Nordenham Jochen Troch ist nicht der Einzige, der dieses Leuchten in den Augen hat. Der immer wieder gefragt wird: „Sag mal, weißt du noch damals im AC? So wie dem ehemaligen Betreiber der Nordenhamer Kult-Disco, der extra von seinem Altersruhesitz auf Mallorca angereist war, geht es vielen, die am Sonnabend in der Friedeburg eine Party der Superlative erleben. Eine Riesenfete mit nostalgischem Charme und rund 650 Besuchern, von denen kaum einer unter 40 Jahre alt ist. Längst angekommen in der manchmal auch harten Realität, die das Leben jenseits der wilden Jahre so mit sich bringt, lassen sie sich bei der AC-Revival-Party bereitwillig zurückbeamen in die eigene Jugend.

Für viele Vertreter der Ü-40-Generation spielte der Tanzschuppen an der Peterstraße eine wichtige Rolle. Vor allem für Jochen Troch. Er hatte ihn von 1972 bis 1989 betrieben. Am Donnerstagabend landete er mit dem Flugzeug in Hannover. Die beiden Organisatoren Helmut Dietrich und Joachim Riese holten ihn ab. Sie wollten ihn bei der AC-Party unbedingt dabei haben. Und der frühere Disco-Papa ließ sich nicht zweimal bitten. Nach elf Jahren mal wieder in Nordenham: Der 71-Jährige musste lange nicht mehr so viele Hände schütteln. „Etwa 80 Prozent der Leute kann ich noch beim Vornamen ansprechen“, sagt Jochen Troch.

Helmut Dietrich und sein Team hatten seit Mittwoch fast rund um die Uhr geackert, um für ihre Gäste eine tolle Party auf die Beine zu stellen. Da mussten Podeste für die Sitzareale aufgebaut, Geländer, Scheinwerfer und Lichtbänder montiert werden. „Was die Technik angeht, haben wir alles aufgefahren, was in der Friedeburg zur Verfügung steht“, sagt Helmut Dietrich. Und mehr noch: Die Biertheke, an der das Team des Friedeburg-Wirts Thomas Benroth die Gäste versorgt, wurde extra aus Bremen nach Nordenham gekarrt.

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Manchmal heimlich

Um 19 Uhr öffnen sich die Türen der Stadthalle, eine halbe Stunde später ist der Saal rappelvoll. „Genau so war’s früher im AC“, sagt Detlef Rohde. „Da ist man sonnabends kaum reingekommen“, erinnert sich der 56-Jährige. Auch Harald Müller gehörte in den Achtzigern zu den regelmäßigen Gästen des Tanzschuppens. „Mittwochs war ich eigentlich immer da“, erinnert sich der 48-Jährige. Birgit Besch weiß noch genau, wie sie sich als Jugendliche mit Freunden im AC getroffen hatte. „Manchmal auch heimlich. Mein Vater war davon nicht so begeistert“, erzählt die 52-Jährige.

Und so hat jeder sein Erinnerungen an die goldene Disco-Ära. Erinnerungen, die die DJs Oliver Hübler, Joachim Riese und Helmut Dietrich mit unzähligen Hits aus den beiden AC-Jahrzehnten musikalisch unterfüttern – mit Harpo, Peter Kent, David Dundas und Smokie aus den Siebzigern; mit den Eurythmics, Duran Duran, Soft Cell und Visage aus den Achtzigern. „YMCA“, „Living Next Door To Alice“, Sweet Dreams“, „Teinted Love“: Gäbe es einen Film über das AC, so wäre das der Soundtrack. Auf eine Großbildleinwand werden Bilder aus den alten AC-Zeiten projiziert. Bis in die späte Nacht tanzen die Ü-40er, von denen viele eine weite Anreise hatten, vor dem DJ-Podest mit dem riesigen AC-Logo. Ein schöneres Kompliment kann ein Publikum den Männern am Mischpult nicht machen.

Auch die Showeinlage der DJs, die als Hippie-Trio die Bühne stürmen, wird begeistert gefeiert. Stromgitarren, Schlaghosen und lange Mähnen: Unterstützt von Luca Riese am Keyboard und Sebastian Sieghold am Schlagzeug fegen sie im Halbplayback zu „Smoke On The Water“ und anderen Rockkrachern über die Bretter.

Positive Bilanz

Die Veranstalter haben Grund zum Strahlen. Am Sonntag zieht Helmut Dietrich Bilanz: „99 Prozent aller Besucher hat es gut gefallen“, sagt er. In der Tat gibt es kaum Kritikpunkte. Dass die Akustik nicht in allen Bereichen der Stadthalle optimal ist, stört nur die wenigsten.

Und so ist es auch kein Wunder, dass viele Besucher schon am selben Abend nach einer Neuauflage fragen. Helmut Dietrich ist nicht abgeneigt. Zunächst will er aber gemeinsam mit seinen Mitstreitern alles sacken lassen. Die erste Gelegenheit dazu nutzen Helmut Dietrich, Joachim Riese und Jochen Troch am Sonntag bei einer „Rekonvaleszenz-Party mit Erbsensuppe“.

Jens Milde Nordenham / Redaktion Nordenham
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