Brake Beethovens Klaviermusik habe „die ganze Romantik und ihre Kritik in sich“, notierte Theodor W. Adorno im Jahre 1940. Anlässlich der Konzertreihe „Hommage à Beethoven“ bildete dieses Zitat einen gedanklichen Ansatz, den Professor Kurt Seibert und Pfarrer Christian Egts am Beispiel von zwei Es-Dur-Sonaten einem von Kreiskantor Gebhard von Hirschhausen begrüßten Publikum im Paul-Gerhardt-Haus in Brake nahebrachten.

Die „Grande Sonate“ Opus 7 ist, wie Egts ausführte und Seibert kommentierend mit Klangbeispielen bekräftigte, das Werk eines optimistisch in die Zukunft und auf seine Karriere vorausblickenden 25-jährigen Pianisten und Komponisten. Beethoven wurde in Wien als „zweiter Mozart“ gefeiert. Einer seiner adligen Klavierschülerinnen ist diese Sonate von 1796/97 gewidmet. Ihre Benennung „Der/die Verliebte“ ist auch musikalisch zu verstehen: Zweistimmige Passagen, rhythmische Raffinessen und „sprechende Pausen“ lassen ein neues Menschenbild aufklingen, das in Frage und Antwort, im Beharren und Fortschreiten, in Tradition und Moderne sich hin und her bewegt.

Ausdrucksstarker Satz

Der erste Satz der Klaviersonate Opus 81a „Das Lebewohl/Les Adieux“ beginnt mit einer ausdrucksstarken Einleitung, deren erste drei Töne mit den Silben „Le-be-wohl“ überschrieben sind. Gemeint ist der Abschied des Erzherzogs Rudolph von Österreich, der wegen der anrückenden Napoleonischen Truppen und kriegerischen Beschießungen im Mai 1809 Wien verließ (und erst im Januar 1810 wiederkommen sollte). Dieser Gönner aus der kaiserlichen Familie sicherte Beethoven eine liberal-romantisch verstandene Freiheit, die für den Rest der Bevölkerung mehr und mehr eingeschränkt wurde. Das Anfangsmotiv des Sonatensatzes kehrt immer wieder, wird mit imitierten „Hornsignalen“ und imaginiertem „Pferdegetrappel“ so unterlegt, dass man hier von „Programm-Musik“ sprechen kann. Der zweite Satz, „Die Abwesenheit“, lässt die Musik traurig geraten, indem Beethoven Elemente barocker Klangrede wirkungsvoll einsetzt. Schließlich wird im dritten Satz „Das Wiedersehen“ rasant gefeiert. Die Musik bildet allerdings nicht einfach historisches Geschehen ab, sondern fasst menschliche Erfahrungen in Töne.

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Für Sinne erfahrbar

Kurt Seibert spielte beide Sonaten mit einer Brillanz, die sämtliche Ausdrucksmöglichkeiten des Flügels zum Klingen brachte. Dass mit Beethoven die Klassik romantisch wird und die Romantik sich umgekehrt in klassischen Formen entfaltet, wurde mit allen Sinnen erfahrbar. Das Publikum dankte mit langanhaltendem Beifall.

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