Esenshamm Zeit haben für Menschen und dabei Ruhe ausstrahlen – das ist Bettina Roth als Pfarrerin ganz wichtig. Dazu gehört, dass sie abends gerne selbst die Kirche abschließt, weil sich dann mitunter ganz spontane Begegnungen mit Gemeindegliedern und zwanglose und offene Gespräche ergeben. Seit 20 Jahren ist die heute 52 Jahre alte Theologin Pfarrerin der heute 859 Mitglieder zählenden evangelischen Kirchengemeinde Esenshamm. Seit Januar 2012 ist sie zudem Pfarrerin der 864 Gläubige zählenden Gemeinde Dedesdorf auf der anderen Weserseite.

Viel auf Beine gestellt

„Bettina Roth hat als Pfarrerin und Vorsitzende des Gemeindekirchenrates immer gut und produktiv mit uns zusammengearbeitet. Wir haben Vieles neu auf die Beine stellen können – von der Friedhofsgestaltung über das Dorffrühstück und den Neujahrsempfang, den Deichgottesdienst in Kleinensiel bis hin zur Aktion ’Gemeinschaft geht durch den Magen’.“ Das sagt Hartwig Tantzen (67) Landwirt im Ruhestand aus Hoffe. Er fügt hinzu: „Bettina Roth predigt auch sehr gut und einfühlsam.“

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Herzliche Atmosphäre

Zwölf Jahre, bis Juni dieses Jahres, war Hartwig Tantzen ehrenamtlich als stellvertretender Vorsitzender des Gemeindekirchenrates tätig. Das mitmenschliche Klima in der Gemeindearbeit in Esenshamm beschreibt er so: „Frau Roth versteht es, eine lockere und herzliche Gesprächsatmosphäre zu schaffen. Die Gemeinde respektiert und schätzt sie.“

Das bestätigt Hartwig Tantzens Nachfolger als stellvertretender Vorsitzender des Gemeindekirchenrates, Landwirt Ingo Ostendorf (49) aus Esenshammergroden: „Kirche wird vor Ort – bei uns im Dorf – gemacht und das hat Bettina Roth gut auf der Reihe. Das ganze Dorf steht hinter ihr.“

Von der Landeskirche sei die Anregung gekommen, dass die Pfarrerin – nach einer so langen Zeit von 20 Jahren – die Gemeinde wechseln sollte. „Aber das hat der komplette Gemeindekirchenrat abgelehnt. So lange sie gute Arbeit macht, wollen wir sie gerne bis zur Rente behalten“, stellt Hartwig Tantzen klar.

Ebenso wie Ingo Ostendorf merkt er an, dass die Mitgliederzahl der Kirchengemeinde Esenshamm zwar infolge von Todesfällen rückläufig sei, aber entgegen dem Trend in der Landeskirche keineswegs durch Austritte. „Wir haben eher Zulauf.“

rat will kämpfen

Bedauerlich sei, dass Pfarrerinnen und Pfarrer heute immer mehr Zeit für Verwaltungsaufgaben aufbringen müssten und somit weniger Zeit für die Seelsorge bleibe. Der Gemeindekirchenrat will auf jeden Fall dafür kämpfen, dass die halbe Pfarrstelle in Esenshamm nicht reduziert oder gar gestrichen wird.

Bettina Roth ist in Oldenburg geboren worden und hat in Münster, Tübingen und Göttingen evangelische Theologie studiert. Ihr anschließendes Vikariat absolvierte sie in Damme am Dümmer. Danach war sie als sogenannte Hilfspredigerin in Rodenkirchen tätig.

„Einfach schön“

Nach Esenshamm zog es sie auch, weil sie die erstmals 1352 urkundlich erwähnte, auf dem Kirchenhügel thronende St.-Matthäus-Kirche „einfach schön“ fand. „Dieses Kirchengebäude strahlt Ruhe, Schutz und Sicherheit aus.“ Bei der Wahl zur Pfarrerin durch den Gemeindekirchenrat hat sie sich damals gegen einen männlichen Mitbewerber durchgesetzt.

Eine Kirchenälteste sagte ihr damals: „Frau Roth, Sie müssen sagen, wo und wie es lang geht und wenn wir das nicht wollen, dann werden wir Ihnen das schon sagen.“ Bettina Roth: „Und so habe ich mit den Jahren gelernt, die Kompetenzen der Kirchenältesten gut für unsere Gemeinde einzusetzen und mit ihnen gemeinsam an den Aufgaben zu wachsen.“ Die Pfarrerin fügt im Gespräch mit der NWZ hinzu: „Auf dem Land im Pfarramt geht es eben nicht immer nur um theologische Fachkompetenz, sondern so manches Mal auch um praktisches Dasein und Unterstützen. Ich bin zum Beispiel oft mit auf dem Friedhof, wenn Angehörige eine Grabstelle aussuchen. Mir ist der Kontakt zu den Menschen wichtig, sie in unterschiedlichen Lebenssituationen zu erleben und dann als Pastorin begleiten zu können.“

Patenkinder

Ihren Ausgleich zum Beruf findet Bettina Roth im Garten, wenn sie Beete umgräbt, Kartoffeln pflanzt oder wenn sie mit ihrem Hund unterwegs ist – oder Teil im Leben ihrer Patenkinder sein darf.

Wichtig ist ihr auch, am normalen Dorfleben teilzunehmen, um die Lebenswirklichkeit der Menschen zu erleben und Teil des Dorfes zu sein. Sie war Mitbegründerin des Bürgervereins Esenshamm im Jahr 2010 und bis Juni dieses Jahres 2018 als 1. Vorsitzende aktiv.

Warum ist sie als Pfarrerin sehr gerne inzwischen bereits 20 Jahre in Esenshamm geblieben? „Ich mag die Menschen hier und ich mag in der Seelsorge die Mischung aus Nähe und Distanz.“

Häufiges Pendeln

Bevor sie 2012 auch Pfarrerin in Dedesdorf wurde, war sie neben ihrer Arbeit in der Gemeinde Esenshamm zugleich im kirchlichen Dienst auf dem Lande und in der Krankenhausseelsorge beschäftigt. Heute pendelt sie manchmal dreimal täglich zwischen Esenshamm und Dedesdorf. „In beiden Gemeinden gibt es eine lebendige Dorfgemeinschaft. Das schätze ich sehr.“

Worauf kommt es Bettina Roth besonders an? „Ich möchte durch meine Arbeit Gottes Reich ein bisschen spürbar werden lassen. Ich möchte dazu beitragen, dass sich die Menschen auf den Glauben einlassen und sich dadurch geborgen und gehalten fühlen.“

Horst Lohe Nordenham / Redaktion Nordenham
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