NORDENHAM „Ich würde da nicht mitmachen“, sagt Oliver Galle auf die Frage, ob er nicht Lust hätte, beim Eurovision-Song-Contest anzutreten. Der ehemalige Nordenhamer hat unter dem Namen Oliver Lukas schon einige Achtungserfolge als Schlagersänger erzielt. Die Aussicht, Deutschland beim Liederwettbewerb zu vertreten, reizt ihn nicht im Geringsten. Im Gegenteil: Der 41-Jährige glaubt, dass die Gefahr eines Karrierknicks groß wäre. „Das haben schon einige Künstler erlebt, auch bei Deutschland sucht den Superstar“. Für ein paar Wochen im Rampenlicht zu stehen, um anschließend in der Versenkung zu verschwinden, daran hat Oliver Galle kein Interesse, obwohl er als Schlagersänger nach wie vor auf den ganz großen Durchbruch wartet.

Mehr als sieben Millionen Fernsehzuschauer in Deutschland haben am Sonnabend einmal mehr ein Debakel miterleben müssen. Meilenweit hinter Ländern wie Island, Aserbaidschan und Estland platzierte sich der Beitrag „Miss Kiss Kiss Bang“ von Alex und Oscar auf dem 20. Rang. Inzwischen scheinen die deutschen Beiträge einen Platz im unteren Tabellendrittel abonniert zu haben. Und so fragen sich viele Musikfreunde: Woran liegt das? Und was kann man dagegen tun?

Ein Erfolgsrezept hat auch Oliver Galle nicht. Dem deutschen Titel habe er bereits im Vorfeld keine großen Chancen eingeräumt. „Über die Auswahl habe ich mich gewundert“, sagt der ehemalige Nordenhamer. Nicht zu Unrecht weist er darauf hin, dass bereits Roger Cicero mit einer Swingnummer gescheitert ist.

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Und wen schicken wir im nächsten Jahr zum Song-Contest? Oliver Galle grübelt kurz: „Silbermond“, sagt er, „die hätten gute Chancen“. Der 41-Jährige glaubt allerdings nicht, dass sich die „richtig Guten“ das antun – wegen des drohenden Karriereknicks.

Unter den Musikern in Nordenham hält sich das Interesse an dem Wettbewerb ohnehin in Grenzen. „Ich halte nicht viel davon“, sagt Stefan Jaedtke, der das vermeintliche Gipfeltreffen der europäischen Schlager-Pop-Szene schon seit vielen Jahren nicht mehr verfolgt. „Das sind keine schlechten Musiker“, sagt der Keyboarder von „Golden Erection“ und anderen Bands. Aber die Musik ist aus seiner Sicht am Reißbrett gemacht worden. Im Gegensatz zu früher seien die kulturellen Eigenheiten der einzelnen Länder völlig verloren gegangen. Außerdem gehe es in erster Linie um die sogenannte Performance.

Und das sieht Ralf Hesse ganz ähnlich, der am vergangenen Sonnabend etwas Besseres zu tun hatte als sich den Eurovision-Song-Contest anzusehen. „Früher hat man schon mal geguckt“, erinnert sich der Leiter der Nordenhamer Stadtkapelle. Aber inzwischen gehe es nur noch um das Motto: „Je verrückter, desto besser.“

Alfred Ferenz, der bei der Ersten Allgemeinen Lehrerband die Basssaiten zupft, glaubt, dass sich die deutschen Beiträge in den vergangenen Jahren zielsicher am europäischen Massengeschmack vorbeimanövriert haben. Der Country-Song von „Texas Lightning“ 2006 sei mutig gewesen, aber letztlich erfolglos. „Es fehlt offensichtlich das Gespür für den Trend“, sagt Alfred Ferenz angesichts eines Wettbewerbs, bei dem es in erste Linie um die kommerzielle Verwertbarkeit gehe.

Tommy Marechal, Sänger bei der Gruppe Prime Time, gibt zu: „Ich hatte einen dicken Hals nach der Entscheidung.“ Seiner Meinung nach sollte Deutschland aus dem Wettbewerb ganz aussteigen. Einerseits, weil es keinen gerechten Modus gibt, um die beste musikalische Leistung zu bewerten. Klar im Vorteil seien jene Länder, die besonders viele Nachbarstaaten haben. Andererseits ist Tommy Marechal das ganze Spektakel zu groß und zu teuer geworden. „Wenn überhaupt, dann sollten es die Deutschen wieder mit einer Spaßnummer versuchen. Über Guildo Horn und Stefan Raab haben viele gelästert. Aber die beiden haben ja vergleichsweise gut abgeschnitten.“

Jens Milde Nordenham / Redaktion Nordenham
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