NORDENHAM „Ich blicke auf die Griffhand und sehe, wie sich meine Finger verknoten. Gleichzeitig drücken die Griffel auf die Saiten, aber an der falschen Stelle. Falscher Ton reiht sich an falschen Ton. Aus dem Bruchteil einer Sekunde wird eine Sekunde, werden zwei Sekunden. Zwölf Takte dehnen sich in Stunden, der Schweiß läuft mir vom Gesicht. Ratlose Gesichter im Publikum. Neffe lacht verkrampft. Ein angstvoller Blick zu Tommy, wird er mich gleich schlagen? Und das alles in Zeitlupe Wann wache ich endlich auf?“

Jörg Eilers, genannt Fete, berichtet von einem Konzert im März 2008, als ihn die kurzzeitige Abwesenheit des Keyboarders aus dem Konzept brachte. Er ist Gitarrist bei der Nordenhamer Partyband Prime Time, die in diesem Jahr ihr 20-jähriges Bestehen feiert. Zum Jubiläumskonzert kamen Anfang des Monats mehr als 1000 Besucher in die Friedeburg. Der 51-Jährige gehört zu den Gründungsmitgliedern. Und weil er gerne schreibt, lag es nahe, die Chronik der Band zu Papier zu bringen. Das hat er getan – und noch eine ganze Menge mehr. Sein Buch „Prime Time – Geschichten aus der Dritten Welt der Musik“ erzählt nicht nur die Geschichte seiner Band, sondern auch seine eigene: „von der Geburt bis zum arthritischen Hobbymusiker, der sich auf Provinzbühnen von Auftritt zu Auftritt quält.“ Schon nach den ersten Zeilen wird klar, dass es nicht um Selbstbeweihräucherung geht. Vielmehr bekommt der Leser amüsante Episoden aus dem Leben eines Musikers geboten, mit lockerer Hand verfasst, in deftigem

Vokabular und prall gefüllt mit Selbstironie. Ganz nebenbei ist das Buch ein Stück Nordenhamer Zeitgeschichte.

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Jörg Eilers ist als Einzelkind in Blexersande aufgewachsen. „Die Musik wurde mir nicht unbedingt in die Wiege gelegt.“ Seinem Vater habe jegliches musikalisches Talent gefehlt, sagt der 51-Jährige. Das Einzige, was ich ihn je habe singen hören, war: ,Aber eins, aber eins, das ist gewiss, vor dem SV Phiesewarden hat jeder Schiss.’“

30 Mark für erste Klampfe

Eine Mundharmonika und eine Melodica waren die ersten Instrumente, mit denen sich Jörg Eilers beschäftigte. Der Polizeibeamte macht kein Geheimnis daraus, warum er sich später für die Gitarre entschied: „Ich wollte Sex mit Frauen.“ Für die erste Klampfe blätterte er 30 Mark hin. Später kaufte er sich eine E-Gitarre samt Verstärker – für 350 Mark. Das Geld verdiente sich Jörg Eilers mit einem Ferienjob bei den Stadtgärtnern. Mit 17 Jahren gründete er seine erste Band. Sie hieß Relation. Auch Tommy Marechal gehörte dazu, mit dem Jörg Eilers 1989 Prime aus der Taufe hob. Beiden war klar, dass sie es nicht schaffen würden, eine Karriere als Musiker zu machen. „Wir sollten Gebrauchmusiker werden, die braucht die Welt schließlich auch.“

Und so wurden Jörg Eilers und Tommy Marechal „Gebrauchsmusiker“, allerdings ziemlich erfolgreiche. Zur aktuellen Formation von Prime Time gehören neben den beiden Diana Schmidt (Gesang), Michael Ehre (Schlagzeug), Raphael Funk (Percussion), Sven Kretschmer (Keyboard) und Detlef Kramer (Bass), der ebenfalls zu den Gründungsmitgliedern gehört.

Zu den besonders spannenden Kapiteln im Buch von Jörg Eilers gehören die Geschichten über Begegnungen mit bekannten Musikern. Fast schon ehrfürchtig erzählt Jörg Eilers von einem gemeinsamen Konzert mit Gunter Gabriel, dem „Godfather of German Country-Mucke“. Beim Betriebsfest der Albers Logistik Gruppe lernten die Musiker diesen Veteranen des Showgeschäfts kennen, der sie mit seiner schonungslosen Authentizität faszinierte.

Buch bei Bestenbostel

„Das Camouflagehemd bis zum Bauchnabel geöffnet und stolz die Wampe präsentierend“, erklärte er dem Publikum wie man Gehaltsverhandlungen führt: „Hey Boss, ich brauch’ mehr Geld“. „Ein Künstler zum Anfassen und zum Zuprosten“, resümiert Jörg Eilers. Sein Buch ist bei Bestenbostel in der Fußgängerzone erhältlich.

Jens Milde Nordenham / Redaktion Nordenham
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