Bardenfleth Die Geschenke sind längst umgetauscht, der Christbaum ist entsorgt, die Weihnachtsgans hat sich in Hüftspeck verwandelt und dann das: Im Januar weihnachtliche Klänge in der Bardenflether St.-Anna-Kirche?

Das sei durchaus legitim, klärt „Laway“-Gründer Gerd Brandt die Konzertbesucher auf, die Weihnachtszeit würde erst am 2. Februar enden, an „Maria Lichtmeß“. So ist es ein Glück, dass die Musiker des Konzertprojekts „Musik in d’Lüchterkark“ auf ihrer Tournee, die am 29. November in Wiesmoor startete, Station in Bardenfleth machen und ihren Zuhörern ein Repertoire schenken, das seinesgleichen sucht. Begrüßt wurden die Gäste von Elsfleths Pastor Hans-Christof Rösner in Vertretung seines verhinderten Amtsbruders Hans-Werner Boltjes.

Dem heftigen Schneetreiben am Freitagabend zollten „Laway“, „La Kejoca“ und „Triangel“ ihren Respekt, der winterliche „Unwert Gast“, eine Weise aus dem Mittelalter, erzeugte eine mystische Atmosphäre, man sehne das Wiedererwachen des Frühlings und der Liebe herbei. Aber dabei wollten es die Mezzosopranistin Carmen Bangert, Bassbariton Keno Brandt, Geiger Jonas Rölleke, Albertus Akkermann am Akkordeon, Jörg Fröse (Multiinstrumentalist) und Gerd Brandt (Gitarre) nicht belassen. Vielsprachig von Platt bis Latein, über Englisch, Spanisch und Italienisch luden sie das Publikum zu einer einzigartigen musikalischen Weltreise unter dem Motto „Folk meets Classic“ ein.

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„Viele unserer Stücke erklingen in ostfriesischem Platt“, juxte Gerd Brandt, „das war schließlich vor 500 Jahre von Spitzbergen bis nach Venedig die Weltsprache, auch wenn die Kirche das Lateinische bevorzugte. Auch wir haben unsere Verträge alle in ostfriesischem Platt abgeschlossen“. Man wollte es ihm gerne glauben, also „Gaudete“ – Freuet euch! Das sei zwar lateinisch, aber gleichzeitig auch ein musikalischer Wegweiser, der zu Bach, Händel und Schubert führe. Und warum sollte ein klassisches Weihnachtslied, wie „In dulci jubilo“ nicht zum Rockklassiker werden? 1975 hatte es Mike Oldfield mit seiner E-Gitarre gewagt, das Lied wie eine irische Weise zu interpretieren, davon ließ sich auch das Lüchterkark-Ensemble inspirieren.

Ob Variationen zum Christmas Carol „Go rest you merry, Gentlemen“, ob spanische Weihnachtskantate „El Nacimiento“ oder das plattdeutsche „Na Bethlehem ik gah“, ob Rezitativ und Arie aus Händels „Messias“ oder George Bizets „Carmen Suite“, die Bandbreite der Interpretationen, die einzigartigen Stimmen von Carmen Bangert, Keno Brandt und Albertus Akkermann, die Vielfalt der Instrumente – alles zusammen fügte sich zu einem runden Ganzen, das die Gäste in Begeisterung versetzte. „Rock meets Classic“ – das galt auch für „Hoe Down“, den traditionellen Folkdance aus den USA, den die drei Musiker von „La Kejoca“ in Anlehnung an die Version von Emerson, Lake and Palmer ins Repertoire genommen haben. Und dann führten die Musiker das im vergangenen Jahr zum Schlager verhunzte italienische Arbeiterlied gegen den Faschismus „Bella Ciao“ zurück zu seinen Wurzeln. Dafür sollte man danken! Für das gesamte fantastische Konzert gab es in der Bardenflether „Lüchterkark“ stehende Ovationen und einen Applaus, der nicht enden wollte. Zum Glück gab es noch eine Zugabe an diesem Abend der verschneiten „Winterreise“.

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