Augustgroden Es wächst hinter dem Deich und nirgendwo sonst. Versuche, es binnendeichs anzubauen, sind gescheitert. Das Andelgras braucht salzigen Boden, sonst geht es ein. Zusammen mit der Andelblume ist es das Symbol für Augustgroden und seinen Bürgerverein. 2017 wird er 60 Jahre alt – und genau so lange gibt es auch das Andelfest, die große Party am Deich, die nach der charakteristischen Pflanze der Salzwiesen benannt ist.

Am 8. Februar 1957 gründeten 17 Bürger den Bürgerverein Augustgroden in der Gaststätte von Emmy und Wilhelm Behrens in Reitlanderzoll. Das soll in diesem Jahr mit einem besonders schönen Andelfest gefeiert werden. Wieder ziehen sich die Festivitäten von Ende Juli bis zum ersten August-Wochenende hin.

Lehrer schreibt Andellied

Feiern können sie, die Augustgrodener. Das war 1957 nicht anders, denn als Vereinsziele wurden festgelegt: Aufstellen eines Maibaums, Pflege der Geselligkeit, des niederdeutschen Brauchtums sowie der plattdeutschen Sprache. Vom Andelfest war zunächst noch nicht direkt die Rede. Es entstand spontan, erzählt Hergen Hülstede, seit 1993 Erster Vorsitzender des Bürgervereins. Die Bauern hatten Glück mit Andelernte gehabt, der Blanke Hans hatte sie verschont. Und deshalb organisierten sie ein Fest, das auf der Diele des Bauern Hugo Wispeler stattfand. Hauptlehrer Gerold Meiners von der Augustgrodener Schule – sie bestand von 1908 bis 1964 – komponierte und textete das Andellied, selbstverständlich auf Plattdeutsch, und studierte es mit 20 Schülern ein. Trotz des schlechten Wetters war das erste Andelfest gut besucht.

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Apotheke für Kühe

Andel gilt als Apotheke für Kühe. Es ist gesund und schmeckt den Schwarzbunten besonders gut. Doch in früheren Jahrzehnten war die Ernte ein Vabanquespiel. Das Gras musste nach dem Mähen einige Tage liegen, ehe es trocken genug war, damit es abgefahren werden konnte. Wenn das Hochwasser mittags auflief, entwickelte sich oft eine Springflut daraus, die den Groden unter Wasser setzte – und mit ihm das frisch gemähte Andelgras. Anlass genug, jede Ernte zu feiern. Auch heute wird noch Andel geerntet – auf Flächen, die die Nationalparkverwaltung ausgewiesen hat, wie Hergen Hülstede erläutert. Und es darf geerntet werden, wenn ein Ornithologe Ende Juli die Brut- und Setzzeit für beendet erklärt hat.

Neben dem Gras werden fünf oder sechs Säcke Andelblumen geerntet – für die Andelkrone und die Girlanden zum Fest. „Andelblumen dürfen nicht gepflückt werden“, betont Hergen Hülstede, „sie werden geschnitten.“

Mit der Fertigstellung des Augustgrodendeiches bekam auch das Andelfest einen neuen, trockenen Platz. Er liegt ein bisschen einsam, was einigen Mitgliedern zunächst Sorge bereitete. Doch auch am neuen Platz wird das Fest gut angenommen.

Genau wie der Bürgerverein selbst. Er wächst immer weiter. Inzwischen zählt er 380 Mitglieder – nicht nur aus Augustgroden, sondern auch aus Seefeld, Stollhamm und Diekmannshausen.

Selbst die Gründung eines Bürgervereins in Seefeld in den 80er Jahren konnte diese gute Entwicklung nicht stoppen. Den Verein in Seefeld gibt es schon lange nicht mehr, aber der Bürgerverein Augustgroden blickt voller Optimismus auf die nächsten 60 Jahre.

Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
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