Eckwarden Die Einmalige Gelegenheit, die Skulptur des geflügelten Teufels von Ludwig Münstermann im Original zu sehen, hatten am Sonntag die Besucher der Ausstellungseröffnung „Münstermann neu gesehen“ im Programm der Kunst- und Kulturwochen Gezeiten. Die Skulptur steht normalerweise im Archiv des Landesmuseums in Oldenburg. Sie war aber bis 1924 Teil des Altars in Tossens.

Renate Knauel, Vorsitzende des Gezeiten-Arbeitskreises, freute sich, dieses besondere Werk des Bildhauers für einen Tag in Eckwarden präsentieren zu können. Diese Skulptur aus dem Jahr 1631 trage noch die ursprüngliche Bemalung, was ihren kunsthistorischen Wert noch steigere, betonte sie bei der Vorstellung der Skulptur im Gottesdienst. Er ging der Ausstellungseröffnung im Gemeindehaus mit Werken von Hermann Borchers und Heinrich Schüler voran. Beide Künstler haben sich in der Vergangenheit von den Werken Münstermanns in ihren Arbeiten inspirieren lassen.

In der Ausstellung sind noch bis zum 24. September Werke von Heinrich Schüler, eines inzwischen verstorbenen Malers und Restaurators aus Wiefelstede und von Hermann Borchers zu sehen. Der frühere Kunsterzieher wohnte und arbeitete viele Jahre in Nordenham, der 88-Jährige stammt gebürtig aus Tossens.

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Der Hamburger Bildschnitzer Ludwig Münstermann, der im 17. Jahrhundert, besonders zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges, im Oldenburger Land tätig war, sei der Darsteller der Reformation schlechthin, betonte Renate Knauel. Er erkläre das Evangelium und arbeite durch seine Skulpturen heraus, warum es die Reformation überhaupt gegeben hat, sagte sie. Der Teufel sei die ausgefallenste Figur, die Münstermann je geschaffen habe, sei sich die Kunstwelt sicher. Die detailreiche Skulptur stelle dar, wie der Teufel sich nach einer verlorenen Wette mit dem Erzengel Michael ärgere, in der es darum ging, die Menschen zu verführen. Die Teufelsskulptur werde bis heute aus konservatorischen Gründen im Archiv des Landesmuseums verwahrt.

Silke Trolldenier von der Galerie am Wehlhamm hielt zur Ausstellungseröffnung den Einführungsvortrag: „Stilistisch werden Münstermanns figürliche Skulpturen dem Manierismus zugeordnet; das heißt, ihre Ausdrucksformen sind übersteigert, erregt und bewegt dargestellt“, führte die Galeristin aus. Diese Kunst wurde über 300 Jahre später von den Künstlern Heinrich Schüler und Hermann Borchers in besonderer Weise wahrgenommen. Sie beschäftigten sich damit ausführlich in ihren Arbeiten. Als sich Hermann Borchers 1992 mit dem Münstermann-Altar in Tossens auseinandersetzte, habe er die Technik der Fotocollage genutzt, die er mit Pastellkreide überarbeitete.

Dabei sind neun Blätter entstanden, die der Künstler „Studie zu den Maßsystemen der Heiligen Geometrie“ nannte. 2013 schenkte Hermann Borchers seine Münstermann-Bilder der Kirchengemeinde Tossens.

Die Arbeiten von Heinrich Schüler, ein Holzschnitt-Zyklus, sind ebenfalls im Gemeindehaus Eckwarden zu bewundern. Sein Sohn Bertram Schüler erinnerte mit persönlichen Worten an sein Werk. Hermann Borchers und Heinrich Schüler verneigten sich respektvoll und jeder auf seine Art und mit voller Bewunderung vor einem alten Meister des frühen 17. Jahrhunderts, bekräftige Silke Trolldenier. Die Schöpfungs- und Glaubenskraft Ludwig Münstermanns sei für uns Menschen heute noch unfassbar groß, bestätigte sie. Die Ausstellung der Werke von Schüler und Borchers läuft noch über zwei Wochen.

Die Teufelsskulptur wird nun nur noch als Foto im Gemeindehaus Eckwarden gezeigt, damit Besucher sich noch einen Eindruck von dem Kunstwerk verschaffen können. Das Foto ist auch in der neu herausgegebenen Dokumentation über das Werk Ludwig Münstermanns von Dr. Dietmar Ponert und Prof. Rolf Schäfer enthalten. Diese beiden Experten werden zum Abschluss der Eckwarder Ausstellung am Sonntag, 24. September, um 15 Uhr in der Eckwarder Kirche das Epitaph aus kunsthistorischer und theologischer Sicht erläutern.

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