Atens Es galt anfangs fast als unspielbar und zählt dennoch zu den bekanntesten und meistgespielten Violinkonzerten überhaupt – das einzige Konzert für Violine und Orchester D-Dur op. 35 von Peter Tschaikowsky.

In der Stadthalle Friedeburg bekamen 230 Musikfreunde die hochkarätige Musikveranstaltung zu hören, die von der Klassischen Philharmonie Nordwest unter der Leitung von Ulrich Semrau und der Violin-Virtuosin Ksenia Dubrowskaya aufgeführt wurde.

Stefan Tönjes, der als Zweiter Vorsitzender der Goethe-Gesellschaft den Konzertnachmittag mit Werken von Engelbert Humperdinck (1854 bis 1921), Peter Tschaikowsky (1840 bis 1893) und Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809 bis 1847) organisiert hatte, zeigte sich angesichts der Besucherzahlen allerdings etwas enttäuscht. „Ich hatte eigentlich auf mehr Zuhörer gehofft, allein, um die Unkosten decken zu können“, sagte er. Seine Begeisterung für die grandiose Darbietung konnten diese Zahlen aber nicht schmälern. „Was für eine Leidenschaft und Emotionalität diese Ksenia Dubrowskaya ausdrückt. Unglaublich! Musik muss man eben auch sehen, nicht nur hören“, schwärmte der pensionierte Musiklehrer.

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Tragische Märchenoper

Das fast 50-köpfige Sinfonieorchester begann mit der Ouvertüre der Oper „Hänsel und Gretel“ von Engelbert Humperdinck, die im Dezember 1893 unter der Führung von Richard Strauß in Weimar erstmalig aufgeführt worden war. Das knapp zehnminütige Vorspiel dieser tragischen Märchenoper deutete bereits die enorme Klangfülle an, die die vielen Bläser, Streicher, Flötisten und Pauke auf der fast schon vollen Bühne gemeinsam zu erzeugen wissen.

Uneingeschränkter Höhepunkt des wunderbaren Konzerts war das darauf folgende Violinkonzert von Peter Tschaikowsky, das der russische Komponist im Frühjahr 1878 in nur drei Wochen geschrieben hatte, als er sich am Genfer See von Depressionen und einem Nervenzusammenbruch erholt hatte.

Seine wiedergefundene Lebensbejahung und Lebensfreude spiegeln sich in zahlreichen Passagen des poetischen und komplexen Werks wider. Für die Solovioline ist es dagegen eine ganz besondere Herausforderung, denn extrem schwierige Doppelgrifffolgen machen dieses Konzert zu einer Spezialität für absolute Könner.

Für die exzellente Geigerin Ksenia Dubrowskaya, die auf einer Violine von Giovanni Battista Gabrielli aus dem Jahr 1770 spielt, scheinen diese Griffe allerdings überhaupt kein Problem zu sein. Ob rasend schnelle Doppelgrifffolgen oder Flageoletttöne – das sind besonders hohe Töne, die entstehen, wenn man eine Saite in Schwingung bringt, sie am Griffbrett nicht fest greift, sondern nur leicht berührt – alles meisterte die preisgekrönte Musikerin mit Bravour.

Applaus und Zugabe

Eingebettet sind ihre Soli-passagen in herrliche und eingängige Melodiefolgen, die das Orchester durchweg äußerst souverän und entsprechend umzusetzen weiß. Alle Musiker erhielten in der Friedeburg kräftigen Applaus, und Ksenia Dubrowskaya spielte eine Zugabe. „Aprikosenbaum“ heißt das Lied aus ihrer Heimat, in der ihr gekonntes Geigenspiel teilweise nicht mehr an ein Streichins­trument, sondern vielmehr an ein Flötenvorspiel erinnert.

Nach der Pause zeigte das Orchester nochmals seinen vollen sinfonischen Einsatz. Den Abschluss bildete die halbstündige Reformationssinfonie Nr. 5 d-moll op. 107. Dieses viersätzige Werk ist als Jubiläumssinfonie geschrieben worden und endet mit der musikalischen Umsetzung des bekannten Chorals „Ein feste Burg ist unser Gott“ von Martin Luther.

Auch hier offenbarte sich die ganze beeindruckende Qualität des Orchesters, das seit mehr als zwei Jahrzehnten besteht und sich aus Musikern der Freien Hansestadt Bremen, der Metropolregion Nordwest und des Landkreises Diepholz zusammensetzt.

Wer diesen erinnerungswürdigen Konzertnachmittag verpasst hat, sollte sich den 6. Januar vormerken. Dann wird die Klassische Philharmonie Nordwest unter Leitung von Ulrich Semrau, dem das Zusammenspiel mit jüngeren Künstlern ein besonderes Anliegen ist, in der Friedeburg sein Neujahrskonzert mit Werken von Peter Tschaikowsky und Johann Strauß aufführen.

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