Nordenham Klatschen. Trampeln. Die Hände zum Himmel. Und dann volle Kanne: „Helau Ellwürden!“ Und wie es das Ritual will: „Danke“, „Bitte“, hallt es lautstark zurück. Ein Wunder, dass die Närrinnen und Narrhalesen nicht auf den Tischen tanzen. Beim Ellwürder Faschingszauber „Dschungelnacht“ in der Friedeburg brennt wieder einmal die Hütte.

Bis um 4 Uhr

Von der allerersten Minute an, als ein Urwaldstamm mit einem deftigen „Uga, uga, uga“ prustend die Bühne eroberte, den Kannibalen-Reigen rund um den brodelnden Kessel herum tanzte und schließlich im dichten Urwaldgestrüpp Platz nahm am Tisch des Neunerrates, gerieten die 650 Nachtschwärmer im Saal außer Rand und Band und machten durch bis morgen früh. Erst gegen vier Uhr durfte Saalmeister Helmut Dietrich die Türen schließen.

Häuptling Michael Wehming führte mit viel Witz durch ein turbulentes, fantasie- und farbenfrohes sowie kurzweiliges Faschingsabenteuer.

Die Ellwürder Garde machte den Anfang mit traditioneller Karnevalschoreographie. Die Golden Girls, die mit ihrem Flitter-Flatter-Glitzer-Outfit bereits am Nachmittag gepunktet hatten, traten am Abend noch einmal auf. Es folgten mit einer tollen Schwarzlicht-Choreografie im Deichkind-Look die Showtanz-Gruppe und als nächste Tanzformation Jive United. Mit „Lollipop Lollipop, oh lolli, lolli, lolli“ wirbelten 14 „Sweet Candys“ zackig im grellen Licht der Stroboskop-Blitze über die Bühne.

Ohne Worte, mit einem obszönen Hauch, gossen die Sketch-Maker „6 Promille“ weiteres Öl ins Feuer der guten Laune. Beim Wunsch nach „Ausziehen!“ allerdings blieben sie standhaft.

Zwischendurch traten Heinrich Schröder und Norbert Hartfil in die Bütt. Sie hatten sich vorgenommen, ein neues Dschungel-Camp-Team auszugucken. Ein satirischer Rundumschlag, der weder Bürgermeister Carsten Seyfarth als pfiffigen Haushaltssanierer verschonte, weil der den Rathausturm nett verpackt dem Wasserverband schenken wolle, noch die Bundesbahn, die nach fünf Jahren den Papierkorb vor ihrer Haustür endlich geleert habe. Ins Visier nahmen sie auch Mister Bombastic Udo Venema, dem es tatsächlich gelungen war, sein Brauhaus in kürzerer Zeit fertig zu stellen als die Hamburger ihre Elbphilharmonie.

Fastnacht-Sprücheklopfer haben es bekanntlich schwer bei der Ellwürder Showtime, denn die große Geräuschkulisse und die Saalakustik arbeiten gegen sie. Doch eine Sitzung ohne Büttenrede ist nur schwer vorstellbar. Deshalb hatte nach dem „teuflischen Pastor“ Matthias Kaffka im Vorjahr diesmal das Vereinsvorsitzenden-Duo Schröder & Hartfil das Heft wacker in die Hand genommen.

Stets der ganz besondere Knaller im Tollhaus des Ellwürder Karnevals sind die spritzigen, fantastisch präsentierten Kostüme. Eine wahre Augenweide die acht Wildkatzen und sieben Geier beispielsweise oder fünf in Popcorntüten geschlüpfte Mädels. Pfiffig auch der Engel, der mit Supermann tanzte oder der Buschjäger, der den komischen Vogel in den Arm nahm. Die Gäste hatten wieder Originelles und Kurioses kreiert und mit viel Liebe zum Detail geschneidert und gebastelt.

Wie Tanz auf dem Vulkan

Eine Ellwürder Fastnacht wäre ohne ein besonderes Outfit nicht denkbar – aber auch nicht ohne die spektakulären Auftritte des Männerballetts. Am Samstag schloss die Männerschar die Prunksitzung stilecht in Affenkostümen ab: Wie ein Tanz auf dem Vulkan – rasend schnell, außerordentlich schweißtreibend, verblüffend akrobatisch. Der Saal war völlig aus dem Häuschen.

Alles in allem geriet die Dschungelnacht zu einem wahren Feuerwerk des Frohsinns. Vermutlich nur schwer zu toppen für die, die im nächsten Jahr das Zepter für den Jecken-Spaß in die Hand nehmen werden.


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