Berne Rappelvoll war die Kulturmühle Berne, und bereut hat sicherlich keiner der vielen Zuschauer, das heimische Sofa für einen Abend mit Annie Heger und „Watt’n Skandaal!“ eingetauscht zu haben. Mit musikalischer Begleitung durch Matthias Monka sorgte die „Ur-Ostfriesin“ dort für allerbeste Unterhaltung und amüsante plattdeutsche Einblicke in das Leben im tiefsten Ostfriesland.

In Ringelshirt und Jeans bestritt die Künstlerin als Mädel vom Lande den ersten Teil des Abends.

Munter berichtete sie von ihrer Kindheit in Spetzerfehn und wie es ist, dort als Exot mit schwarzen Haaren zur Welt zu kommen. Damit falle man nicht nur auf oder bekomme weniger Bonbons, sondern werde auch niemals Blütenkönigin, so eine ihrer immer wieder von allerschönsten Bildern des Kopfkinos begleiteten Erzählungen.

Aber Annie Heger kann auch anders: Im knappen Paillettenkleid ging es im zweiten Teil des Programms weiter. Da wechselten sich das ins Plattdeutsche übersetzte „Hedonism“ von Skunk Anansie, Marilyn Monroe’s „Diamonds are a girls best friend“ und eigene Lieder mit allen möglichen Döntjes ab.

Vom Überwinden von Grenzen und wie es ist, wenn die einen Ossis die anderen besuchen, von ostfriesischen Landkreisen, in denen auch 15 Jahre nach der Einführung des Euros „nich daran gelövt wird, dat dat sich her durchsetzt“ oder den Erinnerungen an den geliebten Opa spannte sie den Bogen.

Dem Opa rannte klein Annie so viel hinterher, dass sie seinen Mors unter Hunderten erkannt hätte. „Aber Opa und ,Wetten, dass’ gibt’s ja nicht mehr.“ Wie gut, dass der Opa im Programm seiner Enkelin am Leben gehalten wird.

Schließlich hat der Pazifist, der zu Kriegszeiten beim Drei-Tage-Marsch einfach sein Gewehr verlor oder im Schützengraben einschlief, so dass er von den Gegnern für tot gehalten wurde, mit dem Singen plattdeutscher Lieder für seine Enkelkinder Wurzeln geschaffen, die Heimatgefühle auslösen, appellierte Annie Heger, auch beim eigenen Nachwuchs auf diese Weise das Plattdeutsche zu erhalten.

Kaum jemand versteht es, die Liebe zum Plattdeutschen und der ostfriesischen Heimat mit so viel Witz und Charme auf die Bühne zu bringen – und das nicht nur mit liebenswerten Anekdoten, sondern auch mit beeindruckender Stimme.

Mit einem von der Cousine „plattgemachten“ „Der Mond ist aufgegangen“ und einem zünftigen „Hol jo fuchtig“ verabschiedete sich das Allroundtalent von der Bühne – nicht ohne zu versprechen, im nächsten Jahr wiederzukommen.

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