Brake Es ist ein vorzügliches Kammerspiel. Ein spannendes Stück mit neun Schauspielern auf einer Bühne, deren Dekoration sich im Verlauf der Handlung zwar nicht verändert. Dafür brillieren die sehr wandlungsfreudigen Akteure der Niederdeutschen Bühne Brake in ihren Rollen. Es ist imponierend, wie selbstbewusst alle im plattdeutschen Stück „De Seelenbreker“ agieren. Regisseurin Anke Hempel (Bremerhaven) hat hervorragend mit ihnen gearbeitet: Das Ensemble ist bestens aufeinander eingespielt.

Zur Premiere hätte das Wetter nicht passender sein können. Draußen schneit es unaufhörlich, Schnee hüllt Autos, Straßen und Gehwege ein. Es ist ungemütlich und nasskalt. Auch im Forum des Berufsbildungszentrums (BBZ) weht ein eisiger Wind. Es braust aus den Lautsprechern, vor der Bühne liegen weiße Styroporbrocken. Die Klinik, in deren Bibliothek die Handlung spielt, ist jetzt von der Außenwelt abgeschnitten. Es wird frostig. Schnee und Blitzeis halten Personal und Patienten gleichermaßen gefangen. Es tönt „Don’t worry, be happy“ aus einem Lautsprecher im Bücherregal.

Die Handlung nimmt Fahrt auf. Und ehe sich die Akteure versehen, stecken sie mitten drin in einer Treibjagd. Junge Frauen sind umgekommen, seelisch gebrochen aber nicht gefoltert worden, wie es heißt. Vom Täter fehle jede Spur. Die Klapsmühle wird nun zu einem Ort des Bösen und nimmt Einfluss auf die Menschen, die sich darin befinden. Von der Außenwelt abgeschnitten, gibt es Verdächtigungen und Anschuldigungen. Die Bibliothek ist Rückzugsort und eine vermeintlich sichere Basis zugleich. Niemand weiß, wer der „Seelenbrecher“ ist, doch eines ist allen bewusst: Der Mörder ist unter ihnen.

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Es ist der Horror, der sich Bahn bricht. Der Patient Caspar, grandios gespielt von Renke Brüning, der sein Gedächtnis verloren hat und sich ganz allmählich erinnert, bricht immer wieder zusammen. Dann hat er eine Erscheinung. Ein junges Mädchen (Anneli Eilers) schreitet durch die Bibliothek, die dann abgedunkelt ist, und hält zu ihm Blickkontakt. Caspar fällt um, schüttelt sich wild, sein Körper bebt. „Wer bin ich, was mache ich hier?“, stammelt er nach der ersten Erscheinung.

Sein unmittelbarer Kontrahent ist der Rettungssanitär Tom Schadeck, großartig verkörpert von Tobias Petershagen, der Renke Brüning an Spielfreude in nichts nachsteht. In der Klapsmühle prallen die Charaktere des Psychos Caspar und des aufbrausenden Sanitäters aufeinander. Sie bekriegen sich, brüllen sich an, ringen miteinander auf der Bühne. Auch sonst ist der Sanitäter eher von der handgreiflichen Sorte. Ist er der Mörder? Oder ist es doch der Psycho?

Ein mit dem Rettungssanitäter eingetroffener Patient geistert durchs Hospital. Wie Klaus Decker die Figur des Dr. Jonathan Bruck in Szene setzt, ist einfach herrlich anzuschauen. Und wie der Hausmeister Dirk Bachmann (klasse gespielt von Holger Wedeken) bei all den Verwirrungen und Ängsten, die alle umtreiben, um Fassung ringt, ist ebenfalls sehenswert.

Schlüsselrollen kommen Christine Ulrich, die in der Rolle der zeitweise total komatösen Psychiaterin Dr. Sophie Dorn glänzt, sowie Anke Bode zu, die als ältere Patientin Greta Kaminsky überzeugt und die Flinte nicht ins Korn wirft, alle mitreißt – inklusive Publikum.

Den Reigen komplettieren Anna Ising als Krankenschwester Yasmin Schiller, die durch ihre Rolle gleichfalls die Spannung hochhält und beschwichtigend eingreift, und Klaus Nicolaisen als Chefarzt Professor Dr. Samuel Raßfeld, der leider zu früh von der Bühne abtritt. Ein Schaudern erfüllt das Forum – nicht nur wegen des Wetters – bis hin zum überraschenden Ende.

Ulrich Schlüter Elsfleth / Redaktion Brake
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