STOLLHAMM Stellen wir uns Butjadingen als Puzzle mit 1000 Teilen vor. Und stellen wir uns weiter vor, dass auf diesen 1000 Teilen 22 Poststellen zu finden sein müssten, von denen 2 bis heute erhalten sind und 20 nur noch in der Erinnerung meist älterer Menschen existieren. Dann wird klar, welche Aufgabe sich Dieter Jacobs für seinen Ruhestand vorgenommen hat.

900 Teile hat der Puzzlespieler aus Stollhamm nach eigener Einschätzung schon beieinander und richtig zusammengesetzt. „Und die anderen 100 schaffe ich auch noch“, sagt der 74-jährige ehemalige Fußbodenverleger.

Alles verbrannt

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Wer die Gepflogenheiten der Deutschen Post nicht kennt, wird sich fragen: Wo ist das Problem? Warum ruft der Mann nicht einfach im Archiv des gelben Riesen an? Die Antwort ist so einfach wie niederschmetternd. „Die Post hat ihre Unterlagen verbrannt“, sagt Dieter Jacobs.

Deshalb will der Stollhammer für die Nachwelt retten, was vor dem Vergessen zu retten ist, und dann das ganze schöne Puzzle als Buch veröffentlichen. Wenn es gut läuft, kann er Ende nächsten Jahres anfangen zu schreiben. Es wäre seine zweite Veröffentlichung nach der Geschichte der Butjenter Bahnpost.

Wie kommt einer darauf, die Geschichte der Postzustellung in seiner Gemeinde bewahren zu wollen? „Das hätte ich mir mit 40 auch nicht träumen lassen“, sagt Jacobs schmunzelnd. Gleich nach dem Krieg begann er als Achtjähriger damit Briefmarken zu sammeln. Irgendwann begann er sich für die Briefe an den Briefmarken zu interessieren. Dann ersteigerte er sie, als Fernbieter bei Auktionen, ganz klassisch per Post. Eines Tages hielt er einen Brief in Händen, der 1761 nach Stollhamm geschickt worden war, und fragte sich, wie ist der dahin gekommen? Das war das erste Teil des großen Puzzles.

Dieter Jacobs wandte sich an Fritz Steinwasser, den großen deutschen Posthistoriker. „Sie sind kein Historiker, Sie sind kein Journalist“, sagte Steinwasser zu ihm. „Schreiben Sie nie: Ich vermute, ich nehme an. Schreiben Sie nur, was Sie belegen können.“ Daran hielt sich Dieter Jacobs.

Inzwischen hat der Rentner in 15 Jahren mehr als 100 Briefe ersteigert. Damit kann er beweisen, dass es in Stollhamm bereits 1823 eine Poststelle gab. Den Brief, der hätte beweisen können, dass die Poststelle sogar schon 1816 existierte, schnappte ihm ein Konkurrent weg.

Eine andere Quelle ist das Standardwerk, das der Hauptmann a.D. Paul Orth um 1900 über das Oldenburgische Postwesen geschrieben hat. Es sagt viel über Dieter Jacobs‘ Akribie aus, dass er dem Hauptmann schon einige Fehler nachgewiesen hat.

Die wichtigste Quelle des Post-Puzzlers aber sind Menschen. „Ich kenne Land und Leute“, sagt Jacobs und meint damit, dass er weiß, wer von wem abstammt und wer über wen etwas wissen könnte. Sie helfen ihm vor allem bei der Erforschung der 1931 eingerichteten Landpoststellen. Jacobs sprach mit über 90-jährigen ehemaligen Postzustellerinnen und mit ihren Enkelinnen, die noch etwas aufbewahrt hatten.

Jeder Anhaltspunkt zählt

„Manchmal brauche ich nur einen Anhaltspunkt, um weiterzukommen“, sagt Jacobs. Oft ist es ein Name, der ihm weiterhilft – wie etwa von der ihm unbekannten Frau, die dann mit einem Aktenordner voller Unterlagen aus der Landpoststelle Eckwarderhörne vor seiner Tür stand. Und wieder war das Puzzle etwas vollständiger.

Jacobs recherchiert auch bei Stadt- und Gemeindeverwaltungen, Kirchenbüros und Beerdigungsinstituten. Doch oft bekommt er keine Auskunft – Datenschutz! So weiß er von einer Postzustellerin, in welchem Göttinger Krankenhaus sie um 1900 geboren wurde und wie ihre Hebamme hieß. Sogar an ihrem Grab in Geestemünde hat er schon gestanden. Nur wie ihre Nachkommen heißen und wo er sie finden kann, wollte ihm niemand sagen.

Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
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