Brake Als Beethovens „Große Sonate für das Hammerklavier“ Opus 106 im Jahre 1819 erschien, galt sie als unspielbar. Erst 1836 führte Franz Liszt sie öffentlich in Paris auf. Bis heute ist es eine Seltenheit, wenn Beethovens längste und technisch wie intellektuell anspruchsvollste Klaviersonate gespielt wird.

Umso erfreulicher, dass dieses Werk im Rahmen der „Hommage à Beethoven“ präsentiert werden kann. Mit dieser Sonate nahm der künstlerische Leiter der Konzertreihe, Professor Kurt Seibert, den Veranstaltungsreigen wieder auf, der durch Corona unterbrochen worden war. Kreiskantor Gebhard von Hirschhausen begrüßte im Paul-Gerhardt-Haus das erlaubte Maximum von 25 Zuhörern und gab das Wort dann zunächst weiter an Pfarrer Christian Egts, der einen Überblick zu historischen und musikalischen Eigenheiten gab. Kurt Seibert kommentierte die Ausführungen mit Klangbeispielen am Flügel. So erlebten die Gäste eine hervorragend abgestimmte Gemeinschaftsproduktion.

Egts ging unter anderem auf die Grundtonart B-Dur ein, die bei Beethoven oft eine Auseinandersetzung mit Johann Sebastian Bach signalisiert. Gewidmet ist die Sonate dem Erzherzog Rudolph von Österreich, dem Gönner am kaiserlichen Hof in Wien und offensichtlichen Könner am Klavier.

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Beethovens maßlos überzogene Tempovorschriften sind hauptsächlich gedanklich nachzuvollziehen, weniger im tatsächlichen Spiel. So erweist sich, in Analogie zu Goethes Lesedrama „Faust II“, die Hammerklaviersonate über weite Strecken als „Lesemusik“.

Der zweite Teil des Abends gehörte dann der klingenden Musik. Die polyphonen Abschnitte, die das ganze Werk prägen, kamen wirkungsvoll zur Geltung und lösten vieles ein, was vor der Pause erwähnt worden war. Besonders im dritten, dem langsamen Satz, ließ Seibert den Einfluss Carl Philipp Emanuel Bachs hören, hinter dessen empfindsame Theorie der „Klangrede“ sich der Romantiker Ludwig van Beethoven versteckt.

Die ersten beiden von Beethoven erst kurz vor Drucklegung eingefügten Töne eröffneten in Seiberts dichter Interpretation eine Welt von durchaus religiösen und aufklärerischen Dimensionen. In der Einleitung zur großangelegten Schlussfuge arbeitete Seibert dann die „Stufen der Polyphonie“ heraus – inmitten einer Tonsprache, die im Prozess ihrer eigenen Entstehung im Sinne des von Beethoven selbst seit 1802 so genannten „neuen Weges“ über die Romantik weit in die musikalische Moderne weist.

Das Publikum dankte mit langanhaltendem Beifall.

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