Zum silvester-kriegerball 1927

zwei hände

Zwei harte Arbeitshände, nicht zierlich von Gestalt,

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doch schaffen sie behende des Lebens Unterhalt:

Solange sie sich regen in munterem Verein,

strömt noch der Arbeit Segen ins Häuschen mir herein.

Zwei arme kranke Hände, so bleich und kräfteleer,

die bleiben bis ans Ende mir in Gedanken schwer.

Sie halfen ja so gerne, so lang es konnte sein.

Nun sind sie lang schon ferne, und ich bin so allein.

Die Diplomaten sind in Genf versammelt jedes Jahr,

und alle bringen ihren Senf und ihre Weisheit dar.

Abrüstung ist das Losungswort, was brauchen wir Militär,

und dabei rüstet jeder fort, vergrößert noch sein Heer.

Und wer es unsern „Freunden“ glaubt, dass ihnen ernst es ist,

da lachen ja, da lachen ja die Hühner auf dem Mist.

Gundula Niedzella stieß zufällig auf die Gedichte. Sie sind nie veröffentlicht worden

von henning bielefeld SCHWEEWARDEN - Als Gundula Niedzella ein kleines Mädchen war, hatte sie mächtig Respekt vor ihrem Opa. „Er war groß, vollbärtig und hatte eine tiefe Stimme“, erinnert sich die 70-Jährige an Johann Eilers – und viel mehr geben ihre Erinnerungen nicht her. Heute weiß die Nordenhamerin, dass der Bäckermeister aus Schweewarden ein ganz ungewöhnlicher Mensch war: Er machte sich auf alles einen Reim.

Wann er anfing, Gedichte zu schreiben? Was ihn dazu veranlasste, seine Beobachtungen in Reimen und Versen festzuhalten? Gundula Niedzella weiß es nicht. Sie ist nur froh, durch eine glückliche Fügung beim Aufräumen auf dem Boden sieben Kladden mit Gedichten und Geschichten von Johann Eilers gefunden zu haben – sauber in Sütterlin niedergeschrieben. Die Enkelin tippte Lyrik und Prosa des Großvaters ab und begab sich auf Spurensuche.

Johann Eilers wurde am 24. November 1865 in Abbehauserwehl geboren – fast auf den Tag genau vor 140 Jahren. Er besuchte eine Volksschule, absolvierte eine Bäckerlehre und heiratete 1894 die aus Reitland gebürtige Luise Oetken. Mit ihr hatte er fünf Kinder: Otto, Karl sowie die Töchter Emilie, Minna und Erna. „Minna war meine Mutter“, sagt Gundula Niedzella.

In Schweewarden machte sich Johann Eilers neben dem Geschäft Riesebieter – heute: Kaufhaus Janßen – als Bäckermeister selbstständig. „Sein halbrunder Zwieback war in ganz Butjadingen bekannt“, sagt Frau Niedzella. „Er wurde aufgeschnitten wie ein Brötchen.“ Johann Eilers war Mitglied in allen Schweewarder Vereinen, und ohne ihn wurde kein Fest gefeiert. Er spielte Theater und sang.

Dennoch galt er immer auch als Sonderling. So streng und sparsam er als Hausvater auch war, für Theaterbesuche in Bremerhaven und Bücher unter dem Weihnachtsbaum war immer Geld da. Doch was die Schweewarder wirklich irritierte, war seine Angewohnheit, über den Schüttinger Weg zu schlendern und die Verse seines jeweils neuesten Gedichts zu deklamieren. „Es erschien den anderen, als ob er ständig mit sich selbst spräche“, sagt seine Enkelin.

Erstaunlicherweise schrieb er die meisten Gedichte auf Hochdeutsch, obwohl Plattdeutsch damals die Umgangssprache war. Seine Themen bezog er aus dem Alltag, den er sehr bewusst wahrnahm. Er schrieb über seine Lehrzeit, seine Frau, seine Kinder, seinen besten Freund, über den „Kaiserhof“, über seinen Kragenknopf und die Taschenuhr, ja selbst die neue Zentralheizung im Bäckerhaus, die die Öfen ablöste, war ihm eine lyrische Widmung wert.

Was an seinen Werken auffällt, ist der grundsätzlich positive Tonfall. Trotz mehrerer Schicksalsschläge – sein ältester Sohn starb mit 18 an Scharlach, seine Frau mit 50 an Rheuma – war er im Reinen mit sich und dem Lebensgefüge als solchem. Gerade seine plattdeutschen Gedichte sind voller Humor – beispielsweise, wenn der das Schicksal des Katers „Peter“ schildert, der zu gern Nachbars Küken raubte. Veröffentlicht wurden die Sachen nie.

In den Zwanzigerjahren übernahm sein Schwiegersohn Hans Strahlmann die Bäckerei und Johann Eilers hatte mehr Zeit für seine Leidenschaft. Jedes Jahr fuhr er für 14 Tage in sein geliebtes Oldenburg, dem er zahlreiche Gedichte widmete. Einmal unternahm er sogar eine Reise durch Deutschland – auch das mehr als ungewöhnlich damals.

Am 5. Januar 1943 starb Johann Eilers im Alter von 77 Jahren nach langer Krankheit.

Immer Geld

für Theater

und Bücher

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