Brake Für Dr. Christine Keitsch war am Montag fast schon Weihnachten. Die Leiterin des „Schiffahrtsmuseum der oldenburgischen Unterweser“ durfte offiziell entgegennehmen, was in der Einrichtung als Dauerleihgabe einen zentralen Platz einnehmen wird: die Miniatur-Ordenskette von Carl Rudolph Brommy.

Erworben wurde das neue Exponat, das der Öffentlichkeit erstmals in der am 4. November beginnenden Sonderausstellung „Carl Rudolph Brommy – Der Admiral der Revolution?“ präsentiert wird, die Stiftung Oldenburgischer Kulturbesitz (SOK). Die hatte es einer Bremerin abgekauft, die ungenannt bleiben will.

Horst-Günter Lucke, Dr. Christine Keitsch und Thomas Kossendey präsentieren die Miniatur-Ordenskette von Admiral Brommy. Diese wird zunächst in der Sonderausstellung gezeigt, anschließend in die Dauerausstellung übernommen. BILD: Minten
Horst-Günter Lucke, Dr. Christine Keitsch und Thomas Kossendey präsentieren die Miniatur-Ordenskette von Admiral Brommy. Diese wird zunächst in der Sonderausstellung gezeigt, anschließend in die Dauerausstellung übernommen. BILD: Minten Markus Minten

Fünf auf einen Streich

Fünf Orden an einer Kette zeigt die Neuerwerbung des Schifffahrtsmuseums. Die Originale wurden Admiral Carl Rudolph Brommy innerhalb von vier Jahren zwischen 1848 und 1852 verliehen (im Bild von links):


 Großkomturkreuz vom Hausorden Peter Friedrich Ludwig von Oldenburg


 Komturkreuz mit Schwertern vom Guelphen-Orden (Königreich Hannover)


 Ernestinischer Hausorden mit Schwertern (Sachsen-Coburg und Gotha)


 Kreuz des Erlöser-Ordens (Griechenland)


  Kreuz 1. Klasse für den Freiheitskrieg unter König Otto (Griechenland), Gatte der Amalie von Oldenburg.

Im Juni dieses Jahres hatte Keitsch erstmals von der Existenz der Kette erfahren. Die hatte die spätere Verkäuferin bei der Räumung des Dachbodens ihres Schwiegervaters gefunden. Der, längst verstorben, wiederum hatte sie als Dank für seine langjährigen Dienste als Fahrer einer Bremer Spedition erhalten. Was folgte waren Prüfungen auf Echtheit (an der Experten keinen Zweifel hegen) sowie ein Hilferuf an die Oldenburgische Landschaft zur Finanzierung eines Ankaufs (der zur Freude der Museumsleiterin sofort erhört wurde).

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Die Miniaturen zeigen Orden aus Oldenburg, Hannover, Sachsen sowie Griechenland. Hier hatte sich Brommy 1827 den Griechen in deren Unabhängigkeitskrieg angeschlossen, wo die Marine-Laufbahn des Seemanns begann. Einige der Verleihungen sind durch zeitgenössische Zeitungsartikel aus den Jahren 1849 bis 1852 belegt.

Getragen haben dürfte Brommy die Kette am privaten Frack. Dafür waren derartige Nachbildungen der Orden gedacht. Die Anfertigung war vermutlich vom Admiral selber bei einem Juwelier in Auftrag gegeben worden.

Das 19. Jahrhundert sei „eine Welt der Orden“ gewesen, erinnert Horst-Günter Lucke an die Wertigkeit solcher Auszeichnungen. Dabei kennt der Präsident der SOK auch einen weiteren wichtigen Hintergrund derartiger Ehrungen: Für die Herrschenden war es günstiger, verdiente Untertanen auszuzeichnen, statt sie besser zu entlohnen. „Wir freuen uns sehr, dass das Schifffahrtsmuseum Brake jetzt über ein so persönliches Erinnerungsstück an Admiral Brommy verfügt. Die Anschaffung haben wir deswegen sehr gerne unterstützt“, so Lucke.

Die Miniaturen sind vor allem deshalb von Wert, da die Originale der Orden bis heute nicht aufgetaucht sind. Das Museum sei aber weiterhin dabei „Spuren des Nachlasses von Brommy zu finden“, hofft Keitsch auf weitere Funde und mögliche Anschaffungen.

Im Jahr 1849 hatte die Frankfurter Nationalversammlung Brommy zum Oberbefehlshaber des ersten gesamtdeutschen Flottenverbandes ernannt. Während des Aufbaus der deutschen Flotte lebte Brommy in Brake, der Heimatstadt seiner Frau Caroline Gross. Hier waren auch Einheiten der Flotte lagen. Bestattet ist er auf dem Friedhof in Kirchhammelwarden.

Zu der Sonderausstellung „Carl Rudolph Brommy – Admiral der Revolution?“ wird im Verlag Koehler Mittler ein gleichnamiges Buch erscheinen. Darin fassen die beiden ehrenamtlichen Museumsmitarbeiter Frank Ganseuer und Erwin Wagner den aktuellen Stand der Brommy-Forschung zusammen.

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Markus Minten Leitung / Lokalredaktion
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