfinden sollte, der den Teilnehmern die Geschichte des Dorfes mit dem regen Vereinsleben direkt an Ort und Stelle vermittelt.

Wegen des Dauerregens ab dem Vormittag drohte die Veranstaltung jedoch auszufallen. Aber die Veranstalter – die Mitglieder des Bürgervereins, der Spielschar und NMT – hatten kurzerhand das Programm umgestellt und anstelle des realen einen virtuellen Spaziergang als Fotoshow mit über 250 Bildern initiiert.

Der gemeinsame Spaziergang zum alten Schulgebäude, vorbei an ehemaligen Handwerksbetrieben und kleinen Läden, die das Nötigste für den täglichen Bedarf bereithielten, soll aber zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden, versprachen die Organisatoren.

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Fast ein Klassentreffen

Los ging es am frühen Samstagnachmittag mit einer Besichtigung der St.-Matthäus-Kirche, die als Wahrzeichen des Ortes gilt und auf einer hohen Wurt liegt. „Was soll ich eigentlich überhaupt noch sagen? Sie haben sicher viel mehr zu erzählen als ich“, meinte Pfarrerin Bettina Roth, als sie die vielen Gäste in dem wahrscheinlich schon um 1200 errichteten Gotteshaus willkommen hieß.

Knapp 90 Besucher waren trotz des schlechten Wetters gekommen – vor allem Esenshammer, frühere Bewohner des südlichsten Stadtteils Nordenhams und Interessierte, deren Vorfahren hier gelebt hatten. Für viele war es angesichts der zahlreichen bekannten Gesichter fast schon wie eine Art Klassen- oder Familientreffen mit herzlichen Umarmungen.

„Moin“, „Hallo“ und „Du auch hier?“ hieß es vor und in der Kirche, die urkundlich erstmalig im Jahr 1352 erwähnt worden war. Bekanntester Pfarrer war hier der Theologe Edo Boling (1497 bis 1574), dessen Lehrmeister Martin Luther (1483 bis 1546) und Philipp Melanchthon (1497 bis 1560) persönlich waren. Als erster lutherisch-evangelischer Prediger in Stadland, Butjadingen und im Oldenburger Land verbreitete er die neue kritische Lehre, von der sich jedoch nicht alle Gläubigen angetan zeigten.

Seine Grabstelle liegt direkt im Mittelgang vor dem Altar der St.-Matthäus-Kirche, ein Bild von ihm ist auf den Holztafeln an der Empore zu sehen. Bemerkenswert sind in dem geschichtsträchtigen Gotteshaus aber ebenso das Gestühl mit den alten Familienwappen und die Chorschranke mit den Grafen zu Oldenburg und der an der Spitze befindlichen Holzfigur des auferstandenen Christus. „Diese Anordnung zeigt, dass die göttliche Macht über allem steht“, erklärte Bettina Roth ihren Zuhörern, für die es nach diesen geschichtlichen Ausführungen in das Gemeindehaus ging.

Vergangene Zeiten

Dort begrüßte sie Edith Hedemann von der Theatergruppe Spielschar im historischen Kostüm und mit den Worten: „Willkommen im Esenshamm der vergangenen Zeiten“. Nach einem eigens für diese Veranstaltung komponierten und durchaus kritischen Lied über den Wandel des Ortes moderierte sie die knapp dreieinhalbstündige und unterhaltsame Fotoshow bei Kaffee, Tee und Kuchen und mit vielen alten Aufnahmen, die ihr sogar aus dem Rheinland zugeschickt worden waren.

Da wurden viele Erinnerungen an alte Zeiten, die eigene Kindheit, Begegnungen und vieles mehr wach. Aber auch Kuriositäten und Amüsantes kamen zur Sprache. So war zum Beispiel das Etablissement „Der blaue Bock“ direkt neben der Pastorei zwar keine Hochburg des Rotlicht-Milieus, aber immerhin so bekannt, dass man überregional darüber berichtete, als es schließlich abbrannte.

Und so mancher Taxifahrer musste schmunzeln, wenn sich seine allleinstehenden männlichen Fahrgäste von ihm abends zur Pastorei befördern ließen. „Man kommt sich schon manchmal wie ein Voyeur vor, wenn man in den alten Fotoalben der anderen Familien herumblättert“, ließ Edith Hedemann ihr Publikum wissen, aber auch, dass so vieles von dem, was sie in der sechs Wochen langen Vorbereitungszeit alles gelesen und gehört habe, allein aus Zeitgründen – „Wir sitzen sonst morgen noch hier“ – leider am Sonnabend nicht vertieft werden konnte.

Unterstützung erhielt die Laienschauspielerin von den Besuchern selbst, die noch viel mehr Interessantes hätten beisteuern können, und ihren Schauspielkollegen Marlies Cattelmann, Marianne Hartmann, Birgit Glückselig, Ralf Müller, Reiner Klatt und Ernst Moritz Hüpers, die in die Rolle von bekannten Esenshammern schlüpften und damit für einen äußerst lebendigen, unterhaltsamen und zugleich informativen Nachmittag sorgten.

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