Nordenham Im jugendlichen Alter von 15 Jahren hat Sönke Zander seine ersten Gedichte geschrieben. „Damals waren sie bierernst und tragisch. Ich habe lange gebraucht, eine Leichtigkeit zu erlangen, ohne dass der Tiefgang flöten geht“, sagt der heute 76-Jährige schmunzelnd.

Wie Wolken

Seinen Anspruch hat der Nordenhamer in „Über Wolken und Gedichte“ so auf den Punkt gebracht: „Wie Wolken sollten auch Gedichte sein, / so leichthin schwebend trotz der Worte Schwere, / so formenreich vor all der Weltall-Leere, / so absichtslos, so nichts als Wolke-Sein. / Und doch, als ob es von Bedeutung wäre, / denkt man noch dies und das in sie hinein.“

Gedichte aus 40 Jahren hat der pensionierte Lehrer jetzt in „Nachrichten aus dem Spock-Universum“ veröffentlicht. Es ist sein erster Lyrik-Band, erschienen im Schardt-Verlag Oldenburg (199 Seiten, 12,80 Euro).

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Zuvor hatte Sönke Zander nur einzelne Werke gelegentlich in Zeitschriften veröffentlicht. Mitte/Ende der 1990er Jahre hatte ihn der deutsche Schriftsteller Robert Gernhardt (1937-2006), mit dem er nach einer Lesung in Oldenburg korrespondierte, ein wenig unter seine Fittiche genommen und zu einem Gedichtband ermuntert. Aber sein damaliger Verlag geriet in wirtschaftliche Schieflage.

Über Bremen nach Nordenham

Jahrzehntelang hat Sönke Zander Gedichte, Theaterstücke für Jugendliche und Sachbücher geschrieben. Einige Theaterstücke sind in den 1990er Jahren im Deutschen Theaterverlag erschienen. Pädagogische und didaktische Bücher veröffentlichte er in 1970er und 1980er Jahren.

Mit dem Erzählband „Lieben und lieben lassen“ hat er im Frühsommer vergangenen Jahres im Oldenburger Schardt-Verlag sein Prosa-Erstlingswerk veröffentlicht. Es ist eine spannende Liebeserklärung an das Leben – tiefgründig, aber auch amüsant und vielfältig anregend.

Sönke Zander ist 1940 in Husum geboren worden und in Oberbayern aufgewachsen. In Kiel und Schwäbisch Gmünd studierte er, um Grund- und Realschullehrer zu werden. In seiner Examensarbeit schrieb er über den Aufsatz-Unterricht in der Grundschule. Daraus wurde ein Buch, das in neun Auflagen erschienen ist.

Drei Jahre war er Anfang der 1970er Jahre wissenschaftlicher Mitarbeiter der Hochschule Schwäbisch Gmünd. Anschließend arbeitete er bis 1980 an der Universität Bremen. Es folgten drei Jahre an den Berufsbildenden Schulen in Brake. Bis zur Pensionierung 2005 war Sönke Zander Lehrer der damaligen Realschule und heutigen Oberschule I Nordenham.

Der Buchtitel spielt auf den Außerirdischen namens Spock an. Der Vulkanier mit nach oben zugespitzten Ohren gehörte zur amerikanisch-angelsächsisch dominierten Besatzung des Raumschiffs „Enterprise“.

Wie Sönke Zander in seiner Vorbemerkung zum Gedichtband treffend formuliert, erlebte die Crew haarsträubende Abenteuer in den unermesslichen Weiten des Weltraums. Sie flimmerten als Science-Fiction-Serie „Enterprise“ im letzten Drittel des vorigen Jahrhunderts in vielen Ländern über Bildschirme antiker Röhrenfernseher.

Ähnlich wie Spock möchte der Dichter „bizarre Rätsel der Psyche und des Verhaltens der Erdenmenschen“ entschlüsseln. Doch während Spock sich unerschütterlich um objektive und streng logische Erfassung und Ergründung bemüht, passieren Sönke Zander „natürlich immer wieder mal Ausrutscher ins Subjektive und allzu Menschliche“.

Gerade diese amüsanten Ausrutscher sind es in Verbindung mit nüchtern sezierenden oder ganz lakonischen Betrachtungen, die das Lesevergnügen bei ihm ausmachen. Sönke Zander weiß augenzwinkernd zu unterhalten. Gedichte mit reinem Nonsens und Sprachspielen finden sich ebenfalls. Seine Lyrik gibt zugleich vielschichtige Einsichten mit Tiefgang.

Sönke Zander ermutigt, das Leben auf lockere und unternehmungslustige Weise ernst zu nehmen. Dabei ist ihm auch wichtig, wirklich etwas zu fühlen und trotz allen Leids genussvoll zu leben.

Er legt Stolperfallen frei, die sich der Mensch selbst stellt, deckt Zwänge auf, die Tore zur persönlichen Freiheit versperren. Mitunter klingen seine Verse überdreht, dadurch aber häufig nachhaltiger oder aber Widerspruch provozierend.

Sönke Zander schreibt erfrischend und regt stark an. Er erhebt aber nie den Zeigefinger, sondern lässt Raum für ganz andere Sichtweisen. Das zeigt sich auch in seiner religiösen Einstellung, die er im Gespräch mit der NWZ so erläutert: „Ich bin ein konsequenter Kirchensteuerzahler, weil mir diese Einrichtung wichtig ist, aber ich bin völlig ungläubig. Ich glaube weder an Gott noch an ein ewiges Leben – aber kann ich es wissen?“

Zentrale Begriffe sind Zeit und Liebe. Dieses Vers-Beispiel ist wie eine Quintessenz: „Die Zeit, die alles tötet, triumphiert, / die Göttin aber, Liebe, existiert. / Sie ist des Lebens Antwort auf den Tod.“

Munter sein

Die Suche nach dem Sinn des Lebens hält Sönke Zander für völlig übertrieben, sogar für sinnlos, weil „dem Sucher unerreichbar“. Sinnsuche ist seiner Erfahrung nach auch nicht nötig für Lebensglück. Lebendig und munter sein, intensiv im Hier und Jetzt leben – darauf kommt es an.

So schreibt er zum Beispiel: „...Wie Junkies, denen das Leben nur lebenswert ist, / wenn sie ihre Dröhnung intus haben, so gieren wir / nach Sinn und nach Unvergänglichkeit, / die es nicht gibt, nirgends...“

Im selben Gedicht bezeichnet er Ludwig Wittgenstein (1889-1951), der als einer der bedeutendsten Philosophen des 20. Jahrhunderts gilt, als „alten Klugscheißer“ und zitiert ihn: „Der lebt ewig, der in der Gegenwart lebt.“ Sönke Zander: „Und das heißt: Hier spielt die Musik! / Jetzt! Und sonst nirgends und nie.“

Horst Lohe Nordenham / Redaktion Nordenham
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